LC-Power LC-M39-QHD-165-C im Test: Großformat-Gaming zum kleinen Preis

LC-Power LC-M39-QHD-165-C Gaming Monitor Test Review

Der LC-Power LC-M39-QHD-165-C ist mit 39 Zoll und 165 Hz ein gigantischer Gaming-Bildschirm und noch dazu günstig. Wir haben ihn getestet.

Gaming-Displays: wenn es ein bisschen größer sein darf

Bildschirme für Gamer haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Während vor einigen Jahren noch TN-Panels wegen einer Millisekunde Reaktionszeit in waren, ist der Trend in eine gänzlich andere Richtung gegangen. Beim Format hat sich allerdings relativ wenig getan. 16:9 auf 24 oder 27 Zoll scheint weiterhin das Maß der Dinge zu sein. Eine kleine Ausnahme ist der Siegeszug der Ultrawide-Bildschirme, die aber dennoch nicht die gängigen 16:9-Bildschirme verdrängen können. Bei der Größe sind die meisten Gamer heikel. 24 Zoll war lange der Standard, die Hersteller haben kaum größere Bildschirme mit guten Spezifikationen auf den Markt gebracht. Doch auch das ändert sich langsam.

Neben den bereits angesprochenen Ultrawide-Bildschirmen scheint sich auch bei 16:9-Bildschirmen etwas zu tun. 32 Zoll sind keine Seltenheit mehr. Auch noch größere Bildschirme gibt es bereits. Je nach Gaming-Setup kann das etwas erschlagend und unüblich sein – aber auch seine Vorteile haben. In meiner Gaming-Ecke finden gewöhnlich andere Bildschirme ihren Platz. Deshalb war ich auf den Test des LC-Power LC-M39-QHD-165-C besonders gespannt.

LC-Power LC-M39-QHD-165-C: der perfekte Kompromiss?

Unser heutiges Testmuster kommt wieder einmal aus dem Hause LC-Power. Das deutsche Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, neue Trends bei Bildschirmen zu erkennen und ohne viel Brimborium in Deutschland auf den Markt zu bringen. Eine sehr radikale Preisstrategie hat LC-Power-Bildschirme in viele Gaming-Setups gebracht – völlig zurecht, wie wir in unseren Tests feststellen konnten. Der heutige Kandidat ist mit 39 Zoll Größe wieder einmal ein Spezialfall. Mit dem LC-Power LC-M39-QHD-165-C versucht der Hersteller einen Spagat zwischen Größe und Features. Bei dieser Displaygröße würde man zu Recht eher ein UHD-Panel erwarten. Das würde aber sowohl den Preis anheben als auch andere Features schwieriger umsetzbar machen.

Der LC-M39-QHD-165-C soll nämlich vor allem die Gamer zufriedenstellen. Das sagt uns schon der Name. In ihm verbirgt sich wieder einmal die Displaygröße von 39 Zoll, genauer 38,5 Zoll, die Auflösung von 2.560×1.440 Pixeln, die eigentlich WQHD heißen müsste, die Bildwiederholrate von 165 Hertz und das C für Curved. Trotz der Größe setzt LC-Power also auf eine der beliebtesten Auflösungen zur Zeit und verbindet sie mit Features, die man als Gamer wirklich benötigt – 165 Hz und FreeSync Premium. Trotz großem Display braucht man also keinen 3.000 Euro-PC, um auf 165 FPS zu kommen – unserer Meinung nach ein sehr guter Kompromiss. Keinen Kompromiss findet man übrigens beim Preis vor – 450 Euro kostet das gute Stück. Damit steht er mit diesem Feature-Paket allein auf weiter Flur. Der einzige Konkurrent, der HANNspree Gaming HG392PCB stammt wohl vom selben Auftragsfertiger. Das Gehäuse ist statt weiß in einem dunklen Grau, sonst aber identisch. Der Teufel steckt aber im Detail. Trotz 165 Hz Bildwiederholrate gibt es hier kein FreeSync. Der Preis liegt mit 435 Euro dafür geringfügig unter dem LC-M39-QHD-165-C.

