Vega 20 7nm, Vega 12 und Navi: was wir über die kommende AMD-Generation wissen

AMD Radeon RX
(Bild: AMD)

Nvidia Turing soll bald kommen, doch auch AMD werkelt fleißig an seinen Grafikkarten. Neue Hinweise zu einer Vega 12 für den Desktopmarkt und einer Vega 20 im 7nm-Verfahren für die Radeon Instinct-Marke zeigen einen ungefähren Weg. Auch Infos zur aufkommenden Navi-Generation gibt es.

AMD Vega: Flop oder Zukunft?

Bereits 2016 ging es los mit den Gerüchten. AMD schraube demnach an einer revolutionären Architektur für seine neuen Grafikkarten. Der Name: Vega. Der Grafikhersteller entließ auch immer wieder Informationshäppchen in die Medienlandschaft und erzeugte so einen sehr starken Hype. Überschattet hat diese Sache nur mehr der Miningboom. Nach kurzer Zeit war auch die Befürchtung da, dass die neue Vega-Architektur ausgezeichnet zum Mining geeignet sein soll. Mit der Vega Frontier Edition kam dann auch relativ bald ein erstes Profi-Gerät mit überzeugenden Werten auf den Markt. Mit 16 GB HBM2-Grafikspeicher ist die Frontier Edition ein absolutes Grafik-Monster. AMD erreichte mit der Karte auch 13 TFLOPS an Leistung. Das war auch ein guter Ausblick auf den Gaming-Ableger.

AMD konnte es nicht lassen und heizte die Stimmung zum Launch der RX Vega 64 und 56 an. Die kommenden Grafikkarten sollten ein außergewöhnlich gutes Preis-Leistungsverhältnis haben. Einige Leaks zitierten AMD auch damit, auf der Siggraph, dem Launchdatum der RX Vega, „das unmögliche zeigen zu wollen“. Der Hype und die Begeisterung zerschlug sich beim tatsächlichen Launch der RX Vega-Grafikkarten jedoch sehr schnell. Die RX Vega 64 erreichte in den meisten Fällen „nur“ die GTX 1080 bzw. lag ein bisschen darüber, die RX Vega 56 lag zwischen GTX 1070 und GTX 1080. Die Preise waren zwar gut, die Miner kauften jedoch erneut alles auf, was sie in die Finger bekamen. Die Preise für RX Vega 64 und RX Vega 56 sind noch immer so hoch, dass sie keine wirkliche Konkurrenz für die GTX 1080 und die mittlerweile erschienene GTX 1070 ti darstellen. Daher lässt sich die durchaus berechtigte Frage stellen: ist Vega für AMD ein Flop gewesen? Wirtschaftlich sicher nicht, die Nachfrage ist durch die Miner nach wie vor sehr hoch. Das Image hat darunter jedoch trotzdem gelitten. AMD setzt scheinbar trotzdem auch weiterhin auf die Architektur.

Vega 20 mit 7nm für Radeon Instinct mit bester Double Precision


Der Technikkonzern veröffentlichte vor kurzem auf Twitter einen Tweet zu einer Vega-Grafikkarte, die bereits im 7nm-Verfahren gefertigt wurde und in einem Labor läuft. Laut AMD sollen noch dieses Jahr erste Prozessoren und auch Grafikeinheiten im 7nm-Verfahren hergestellt und als Testmuster an Partner gehen. Damit wäre AMD mit dieser Strukturbreite weit vor Nvidia und auch Intel. Letzterer hat seine 10nm-Architektur, die eigentlich für 2018 erwaret wurde, auf 2019 verschoben. Passend zur Grafikkarte ist vor kurzem auch ein Benchmark zu einer Vega-GPU aus der 7nm-Fertigung aufgetaucht, welche mit 32 GB HBM2-Speicher ausgestattet ist. Wenn die Taktanzeige im Benchmark stimmt, erreicht die Grafikkarte im Vergleich zu einer RX Vega 64 eine 70 Prozent höhere Leistung pro MHz. Das spricht entweder für eine sehr sparsame oder eine sehr leistungsfähige Grafikkarte.

