Achtkerner: Was wir über den Intel Core i9-9900K wissen

Intel Core i9-9900K
Ein Mockup eines möglichen Brandings für die 9. Generation. (Bild: wccftech)

Intels kommender Mainstream-Flaggschiffprozessor Core i9-9900K geistert schon länger durch die Medien. Wir fassen hier alle Gerüchte und Leaks zusammen.

Intel muss AMD wieder einholen – zumindest bei den Kernen

AMD hat die Prozessorwelt und vor allem Konkurrent Intel im Jahr 2017 ziemlich überrascht. Mit der neuen Prozessorfamilie namens Ryzen kamen erschwingliche Achtkern-Prozessoren mit 16 Threads auch in die Mainstreamkategorie. Bis dahin waren eigentlich die Intel-Prozessoren mit vier Kernen und acht Threads, konkret der Core i7-7700K, das Nonplusultra, was Prozessoren im Mainstreamsegment angeht. AMD hatte mit der FX-Serie und der Bulldozer-Architektur eine ordentliche Bauchlandung hingelegt, vor allem was Spiele anbelangte. Dadurch war der Chiphersteller jahrelang nicht wirklich konkurrenzfähig, was die Prozessoren angeht.

Ryzen hat das ganze jedoch maßgeblich geändert. AMD hat Intel sogar in gewisser Weise zum Reagieren gezwungen. Das Produkt daraus ist die Coffee Lake-Generation. Diese bot erstmals Intel-Prozessoren mit sechs Kernen, im Topmodell i7-8700K sogar mit 12 Threads. Der Prozessorhersteller hat die ganze Generation jedoch auch vorgezogen, was uns unter anderem den Z370-Chipsatz beschert hat. Dieser ist eigentlich nur ein umbenannter Z270-Chipsatz. Die neuen Prozessoren der achten Generation laufen Intel-typisch jedoch nicht auf den Mainboards der Vorgänger, sondern nur auf Z370. Beim Start gab es generell nur den Top-Chipsatz und damit nur recht teure Mainboards. Trotzdem war der Konter erfolgreich: Coffee Lake verkauft sich nach wie vor prächtig, der i7-8700K ist aktuell wohl einer der besten Gaming-Chips überhaupt.

Ein „echter“ Konter war dies aber trotzdem nicht wirklich. AMD bietet derzeit weiterhin als einziger Hersteller acht Kerne und 16 Threads im Mainstreamsegment. Das Unternehmen hat damit auch bewiesen, dass durchaus Marktpotenzial für diese Kernzahl da ist. Und auch die Spielehersteller schwenken auf mehr Kerne um. Daher hat Intel gut ein Jahr nach dem Start der achten Generation eine Neuauflage von Coffee Lake geplant. Wir nennen sie jetzt einmal Coffee Lake-Refresh. Und diesmal setzt das Unternehmen ebenfalls auf Achtkerner – zumindest in den Top-Serien. Dafür gibt es sogar ein neues Branding. Das kommende Topmodell heißt Core i9-9900K.

Acht Kerne und 16 Threads – aber nur in der absoluten Spitze


Intel hat sich mit der neuen Generation Zeit gelassen. Bereits seit dem Coffee Lake-Release gab es erste Leaks und Anzeichen, dass wohl bald ein Achtkerner folgen könnte. Daher war die Grundauffassung direkt, dass noch in der achten Generation als Ergänzung ein neues Topmodell kommt, kolportierter Name war damals i7-8800K. Intel hat sich damit jedoch deutlich länger Zeit gelassen. So kommt der Achtkerner erst in der neunten Generation und ändert dabei einiges in Intels Portfolio. So wird es zwei Modelle mit acht Kernen geben. Das Topmodell heißt Intel Core i9-9900K und kommt mit acht physischen Kernen und 16 Threads. Das Chipunternehmen hat damit die Core i9-Marke auch in der Spitze des Mainstream-Portfolios etabliert. Darunter folgt der Core i7-9700K, welcher ebenfalls acht Kerne erhält. Gestrichen hat Intel dabei jedoch die Unterstützung für Simultaneous Multi Threading, kurz SMT, oder im Intel-Jargon auch Hyperthreading genannt. So gibt es nur acht physische Kerne und acht Threads. Der darunter folgende Core i5-9600K passt wieder ins Schema und setzt auf sechs Kerne ohne Hyperthreading.

Intel schätzt damit wohl den Markt etwas besser ein als AMD. So bringen viele Threads vor allem in Spielen derzeit leider relativ wenig – zumindest deutlich weniger als physische Cores. Der i7-9700K könnte somit das Gaming-Flaggschiff werden. Der i9-9900K wäre dann das absolute Highend-Modell im Mainstreamsegment und verbindet acht Kerne und 16 Threads mit hohem Takt. Welcher Prozessor sich im Gaming dann besser schlägt, wird sich noch zeigen müssen. Intel befriedigt damit aber auch in gewisser Weise in einem breiten Segment die Wünsche seiner Kunden. Einerseits gibt es jetzt acht echte Kerne, andererseits auch ein Highend-Modell mit Hyperthreading. Mit der starken Singlecore-Leistung im Vergleich zu AMD wird Intel mit der neunten Generation wohl auch im Multithreading-Szenario ab jetzt den Rang ablaufen. Als Ausgleich könnte AMD jedoch noch einen Ryzen 7 2800X in der Hinterhand haben.