Lieferumfang und Aufbau

Geliefert wird der LC-M39-QHD-165-C in der gewohnt weißen Schachtel, diesmal aber in sehr großem Format. Der Bildschirm ist gut eingepackt, aber sehr schwer. Mit dabei sind der Standfuß aus Metall, eine Säule als Halterung, ein VESA-Adapter, Schrauben für den Standfuß, Schrauben für den VESA-Adapter, ein Netz- und ein DisplayPort-Kabel und eine Bedienungsanleitung. Die beiden Kabel sind passend zum Bildschirm in weiß. Beim DisplayPort-Kabel fehlt entgegen dem Standard die Verriegelung. Beide Kabel haben eine Länge von gut eineinhalb Metern.

Beim Aufbau des Bildschirms habe ich intuitiv zuerst den Standfuß ausgepackt und montiert. Das geht mit drei kleinen Schrauben in der metallenen Basis, die in die Säule gedreht werden. Hier liefert LC-Power vorbildlich eine vierte Schraube mit, sollte einmal eine verloren gehen. Anschließend wollte ich den Standfuß aufstellen und den sehr schweren Bildschirm einhängen. Da mir das nicht auf Anhieb gelungen ist, habe ich doch einmal kurz die Anleitung konsultiert. Und siehe da: man sollte den Standfuß einhängen, während das Display selbst noch auf dem Styropor-Teil liegt. Auf diese Weise hat es dann auch problemlos und angenehm geklappt. Anschließend kann man den ganzen Bildschirm einfach aufstellen, sollte jedoch beachten, dass er mit knapp 12 Kilo Gewicht eher schwer ist. Alternativ kann man anstelle des Standfußes auch den VESA-Adapter mit den mitgelieferten Schrauben montieren. Dieser sorgt für einen hinten geschlossenen Bildschirm und eine einheitliche Optik. Das war bei anderen LC-Power-Modellen noch nicht so. Beim LC-M34-UWQHD-100-C V2 (Test) zum Beispiel funktioniert die Montage über mitgelieferte Abstandshalter. Das sorgt für eine eher behelfsmäßige Optik.

Der Anschluss der Kabel erfolgt über eine Kabelbucht auf der Rückseite. Durchdacht: Die Abdeckung dazu ist nun magnetisch und lässt sich sehr leicht abnehmen. Das Herausführen der Kabel durch die Aussparung der Abdeckung kann bei mehr als einem Display-Kabel jedoch zum Problem werden.

Design, Material und Verarbeitung

Neue, durchdachte Designlinie

Neu ist beim LC-M39-QHD-165-C die komplette Design-Linie. Vor dem Review hatte ich die Befürchtung, dass vor allem die RGB-Beleuchtung auf der Rückseite nicht allzu dezent sein würde. Bereits beim Auspacken merkt man, dass beim Produktdesign jemand mitgedacht hat. Entgegen meiner Vermutung ist das weiß kein Hochglanz-Weiß, sondern eher matt und leicht strukturiert. Was hingegen glänzt ist die Vorderseite. LC-Power hat ein glänzendes Display verbaut, kein mattes. Die Einfassung des gekrümmten Displays ist ebenfalls weiß, eine Neuheit bei LC-Power. Das Logo ist in dezentem grau unterhalb des Display angebracht. Am Übergang von Vorder- zu Rückseite findet sich eine kleine Leiste mit Lüftungsschlitzen – bei einem so großen Display wohl notwendig. Auf der Rückseite gibt es dann gleich mehrere Eye-Catcher. Der auffälligste ist die RGB-Leiste, die Diagonal in beide Richtungen führt. Die Form der Rückseite ist leicht geschwungen und bildet um die Bildschirmhalterung eine Art kleinen Vulkan.

Der Halter selbst ist dann schon die nächste Besonderheit. Während die meisten Hersteller großflächig ihr Logo auf der Rückseite ihrer Bildschirme platzieren, tat LC-Power das bisher nicht. Auf der schwarzen Halterungsplatte in Klavierlack-Optik findet sich jedoch ein weiß erleuchtetes, aber dennoch sehr dezentes LC-Power-Logo. Dieses dient samt der Platte selbst als Kontrast zum Bildschirm. Der dort angebrachte Standfuß ist hingegen wieder in weiß, lediglich der Deckel ist aus schwarzem Klavierlack-Kunststoff. Der untere Teil des Standfußes ist aus Metall und matt-weiß lackiert. Durch die Konstruktion mit drei Beinen und einer leichten Erhöhung geht nicht so viel Platz verloren. Die Bucht mit den Anschlüssen ist hinter einer magnetischen Abdeckung verborgen, die Kabel führen nach unten durch eine eher klein dimensionierte Aussparung hinaus und durch ein weiteres Loch in der Standsäule nach hinten. Nettes Detail: auch die mitgelieferten Kabel sind weiß.

