Grafikkarte zur UVP: 6 Tipps für eine günstige RTX 3070, RTX 3080 und Co.

Grafikkarte zur UVP Thumbnail Nvidia Founders Edition RTX 3070 RTX 3080 RTX 3090
(Bild: Mockup PCBC)

Grafikkarte zur UVP? Das geht! Wir haben 6 Tipps, mit denen man mit Glück und Geduld eine RTX 3070, RTX 3080 und Co. günstig kaufen kann.

Die Grafikkartenknappheit wird noch länger anhalten

Seit dem Start der neuen Grafikkarten-Generationen von AMD und Nvidia herrscht ein großes Problem vor: man bekommt sie nur zu absoluten Wucherpreisen. Der Markt ist gebeutelt von gleich mehreren Faktoren, die die Preise für Grafikkarten in die Höhe treiben. Während die Kryptowährungs-Miner alles aufkaufen, was zum Mining taugt, können AMD und Nvidia nicht genug Chips für ihre Grafikkarten produzieren. Sowohl die GPU-Chips selbst als auch die Speicherchips sind Mangelware. Dieser Chipmangel wurde nicht nur durch die Corona-Pandemie hervorgerufen sondern ist auch das Resultat von falsch berechneten Kapazitäten.

Das Ende dieses Chip-Mangels ist aber noch länger nicht in Sicht. Nvidia und AMD selbst warnen davor, dass diese Knappheit noch mindestens das ganze Jahr anhalten soll. Auch an der Mining-Front ist wenig Entspannung in Sicht. Erst ein Update der am meisten geminten Kryptowährung Ethereum könnte erste Abhilfe schaffen. Final zu Ende gehen dürfte der Mining-Boom, wenn sich Ethereum 2.0 etabliert und das Mining der profitabelsten Kryptowährung damit endgültig vorbei ist. Die Hersteller versuchen derweil selbst, das Problem in den Griff zu bekommen. Nvidia geht gegen Mining vor allem mit sogenannten Mining-Sperren vor, auch um eigene Mining-GPUs zu verkaufen. Bei AMD gibt es solche Einschränkungen nicht, die Grafikkarten sind aber nicht so effizient im Mining und deshalb weniger begehrt.

6 Tipps, um eine Grafikkarte zur UVP zu kaufen

Im Jahr 2021 sollte man sich also nicht mehr darauf einstellen, entspannt eine regulär verfügbare Grafikkarte zum günstigen Preis kaufen zu können. Unmöglich ist es allerdings nicht, an eine Grafikkarte zur UVP oder zumindest für einen angemessenen Preis zu kommen. Dazu haben wir vor einiger Zeit schon einmal einen Artikel gemacht. Die Tipps darin funktionieren aber nicht mehr. Seitdem hat sich die Lage aber auch drastisch verschlimmert. Zum Vergleich: damals gab es die RTX 3070 sofort lieferbar noch für 760 Euro, die RTX 3090 für 1.750 Euro. Die aktuellen Preise sind dagegen eine andere Hausnummer: mindestens 1.150 Euro für eine RTX 3070 und satte 2.870 Euro für eine RTX 3090 legt man derzeit auf den Tisch.

Wie geht es also günstiger? Wir haben sechs Tipps gesammelt, mit der man an eine Grafikkarte zur UVP kommen kann.

Tipp Nr. 1: Die Händler überwachen

Unser erster Tipp ist etwas für Puristen mit viel Zeit, kann dafür aber schnell zu Ergebnissen führen. Die meisten Händler stellen nämlich sehr wohl immer wieder Ware zu verhältnismäßig günstigen Preisen ein. In unserem letzten Artikel war dafür Alternate ein heißer Tipp. Dort konnte man auch ohne Lagerbestand Grafikkarten bestellen und landete im sogenannten Backlog, den Alternate vor neuen Bestellungen abarbeitete. Das ist seit der Umstellung des Systems nicht mehr möglich. Allerdings ist Alternate nicht der einzige Händler, bei dem regelmäßig Grafikkarten verfügbar sind. Auch bei Mindfactory gibt es immer wieder Grafikkarten zum verhältnismäßig günstigen Preis. Bei Mindfactory muss man allerdings besonders schnell sein – die Preise sind meistens sehr gut und die Stückzahl begrenzt. Angebote verschwinden sehr schnell wieder von der Liste. Günstige Angebote vergebens sucht man hingegen bei Caseking. Dort sind die Grafikkarten eigentlich immer deutlich zu teuer.

