Mining: Steigen die Grafikkartenpreise jetzt wieder?

Mining Farm Ethereum Genesis Mining
Eine professionelle Miningfarm. (Bild: Genesis-Mining)

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Der Ethereum- und Bitcoin-Kurs steigt. Daher befürchten viele, dass auch die GPU-Preise steigen könnten. Ein neuer Mining-Boom ist jedoch unwahrscheinlich.

Die Krypto-Kurse steigen wieder

Seit gut drei Wochen steigen die Kurse der Kryptowährungen, allen voran Bitcoin und Ethereum, wieder kräftig. Der Bitcoin hat im Vergleich zum 30. April um 31 Prozent zugelegt, Ethereum sogar um 37 Prozent. Ausgelöst wurden die schnellen Kursanstiege einerseits durch eine gute Marktlage, andererseits durch zwei große Zukäufe von Investoren. Seitdem variieren die Kurse, bleiben jedoch hoch. Und auch in Zukunft sollen die Kurse laut den meisten Analysen weiter steigen. Das schürt bei einigen Gamern bereits wieder die Angst, dass ein neuer Mining-Boom beginnen könnte. In diesem Artikel möchte ich deshalb etwas Einblick ins Mining am Beispiel von Ethereum geben.

Wie funktioniert Mining überhaupt?

Es gibt einige Kryptowährungen, die zum Legitimieren der eigenen Blockchain auf das Proof of Work-Verfahren setzen. Dabei wird per Zufallsprinzip mit einem Algorithmus ein sogenannter Block berechnet. Dafür braucht es Rechenleistung, die die Miner zur Verfügung stellen. Wer zuerst den Block fertig berechnet hat, erhält als Belohnung eine definierte Anzahl an Einheiten der geminten Kryptowährung. Mit diesem fertig berechneten, also „gefundenen“ Block lassen sich dann wiederum eine bestimmte Anzahl an Transaktionen auf der Blockchain legitimieren. Für diese Transaktionen, die von Nutzern der Kryptowährung durchgeführt wurden, muss auch eine Gebühr bezahlt werden, die ebenfalls an die Miner geht.

Während zur Anfangszeit von Bitcoin selbst normale Computer-Prozessoren für relativ hohe Erträge zum Mining eingesetzt werden konnten, geht dies heute fast nur mehr über sogenannte ASIC-Miner. Diese beherrschen nur die Berechnungen auf der Bitcoin-Blockchain. Solche Miner sind einerseits teuer, andererseits nur ab einer gewissen Größe überhaupt sinnvoll betreibbar. Bei anderen Kryptowährungen hingegen laufen die Berechnungen über Grafikkarten. Hierfür kommt keine spezielle Hardware zum Einsatz, sondern mitunter auch ganz normale Gaming-Grafikkarten. Vor allem der Mining-Boom um Ethereum hat letztes Jahr eine wahre Krise ausgelöst. Bei der ersten Welle Im Frühling 2017 gab es auf einen Schlag keine Grafikkarten mehr zu kaufen, bei der zweiten Welle Anfang 2018 schossen die Preise für Grafikkarten in astronomische Höhen. Mit dem Kursverfall von Bitcoin und Ethereum wurde auch Mining immer unattraktiver. Die Rentabilität litt aber auch unter den vielen Teilnehmern.

So ist Mining rentabel

Besonders Privatnutzer begannen bei der ersten Welle, mit ihrer eigenen Hardware zu minen oder weitere Grafikkarten nur fürs Mining zuzukaufen. Ich selbst habe bereits Ende 2016 verschiedene Miner fürs Ethereum-Mining gebaut und betrieben. Während der erste Miner mit sehs AMD Radeon HD 7970 noch relativ ineffizient war (20 MH/s pro Karte bei 1.800 Watt Gesamtverbrauch), kamen die darauffolgenden Miner schon besser weg. Ein Rig habe ich mit sechs Stück AMD Radeon R7 370 gebaut, das dritte Rig lief mit fünf Stück RX 470 8 GB. Besonders das letzte Rig war äußerst effektiv und erreichte übertakte und undervoltet 30 MH/s bei unter 800 Watt Verbrauch. Der Unterbau war mit einem günstigen Mainboard, einer kleinen SSD, acht Gigabyte RAM und einem effizienten Netzteil hingegen überschaubar.

Ethereum Bitcoin Mining Miner Sapphire Radeon RX 470 Nitro
Mein Miner mit vier Sapphire Radeon RX 470 Nitro 8 GB. (Bild: PCBC/FM)

Im Vergleich zu heute ist das jedoch fast nichts. Die Radeon VII erreicht out of the box im Ethereum-Mining satte 90 MH/s bei 300 Watt Verbrauch. Mit Optimierungen sind wohl auch 100 MH/s bei 200 Watt Verbrauch möglich. Die Kosten für die Grafikkarte sind jedoch enorm, weshalb viele Miner wohl bei Mittelklassekarten wie der GTX 1060 oder der RX 570/RX 580 bleiben.

Der Verbrauch des ganzen Systems und die Anzahl an MH/s, die erreicht werden, sind dabei zwei von drei wichtigen Größen. Die dritte Größe ist die Difficulty. Sie ist abhängig davon, wie viele Miner gleichzeitig auf der Ethereum-Blockchain minen. Minen viele Rigs gleichzeitig, ist die Difficulty hoch und der Ertrag niedrig. Wenn wir jetzt annehmen, dass ein Mining-Rig mit fünf Radeon VII-GPUs 500 MH/s liefert und 1.000 Watt verbraucht, kommen wir bei einem Strompreis von 0,20 US-Dollar auf einen Ertrag von 3,94 US-Dollar pro Tag. Pro Jahr entspricht das 1.436,59 US-Dollar, wenn die Preise pro Ether gleich bleiben. Sollten die Preise jedoch fallen, ist der Profit verschwindend gering. Dazu kommen noch die Anschaffungskosten der Hardware, die bei gut 3.700 Euro liegen.

Kein neuer Mining-Boom in Sicht

Und kommt nun ein neuer Mining-Boom? Diese Frage lässt sich aus heutiger Sicht eigentlich relativ einfach beantworten. Während bei der zweiten Mining-Welle das Mining so rentabel war, dass auch viele Privatpersonen mit kleinen Rigs eingestiegen sind, sieht der Markt derzeit anders aus. Ohne langfristiges Investment lassen sich die meisten Coins nicht mehr rentabel minen. Wer nicht günstig an Strom kommt, hat zudem immer mit der Effizienz zu kämpfen.

Ein weiteres Argument ist, dass es mittlerweile auch eine Art ASIC-Miner für die größte Mining-Währung Ethereum gibt. Dieser kommt ohne Grafikkarten aus und ist für große Mining-Farnen deshalb die richtige Wahl. Diese sind mit Grafikkarten zwar deutlich universeller aufgestellt, am Ende des Tages zählt allerdings nur der kurzfristige Profit. Dazu kommt auch noch, dass Ethereum in absehbarer Zeit von Proof of Work auf Proof of Stake umsteigt. Dann ist das Mining der rentabelsten Kryptowährung sowieso Geschichte. Die Gamer können daher aufatmen. Ein neuer Mining-Boom ist nicht in Sicht.

Über Florian Maislinger 1222 Artikel
Florian Maislinger ist Autor und Gründer von PC Builder's Club. Als gelernter IT-Engineer ist er bestens mit Computern und Hardware vertraut und seit Kindesbeinen an ein Technikliebhaber wie er im Buche steht. Er ist hauptsächlich für die News und unsere Social Media-Kanäle verantwortlich.

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