RGB, aber irgendwie nicht das „gute“ RGB

Neu im Vergleich zu von uns zu vor getesteten Modellen ist die RGB-Beleuchtung auf der Rückseite des LC-M39-QHD-165-C. Zuvor war zwar schon Beleuchtung verbaut, aber immer nur in einfarbigem Rot. LC-Power setzt auf zwei Streifen, die in der Mitte des LC-M39-QHD-165-C starten und nach außen führen. Dazu gibt es mehrere Beleuchtungs-Einstellungen im OSD. Einerseits kann man einstellen, ob eine Farbe oder eine Farbabfolge angezeigt werden sollen, andererseits die Intensität in drei Stufen und dann noch den Modus, in der sich die LED-Streifen verhalten sollen. Static zeigt dabei konstant eine Farbe an, während der Breath-Modus entweder mehrere Farben hintereinander konstant als Lauflicht anzeigt oder bei Anwahl einer Farbe diese immer wieder nach außen schickt. Auch einen Flicker-Modus gibt es wieder, bei dem die LEDs blinken. Natürlich lässt sich die Beleuchtung auch deaktivieren. Die Helligkeit ist angemessen und eher dezent als richtig knallig.

LC-Power LC-M39-QHD-165-C Gaming Monitor Test Review RGB Beleuchtung
Das Lauflicht ist dezenter als gedacht und nicht aufdringlich. (Bild: PCBC/FB)

Während die einstellbaren Farben Cyan, Blau, Grün, Violett, Rot, Orange und Gelb sowie weiß ganz schick aussehen und auch die Modi eine gute Figur machen, fehlt es komplett an Individualität. So lassen sich die Farben nicht komplett vollständig selbst einstellen, nur die vorgefertigten Werte sind verfügbar. Zum anderen gibt es keine Integration, wie man sie von Herstellern wie Gigabyte, Asus oder MSI gewohnt ist. Das möchte ich LC-Power an dieser Stelle als „Fremdhersteller“ ohne eigenes Ökosystem allerdings nicht wirklich vorwerfen. Bei der Farbeinstellung wären weitere Möglichkeiten oder auch eine Software-Steuerung trotzdem schön gewesen.

Trotz Gamer-Auslegung dezent

Generell hat mich das Design des LC-Power LC-M39-QHD-165-C am meisten überrascht. Auf den Produktbildern ist die Gaming-Auslegung klar zu erkennen. Vor allem die RGB-Beleuchtung macht klar, an wen sich dieser Bildschirm richten soll, obwohl weiße Bildschirme eher die Ausnahme sind. Als ich den LC-M39 dann aufgebaut hatte, war mir aber klar: den kann man sich sogar ins normale Büro stellen, ohne schief angeschaut zu werden. Die RGB-Beleuchtung ist dezenter als gedacht und fügt sich gut auch in normale Setups ein. Wen die RGB-Beleuchtung stört, der kann sie auch problemlos deaktivieren. Auch die matt-weiße Rückseite wirkt hochwertig. Wer ein weißes Setup bauen möchte, ohne einen Gaming-Fokus zu haben, kann ebenso bedenkenlos auf den LC-M39-QHD-165-C setzen.

Features

38,5 Zoll VA-Panel mit „HDR-Unterstützung“

Die schieren Ausmaße des LC-M39-QHD-165-C allein sind außergewöhnlich. Die verbaute Bildschirmtechnik hingegen ist relativ gewöhnlich. LC-Power setzt auf ein 38,5 Zoll großes VA-Panel von AUO, das P390DVR01.0. Dieses kann VA-typisch ein Kontrastverhältnis von 3.000:1 und hat einen Betrachtungswinkel von 178° horizontal und vertikal. Standard ist auch die 8 Bit-Farbtiefe sowie die Farbraumabdeckung von 99% sRGB, 83% AdobeRGB, 85% NTSC und 88% DCI-P3. Ein Grafik-Bildschirm ist der LC-M39 damit nicht, aber durchaus angemessen. Die 3.000R-Krümmung ist für diese Display-Größe interessant gewählt. Viele Bildschirme kommen mit deutlich kleineren Radien daher, was aber auch den Einsatzzweck klar macht – am besten sollte man nicht direkt vor dem Bildschirm sitzen. Dazu aber später mehr.