Hohe Taktraten in der neuen Generation

Denn auch die neunte Generation setzt auf deutlich optimierte Taktraten. Intel verwendet zwar weiterhin den 14nm-Prozess zur Herstellung, hat diesen aber offenbar noch einmal deutlich verfeinert. Somit sind noch höhere Taktraten auch auf acht Kernen möglich. Konkret sollen das bis zu 5,0 GHz auf zwei Kernen des i9-9900K sein. Auf vier Kernen sind 4,8 GHz möglich, auf sechs oder allen acht Kernen noch immer 4,7 GHz. Zu beachten ist, dass der i9-9900K das out of the Box schaffen soll. Es soll sich dabei nämlich um die Turbo-Taktraten handeln. Auch der i7-9700K soll hoch takten und schafft auf einem Kern 4,9 GHz, auf zwei 4,8 GHz, auf vier 4,7 GHz und auf allen Kernen 4,6 GHz.

Damit nicht genug gibt es auch bereits ein erstes Overclocking-Ergebnis zum i7-9700K. Ein aufgetauchtes Ergebnis zeigt den Prozessor auf 5,5 GHz Taktrate bei 1,536 Volt Spannung auf allen acht Kernen. Da der i9-9900K noch besser selektiert ist, erwarten wir auch für ihn ähnliche Übertaktungsergebnisse. Die Leistungssteigerung durch Übertakten ist damit auch bei den kommenden Achtkernern wohl leicht zu machen. Das schafft Intel unter anderem durch ein neues Thermal Interface Material.

Die Achtkerner sind verlötet

Zumindest bei den Achtkernern soll ein anderes Thermal Interface Material, kurz TIM, zum Einsatz kommen. Das haben wir zuerst von einer internen Händlerquelle erfahren, andere Quellen haben dies nach und nach bestätigt. Auch Intel selbst spricht in einer geleakten Präsentation von „STIM“, also Soldered Thermal Interface Material. Nachdem Intel uns seit der Ivy Bridge-Generation 2012 im Mainstreamsegment mit der vielgehassten „Zahnpasta“ gequält hat, gibt es jetzt endlich wieder verlötete Prozessoren. Der letzte Leak zeigt, dass dabei wohl ein Indium-Lot mit Gold-Überzug zum Einsatz kommt. Dadurch soll die Wärmeableitung massiv besser sein als mit dem bisher verwendeten TIM. Dieses wurde von manchen oft durch Köpfen des Prozessors entfernt und durch Flüssigmetall ersetzt. Die Ergebnisse von guten 20 Grad Celsius Differenz konnten sich durchaus sehen lassen. Ähnlich gute Ergebnisse sollte daher auch die verlötete Variante bringen.

Dabei verlötet Intel nicht alle Prozessoren der neuen Generation, wie zuerst von vielen gehofft. Lediglich die Heatspreader der Achtkerner i9-9900K und i7-9700K sollen verlötet sein. Das macht Intel scheinbar nicht wirklich gerne, wird aber aufgrund der Abwärme der Prozessoren dazu gezwungen. Diese sind zwar mit 95 Watt TDP spezifiziert, dabei geht es jedoch nur um den Basistakt, der deutlich niedriger liegen soll. Für die hohen Turbotaktraten gibt es mehr Abwärme, weshalb wohl auch das Verlöten notwendig wurde.

Z390 – der neue Chipsatz für die neunte Generation

Typischerweise gibt es für die neue Prozessorgeneration auch einen neuen Chipsatz. Intel setzt dabei dieses Jahr aber auf eine andere Taktik. So gibt es nur einen neuen Top-Chipsatz namens Z390, der den älteren Z370-Chipsatz ersetzt. Die Einsteiger- und Mittelklasse-Chipsätze H310, B360 und H370, welche erst vor kurzem vorgestellt wurden, bleiben hingegen. Z390 bietet im Vergleich zu Z370 fast die gleichen Features, bringt jedoch die direkte Integration von WLAN-AC, Bluetooth 5.0 und USB 3.1 mit sich. Gute Nachrichten gibt es auch für alle Aufrüster. Auch die alten Chipsätze bis hin zum kleinsten H310-Chipsatz sollen die Achtkerner unterstützen. Somit kann auch von der achten problemlos auf die neunte Intel-Generation gewechselt werden.

Preise und Verfügbarkeit: Wann kommt der i9-9900K?

Lange wird es nicht mehr dauern, bis Intel die neue Generation offiziell launcht. Mit dabei sollen dieses mal direkt die drei Topmodelle i5-9600K mit sechs Kernen, i7-9700K mit acht Kernen und i9-9900K mit acht Kernen und 16 Threads sein. Wann Intel die Prozessoren in den Handel entlässt, ist noch nicht ganz klar. Die letzten Roadmaps sprachen jedoch von Anfang Oktober. Auch die aufgetauchten Listings bei Händlern deuten darauf hin, dass es nicht mehr lange dauern kann. Durch die Händler gibt es auch bereits kolportierte Preise. Dabei soll der i9-9900K gut 560 Euro kosten, während der i7-9700K auf 435 Euro kommt. Intel lässt sich die zwei zusätzlichen Kerne also auch fürstlich bezahlen. Ob die Preise nach dem Launch sinken, ist noch unbekannt.


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