Einen Trick gibt es noch bei MediaMarkt und Saturn. Die beiden Händler nutzen das gleiche Shopsystem und greifen oftmals auch auf den gleichen Warenbestand zu. Sie listen wenige der neuen Grafikkarten – vermutlich weil nicht verfügbar. Ältere Grafikkarten wie die RTX 2080 Super sind aber immer wieder zu verhältnismäßig günstigen Preisen gelistet. Auch für Einsteiger ist mit der GTX 1050 Ti für 199 Euro etwas dabei. Der Preis ist wahrlich nicht berauschend, aber akzeptabel. Der eigentliche Trick ist jedoch wieder einmal im Shopsystem versteckt. Die Grafikkarten werden meistens einige Tage vor dem eigentlichen Eintreffen der Ware gelistet. Sie sind dann noch nicht bestellbar, aber eine gute Indikation, was man bald bestellen werden kann. Das haben wir bereits für eine RTX 3070 und zwei RTX 3080 zum moderaten Kurs beobachten können. Das gleiche gilt natürlich auch für Saturn. Diese beiden Händler sind deshalb ein besonderer Geheimtipp auf der Jagd nach günstigen Grafikkarten.

Tipp Nr. 2: Direkt bei AMD und Nvidia zur UVP kaufen

Um der ganzen Mining-Problematik zumindest etwas entgegenzuwirken haben Nvidia und AMD auch ihren eigenen Shops eine spezielle Rolle zugedacht. AMD verkauft die Referenzversion der eigenen Big Navi-Grafikkarten Radeon RX 6900 XT, RX 6800 XT, RX 6800 und RX 6700 XT direkt auf der eigenen Website zum UVP-Preis. Die RX 6800 XT kostet dort nur schlanke 635 Euro. Der günstigste Preis am freien Markt ist mehr als doppelt so hoch. Natürlich sind sie dort laufend ausverkauft, allerdings gibt es auch hier einen Trick. AMD setzt auf sogenannte „Drops“, stellt also immer gleich mehrere Grafikkarten, meist hunderte Stück, gleichzeitig in den Shop. Diese Drops finden in Deutschland immer an Donnerstagen statt. Nicht an jedem Donnerstag, und auch zu keiner festen Zeit, meistens aber ab 15 Uhr. Ab dann gilt: wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Nvidia setzt international auf ein ähnliches Prinzip. Während man in den USA und anderen Ländern die Founders Edition der RTX 3070, RTX 3080 und Co direkt im Nvidia-Shop kaufen kann, kommt hierzulande ein Händler ins Spiel: Notebooksbilliger. Dieser verkauft als einziger Händler in Deutschland die Nvidia Ampere-Grafikkarten als Founders-Edition – und das zur UVP. Scheinbar spielt NBB damit den „Erfüllungsgehilfen“ von Nvidia, was Versand und Onlineshop angeht. Auch Nvidia arbeitet mit Drops und stellt gleichzeitig eine große Anzahl an Founders Edition-GPUs in den Shop von NBB. Angeblich handelt es sich um vierstellige Stückzahlen pro Drop. Im Gegensatz zu AMD gibt es aber keinen ungefähren Zeitplan. Drops können jederzeit stattfinden. Da der Andrang bei einem Drop immer besonders hoch ist, schafft sich Notebooksbilliger mit einer Warteschlange Abhilfe. Diese kann man mit den Direktlinks umgehen:

Notebooksbilliger arbeitet dabei allerdings auch mit einem Botfinder. Möglicherweise muss man also ein Captcha lösen.