Ein weiteres interessantes Detail wollen wir hier natürlich nicht unterschlagen. Die Helligkeit beträgt laut Herstellerangaben 350 cd/m² (±30), was wiederum für DisplayHDR 400 reicht. Die unterste Stufe von HDR ist allerdings eher Marketing-Sprech als Kaufargument. Um sie zu erreichen muss ein Display 8 Bit Farbtiefe können und mindestens 320 cd/m² an Helligkeit dauerhaft und 400 cd/m² kurzzeitig sowie Global Dimming beherrschen. Das erreichen die meisten SDR-Displays bereits seit Jahren. Für „echten“ HDR-Content ist das aber meist zu wenig. Dolby Vision zum Beispiel setzt mindestens 600 cd/m² dauerhaft voraus, meistens sind auch 10 Bit Farbtiefe notwendig. Man sollte sich von diesen Angaben also nicht fehlleiten lassen. Auf dem Papier und in der Realität kann der LC-Power LC-M39-QHD-165-C zwar HDR, die Qualität steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Gaming durch und durch: 165 Hz und FreeSync Premium

Dass der LC-M39-QHD-165-C einen Gaming-Fokus hat, machen spätestens die verbauten Features klar. Die WQHD-Auflösung von 2.560×1.440 Pixel ist etwas mehr als Full HD und dennoch für die meisten Gamer gut geeignet, da keine großartige Grafikkarte benötigt wird. Worauf wir und viele andere Wert legen ist die Bildwiederholrate. 165 Hertz beherrscht der LC-M39 und damit sogar etwas mehr als die magische 144er-Grenze.

Zur Unterstützung eines flüssigen Gameplays hat LC-Power dann noch AMDs FreeSync Premium verbaut und den LC-M39 entsprechend zertifizieren lassen. Zum Verständnis: es handelt sich dabei laut AMD um eine kleine Stufe über dem „normalen“ FreeSync, die mindestens 120 Hz bei mindestens Full HD und die Unterstützung von Low Framerate Compensation (LFC) voraussetzt. FreeSync Premium sorgt wie gewohnt dafür, dass die Framerate des Bildschirms und die FPS der Grafikkarte übereinstimmen und so Tearing und andere Bildartefakte der Vergangenheit angehören. Das funktioniert übrigens auch mit Nvidia-Grafikkarten. Dass dieses Feature wichtig ist merkt man spätestens, wenn man es mal abschaltet. Sofort fallen kleinere Bildfehler und Artefakte auf, die davor nicht da waren. Das Fehlen von FreeSync war deshalb auch unser größter Kritikpunkt beim LC-M34-UWQHD-144-C V2 (Test) – erfreulich, dass darauf wieder mehr geachtet wird.

Wieder mit dabei sind auch diesmal unterschiedliche Farbprofile für verschiedene Spiele. Was dieses Feature bringen soll ist mir allerdings nach wie vor schleierhaft – beim Spielen hat es keinen Unterschied gemacht. Ebenfalls verbaut ist ein übers OSD einblendbares Fadenkreuz bzw. ein unauffälliger Punkt in der Mitte des Displays. Ob das jetzt Cheaten ist muss jeder für sich entscheiden, bei dem ein- oder anderen Shooter kann es aber durchaus ein Vorteil sein.

Höhenverstellbar, übliche Anschlüsse, neue Steuerung

Auch bei der Verstellbarkeit des LC-M39-QHD-165-C muss man LC-Power loben. Während es immer noch günstige Bildschirme gibt, die sich nicht in der Höhe verstellen lassen, verbaut der Hersteller nun durchwegs Standfüße mit Verstellmöglichkeiten. In diesem Fall lässt sich der Bildschirm in der Höhe verstellen, drehen und um -5-15° neigen. Eine Pivot-Funktion fehlt wohl aufgrund der Größe. Wenig getan hat sich bei den Anschlüssen, die immer noch relativ gängig sind. Die Verbindung zum LC-M39-QHD-165-C erfolgt wahlweise über DisplayPort 1.4 oder HDMI 2.0. Von beiden Anschlussarten verbaut LC-Power gleich zwei Ports, was auch den Wechsel auf einen anderen PC oder eine Konsole einfach gestaltet. Dazu kommt noch ein Audio-Ausgang als 3,5mm Klinken-Anschluss. Klapprige Lautsprecher, wie sie in diesem Bildschirm wohl nur Platz hätten, verbaut LC-Power hingegen nicht.