Mit der Vega-Architektur ist AMD scheinbar doch nicht so weit hinten, wie vermutet. Im 7nm-Verfahren soll die Vega 20 genannte GPU bereits dieses Jahr als Radeon Instinct auf den Markt kommen. AMD löst damit voraussichtlich viele ältere Hawaii-Chips im HPC-Bereich ab, die nach wie vor die höchste Double Precision aufweisen. Erste Hinweise auf Vega 20 sind in einem Linux-Treiber aufgetaucht. Im 3DCenter-Forum haben User diese Theorie genauer analysiert und kommen zu dem Schluss, dass Vega 20 Double Precision mit halbierter Single Precision-Leistung, genau wie Hawaii, ausführen kann. Das würde Vega 20 zur schnellsten Double Precision-GPU von AMD machen. Die GPU soll auch mit mehreren neuen Instruktionen aus dem Deep Learning-Bereich umgehen können.

Vega 12 könnte als Desktop-Grafikkarte mit hohem Takt kommen

Ein anderer, für Privatnutzer deutlich interessanterer Chip, ist Vega 12. Diese tauchte vor kurzem ebenfalls in einem Linux-Treiber auf und könnte der Nachfolger von Vega 10 sein, welche aktuell in RX Vega 64 und 56 zum Einsatz kommt. Die Zahl könnte auch auf das 12nmLP-Verfahren und damit einen Refresh der RX Vega-Generation hinweisen. Ein User im Beyond3D-Forum hat zusätzlich herausgefunden, dass der Code für den Vega 12-Chip auch eine Lüftersteuerung beinhaltet. Diese wird nur in klassischen Desktop-Computern benötigt, Server-Grafikkarten werden von externen Lüftern gekühlt.

Auch eine neue System Management Unit (SMU), kommt bei Vega 12 scheinbar zum Einsatz. Diese ist für das Powermanagement zuständig und beinhaltet 16 DPM-States. Vega 10 und andere GPUs von AMD haben nur jeweils acht DPM-States. Diese DPM-States sind vor allem für die Regelung des Takts und der Leistungsaufnahme zuständig. Mehr dieser Einheiten könnten demnach eine bessere Energieeffizienz bringen. Auch ein einfacheres Temperaturmanagement weist der Code auf.

Ein weiterer Eintrag zeigt zudem, dass die GPU eine fest definierte Taktgrenze hat. Der Eintrag „#define VEGA12_ENGINECLOCK_HARDMAX 198000“ deutet eine Grenze bei 1.980 MHz an. Im Beyond3D-Forum schätzen die User aus Erfahrungswerten, dass dies nicht die Maximalgrenze für den Takt, sondern sogar das Taktziel für Vega 12 sei. Der Takt wäre demnach deutlich höher als beim Vega 10-Chip von RX Vega 64 und RX Vega 56, welche jeweils maximal 1.700 MHz erreichen.

Wo AMD so eine Grafikkarte platzieren könnte, ist weiterhin eher unklar. Die Vega-Chips kommen derzeit nur im Highend-Segment zum Einsatz, was auch am teuren HBM2-Speicher liegt. Ein Ersatz für die Polaris-GPUs ist daher eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher wäre, dass es sich bei dem Vega 12-Chip bereits um einen Refresh der aktuellen RX Vega-GPUs handelt.

Wann kommt eigentlich Navi?

Das ist vor allem früheren Statements von AMD zum Thema Navi zurückzuführen. Demnach könnte die nach Vega kommende Architektur namens Navi erst Polaris ablösen. Diese soll so schnell wie eine aktuelle GTX 1080 sein, jedoch nur den Preis einer RX 580 aufweisen. Die Karte ist angeblich für 2019 geplant und könnte tatsächlich nur in dieser einen Ausführung kommen. Damit wäre Navi eine reine Grafikkarte für die Mittelklasse, was 2019 allerdings mit dieser Leistung schon eine Ansage wäre. Da Navi jedoch erst die „echte“ Revolution bei AMD sein soll, glauben wir fast nicht, dass AMD nur eine Mittelklassegrafikkarte herausbringt. Vielleicht sehen wir 2019 also auch eine sehr leistungsfähige Grafikkarte mit Navi-Architektur. Das dauert allerdings noch.


Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*