Tipp Nr. 3: Discord-Server nutzen

Wer nicht permanent selbst die Shops überwachen kann, um eine Grafikkarte zur UVP zu ergattern, der sollte sich Discord installieren. Dort gibt es einige Server, die sich nur mit Alarmen zu verfügbarer Hardware auseinandersetzen. Einer der größten ist PartAlert. Dort kann man sich dann in verschiedene Kanäle eintragen und wird automatisch per Push-Benachrichtigung über die Verfügbarkeit von Grafikkarten informiert. Dabei agiert PartAlert über ganz Europa und listet eine Vielzahl an Händlern – auch in Deutschland. Unter anderem ist auch der AMD-Shop gelistet, für die Nvidia Founders Edition natürlich der Shop von Notebooksbilliger. Wichtig ist, unbedingt die ganze Anleitung zu lesen und genau zu befolgen. Trägt man sich nicht richtig in die Listen ein, bekommt man sonst eventuell keine Benachrichtigungen.

Der große Nachteil an PartAlert und anderen Discord-Servern ist die hohe Anzahl der Mitglieder. Sobald ein Grafikkarten-Drop dort bekannt wird, kann man davon ausgehen, dass innerhalb weniger Minuten aller Lagerbestand vergriffen ist. PartAlert stoppt daher regelmäßig die Aufnahme neuer Mitglieder. Sollte der Link nicht funktionieren, kann man bei Twitter vorbeischauen. Dort gibt es ebenfalls regelmäßig Invite-Links.

Tipp Nr. 4: Der equippr VIP-Club

Auf Discord findet sich noch eine weitere spannende Möglichkeit, günstig an Grafikkarten zu kommen. Der noch recht junge Hardware-Händler equippr hat über seinen Discord-Server einen VIP-Club ins Leben gerufen. Dabei gilt ein spannendes Prinzip. Um möglichst jedem Kunden eine Grafikkarte abzugeben, darf auch jeder Kunde nur eine einzige erwerben. Dafür braucht man zuerst ein Konto bei equippr und muss anschließend dem Server beitreten. Auch dort gilt: unbedingt genau die Anleitung lesen. Einmal registriert und freigeschaltet kann man sich in Kanäle eintragen lassen, die den jeweiligen Namen der Grafikkarten-Serie tragen. Dann heißt es erstmal warten.

Sobald equippr Grafikkarten einer Serie in den Shop bekommt, bereitet das Team einen Drop vor. Dazu kommt zuerst eine Art Voralarm, in dem auch vermerkt ist, welche genauen Grafikkartenmodelle zu welchem Preis verfügbar sind. Meist wenige Minuten nach diesem Voralarm geht es auch schon los: mit einem Befehl, der bei jedem Drop variiert, können die User nun den Befehl samt der eigenen Kundennummer in den Kanal schicken. Der Bot meldet sich daraufhin und man muss eine einfache Aufgabe lösen. Sollte man Glück gehabt haben, bekommt man anschließend Zugang zum VIP-Club und kann in Ruhe eine Grafikkarte kaufen. Hat man eine Grafikkarte gekauft oder löst man dieses Kaufrecht für einen gewissen Zeitraum nicht ein, ist man nicht mehr Mitglied und neue User bekommen die Möglichkeit zum Kauf. Anschließend ist es aber auch nicht mehr möglich, an anderen Drops teilzunehmen.

Die Preise entsprechen bei diesen Drops meistens nicht der UVP der Grafikkarten. Akzeptabel sind sie in der aktuellen Situation aber dennoch. Eine RTX 3070 kostet zum Beispiel zwischen 700 und 900 Euro. Die Preise variieren dabei von Drop zu Drop leicht. Die Anzahl der User auf dem Discord-Server ist zwar beträchtlich, man hat aber sehr gute Chancen, an einem Drop teilnehmen zu können.