Komplett neu hingegen ist die Steuerung des OSD. Während LC-Power bei den vorherigen Bildschirmen auf fünf Tasten gesetzt hat, ist diesmal ein Steuerkreuz mittig auf der Unterseite verbaut. Dieses ersetzt die fünf Tasten vollständig mit fünf Funktionen: dem Hineindrücken sowie hoch, runter, links und rechts als Steuerung. Ich war verblüfft, wie viel intuitiver die Steuerung dadurch geworden ist. Der Finger bleibt immer an der gleichen Stelle und man wählt nicht aus Versehen die falsche Taste, was das Einstellen sehr mühsam machen kann. Einziger Wermutstropfen ist das sehr schwammige Hineindrücken ohne Feedback. Durch das Hineindrücken schaltet man den Bildschirm ein- und aus. Das fehlende Feedback führt aber zwangsläufig dazu, dass man sich nie sicher ist, ob man den Knopf jetzt gedrückt hat oder nicht. Die Kreuz-Steuerung funktioniert hingegen einwandfrei. Das OSD selbst ist wie von LC-Power gewohnt aufgebaut, auch das kleine Menü ist (in anderer Anordnung) geblieben. Ebenfalls geblieben sind die Features Picture in Picture und Picture by Picture.

Bildqualität des LC-Power LC-M39-QHD-165-C

Farbumfang, Helligkeit und Kontrast

Wir starten bei unseren sonst eher subjektiven Bild-Tests mit den nüchternen Zahlen. LC-Power gibt für den LC-M39-QHD-165-C eine Farbabdeckung von 99% sRGB, 83% AdobeRGB, 85% NTSC und 88% DCI-P3 an. Damit ist der Farbumfang relativ normal. Die Werte konnten wir in unseren Messungen problemlos nachstellen. Das Nachkalibrieren des Bildschirms hat ein bisschen etwas gebracht, ein Grafik-Monitor wird aus dem LC-M39 deshalb aber nicht. Das VA-Panel hat da im Vergleich zu den meisten IPS-Panels einfach das Nachsehen. Tatsächlich kann man aber neben Helligkeit und Kontrast auch viele weitere Einstellungen betreffend der Farbe selbst vornehmen, beispielsweises den Gamma-Wert einstellen. Das ist vorbildlich, da dies bei den wenigsten Bildschirmen funktioniert. Ein interessantes Detail: es gibt bereits vorgefertigte Farbprofile für unterschiedliche Anwendungsszenarien wie Foto, Film und verschiedene Spieltypen, die in der Praxis aber wenig bringen und auch sonst keine Eigenschaften ändern.

Gemessen haben wir auch die Helligkeit, die das Display maximal erreichen kann. Ohne HDR-Content sollen das dauerhaft 350 cd/m² sein. Vermutlich aus Vorsicht hat LC-Power beim LC-M39 bereits ein „±30) hinten angefügt. In unseren Messungen konnten wir dennoch nur 295 cd/m² im SDR-Modus erreichen. Erst mit aktiviertem HDR-Modus steigt der Wert auf knappe 330 cd/m² an.

Der Kontrast liegt mit 3.000:1 ebenfalls in einem relativ normalen Bereich für IPS-Panels. Negativ aufgefallen ist uns eine Funktion, die zum Glück standardmäßig deaktiviert ist: der dynamische Kontrast. Bei diesem Feature ändert der LC-M39-QHD-165-C automatisch je nach Bild den Kontrast. Das fällt mit dem bloßen Auge stark auf und hat in keiner Situation etwas gebracht. Separat aktivieren muss man HDR, da der Stromverbrauch des Bildschirms damit ansteigt. Aktiviert man dieses Feature, sind die Menüs „Helligkeit/Kontrast“ und „Farbe“ deaktiviert.

HDR 400: Marketing-Feature?

LC-Power bewirbt das Feature zwar nicht groß, fett gedruckt findet es sich dennoch auf der Website: HDR 400. High Dynamic Range soll ganz dem Namen nach den Dynamikumfang des Bildschirms im Vergleich zu SDR (Standard Dynamic Range) anheben. HDR-Bilder sollen lebhafter und knackiger aussehen. Für HDR 400 muss das Display 400 cd/m² auf 10% der Displayfläche bzw. die gleiche Helligkeit für einen kurzen Moment („Flash“) auf dem ganzen Display erreichen, ein 8 Bit-Panel verbaut haben und über Global Dimming verfügen. Das Feature lässt sich übers OSD aktivieren, anschließend muss man es auch in Windows 11 noch aktivieren.

Für unseren Test haben wir uns anschließend einige Filme mit HDR-Unterstützung gesehen sowie die Spiele Assassin’s Creed Odyssey und Battlefield V mit und ohne HDR gezockt. Das Ergebnis: auch HDR 400 hat bei direktem Vergleich eine sichtbare Auswirkung auf das Bild. Die Farben sehen etwas kontrastreicher aus, durch die höhere Helligkeit wirken besonders die Spiele etwas lebendiger. Mit guten HDR 1000-Bildschirmen oder HDR-Fernsehern sollte man HDR 400 im LC-M39-QHD-165-C aber nicht vergleichen. Dazu fehlt einfach ein 10 Bit-Panel und mehr Helligkeit, um wirklich einen Unterschied erzielen zu können. Vor allem weiter entfernt vom Bildschirm, wofür das 38,5 Zoll-Panel ja prädestiniert ist, ist der Unterschied kaum wahrzunehmen. Wegen der HDR-Fähigkeit sollte man den LC-M39 also nicht kaufen – dafür gibt es bessere Bildschirme.

Gaming auf dem LC-M39-QHD-165-C

Sind 39 Zoll zu groß? Nein!

Gaming auf so einem gigantischen Bildschirm? Das war für mich davor eher schwer vorzustellen. Meistens spiele ich auf 27 Zoll und WQHD, öfters auch auf UWQHD mit einem 34 Zoll-Bildschirm. Da wirken 39 Zoll dann schon gigantisch. Bereits beim ersten Auspacken hatte ich den Eindruck, dass der LC-M39-QHD-165-C einfach eins ist: groß. Ich kann aber auch sagen: man gewöhnt sich extrem schnell an die Größe. In meinem Fall musste ich an meinem Schreibtisch etwas zurück rücken, um alles überblicken zu können. Etwas ungewohnt, aber durchaus machbar, sofern der Schreibtisch tief genug ist. Bei mir haben 80 Zentimeter Tiefe ausgereicht. Die 3.000R-Biegung (3 Meter Radius) kommt einem hierbei zu Hilfe. Lediglich in der Höhe bleibt der Bildschirm dann noch gigantisch und kann das Blickfeld verlassen.

Das Zocken in dieser Größe macht dann einfach Spaß. Man muss nicht mehr eng am Bildschirm kleben, um alles im Blick zu haben. Da kommt fast schon Konsolen-Feeling auf. Diese kann man dank HDMI-Anschluss ebenfalls einfach anschließen, wobei das Umschalten des Eingangs-Ports etwas fummelig ist. Den größten Vorteil, ob am PC oder an der Konsole, hat man in diesem Format schlicht mit einem Controller. Forza Horizon ließ sich in angenehm zurückgelehnter Stellung deutlich entspannter spielen, während trotzdem ein großes Display alles anzeigt. Auf ein Detail sollte man allerdings achten: das Displayglas ist leider nicht matt, sondern spiegelnd (glare). Je nach Lichtquelle am Schreibtisch kann es also schnell zu nervigen Spiegelungen kommen. Man sollte sich also genau anschauen, wo man den Bildschirm aufstellt und in welcher Stellung man zockt.

QHD und 165 FPS sind machbar

Kommen wir noch kurz zum technischeren Aspekt. LC-Power hat für den LC-M39-QHD-165-C nicht ohne Grund WQHD, also 2.560×1.440 Pixel, als Auflösung gewählt. Die Größe des Bildschirms lässt eher auf 4K/UHD schließen. Diese Auflösung zu erreichen ist in Zeiten der Grafikkartenknappheit aber praktisch unmöglich, ohne zumindest eine Niere aufzugeben. Auch wir wollen unsere Niere behalten – da kommt WQHD als Auflösung gerade richtig. Das Format bringt ein gutes Stück mehr Pixel aufs Display als Full HD und ist damit auf jeden Fall ein Upgrade. Die Berechnung ist für CPU und GPU aber nicht wirklich schwieriger. Gepaart mit den 165 Hertz Bildwiederholrate ist auch die zu erreichende FPS-Zahl relativ klar: 165 FPS oder darüber sind das Ziel. Und das ist in den meisten Spielen selbst mit älteren Grafikkarten erreichbar. LC-Power kommt so gleich in zweierlei Hinsicht preisbewussten Gamern entgegen. Einerseits brauchen diese nicht das neuste Gaming-Rig, andererseits bleibt auch der Preis des LC-M39-QHD-165-C mit gut 450 Euro mehr als moderat.