Tipp Nr. 5: Einen Fertig-PC kaufen

So paradox der nächste Tipp auch klingen mag: in der aktuellen Situation kann es ein ziemlich guter Tipp sein, einen Fertig-PC zu kaufen. Wer sowieso einen ganzen PC kaufen möchte, kann so bares Geld sparen. Wer nur die Grafikkarte benötigt spart zwar nicht ganz so viel, kann aber dennoch ein Schnäppchen machen. Das funktioniert, da die Systemintegratoren Grafikkarten in hohen Stückzahlen und zu günstigeren Preisen kaufen. Manche geben diesen Preisvorteil auch weiter. Der kürzlich erschienene Aldi-PC war so ein Preis-Leistungsknaller und lag satte 900 Euro unter dem Selbstbau-Preis. Er ist allerdings auf unbestimmte Zeit ausverkauft. In diesem Artikel haben wir uns weitere gute Fertig-PCs im Detailangesehen, von denen es einige gibt.

Tipp Nr. 6: Ein Gewinnspiel gewinnen

Noch eine Stufe günstiger als zur UVP bekommt man seine Grafikkarte, wenn man einfach ein Gewinnspiel gewinnt. Klingt verrückt, ist es aber nicht unbedingt. Besonders die Hardware-YouTuber nehmen sich der Sache allerdings an. Da das Feedback ihrer Communities aktuell hauptsächlich negativ ausfällt, wenn es um Grafikkarten geht, sind viele dazu übergegangen, Gewinnspiele zu veranstalten. So verlosen beispielsweise HardwareDealz oder Zenchillis Hardware Reviews immer wieder mal Grafikkarten oder gleich ganze Computer, inklusive Grafikkarte, versteht sich.

Eine spezielle Aktion hat kürzlich auch Roman Hartung, besser bekannt als der8auer, veranstaltet. Gemeinsam mit Caseking hat er das Kaufrecht auf gleich 200 Asus TUF Gaming GeForce RTX 3070-Grafikkarten zur UVP verlost. Diese musste man zwar in einem Bundle kaufen, das aber dennoch ein ziemlich guter Deal war. Zur Krönung hat der8auer dann noch zwei Grafikkarten direkt verlost. Diese Aktion ist zwar schon vorbei, weitere können aber folgen. Deshalb sollte man auch hier die Augen offen halten. Bei der aktuellen Verfügbarkeit wirkt nämlich auch der freie Markt manchmal wie ein reines Glücksspiel (siehe Tipp 1-5).

Fazit: man kommt an eine Grafikkarte zur UVP

Wer nicht bereit ist, die hohen Preise zu zahlen, hat nur wenige Optionen. Entweder fristet man sein Gamer-Dasein mit einer alten Grafikkarte, der integrierten GPU oder wartet auf günstigere Preise. Der Grafikkartenmangel wird noch länger anhalten, das ist leider ziemlich gewiss. Sollte die Mining-Blase bald platzen, könnte sich die Dynamik ändern. Davon ist allerdings nicht auszugehen. Eine andere Option könnte Ende des Jahres noch Intel mit DG2 sein. Leistung, Preis und vor allem Verfügbarkeit sind aber noch sehr ungewiss.

Alle anderen Möglichkeiten haben wir in diesem Artikel aufgelistet. Und es ist durchaus möglich, eine Grafikkarte zur UVP zu ergattern. Abschließend bleibt aber zu sagen: man braucht vor allem Geduld, Durchhaltevermögen und ein bisschen Glück.

Über Florian Berger 46 Artikel
Florian Berger ist Autor bei PC Builder's Club. Durch sein Technikinteresse stieß er Ende 2019 zum kleinen Team dazu und kümmert sich seitdem um Verwaltung, Lektorat und viele Recherchen und Features.

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