Durch die Größe sitzt man meistens auch ein gutes Stück vom LC-M39 entfernt, weshalb die niedrigere Pixeldichte nicht so stark ins Gewicht fällt. Die Bildwiederholrate hingegen fällt sehr wohl ins Gewicht und ist mit 165 Hz eines der Hauptmerkmale. Hier leistet der LC-M39-QHD-165-C vor allem in Verbindung mit FreeSync sehr gute Arbeit. Wir haben keine Bildartefakte oder Tearing bemerkt, auch die typischen Motion Blur-Schlieren, auch als Ghosting bekannt, hielten sich bei uns in Grenzen. Seine Stärken spielt der Bildschirm vor allem oberhalb von 120 Hertz aus. Vor allem schnelle Shooter oder Rennspiele machen so sehr viel Spaß. Getestet haben wir FreeSync übrigens mit einer Nvidia GeForce RTX 2080 Ti, also keiner AMD-Grafikkarte. Dabei kam es zu keinerlei Problemen, trotz der fehlenden Zertifizierung von Nvidia.

Fazit: 39 Zoll und QHD sind hui

Der LC-Power LC-M39-QHD-165-C ist nach wie vor ein Exot unter den Bildschirmen. Mit seinem 38,5 Zoll großen Panel ist er einer der größten Vertreter, aber dennoch kein Fernseher. Die WQHD-Auflösung ist genau richtig fürs Zocken. Lediglich direkt vor dem Bildschirm können die etwas größeren Pixel stören – aber wer sitzt bei der Größe schon knapp davor? Das gesparte Geld hat LC-Power in ein 165 Hz-Panel mit FreeSync-Unterstützung gesteckt, meiner Meinung nach definitiv die richtige Entscheidung. An die Größe gewöhnt man sich schnell. Vor allem wenn man öfter Spiele mit Controller spielt, passt die Größe hervorragend. Das Bild ist für ein VA-Panel angemessen, einen Grafiker-Bildschirm sollte man aber nicht erwarten. Nur HDR 400 hat sich als wenig sinnvolles Feature erwiesen – wer einen HDR-Bildschirm sucht ist anderweitig besser beraten.

Auch abseits des reinen Bilderlebnisses weiß der LC-Power LC-M39-QHD-165-C mit dezent-weißer Farbe, guter Verarbeitung und sinnvollen Features wie Höhenverstellbarkeit und genug Anschlüssen zu Punkten. LC-Power hat auch an eine VESA-Halterung und sogar weiße Kabel gedacht. Die RGB-Beleuchtung auf der Rückseite ist dezent und nicht aufdringlich, aber auch kaum einstellbar. Abzüge gibt es für das spiegelnde Display, das vor allem durch die Krümmung und die Größe schnell nervige Reflexionen von sich geben kann. Alles in allem ist der LC-Power LC-M39-QHD-165-C eine Empfehlung wert. Gut 450 Euro sind mehr als angemessen und bei diesen Features konkurrenzlos günstig. Mehr Gaming-Diagonale fürs Geld bekommt man aktuell nirgends.

Über Florian Berger 64 Artikel
Florian Berger ist Autor bei PC Builder's Club. Durch sein Technikinteresse stieß er Ende 2019 zum kleinen Team dazu und kümmert sich seitdem um Verwaltung, Lektorat und viele Recherchen und Features.

2 Kommentare

  1. Hat das Panel wirklich eine glossy Oberfläche? Oder ist es nur nicht so gut entspiegelt, wie man das gewohnt ist? Bei den Produkt-Specs vom LC (wie auch vom ähnlichen Hannspree) wird immer matt als Panel-Typ angegeben?

    • Also matt ist das Display definitiv nicht, und auch nicht „schlecht entspiegelt“ – werde das nächste Mal bessere Fotos machen, auf denen man das sieht.

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