Was wir über AMD Ryzen 7000 wissen

AMD Ryzen 7000 CPU auf rotem Hintergrund und weißem Kreis
(Bild: AMD/Mockup PCBC/FB)

AMD bringt bald Ryzen 7000, Codename Raphael, mit Zen 4-Technik auf den Markt. Alle Infos und Leaks rund um Specs, Preise und Startdatum.

Geht die Ryzen-Erfolgsgeschichte weiter?

AMD hat mit den ersten Ryzen-Prozessoren vor fünf Jahren die Branche überrascht. Sie waren seit langem die erste ernstzunehmende Konkurrenz für die Core-Prozessoren von Intel. Zuerst nur im Desktop, bald aber auch im Notebook-Segment wusste AMD zu punkten. Ab Ryzen 3000 war der Punkt erreicht, an dem die Prozessoren mindestens gleichwertig zu Intel war – mit Ryzen 5000 hat AMD schließlich endgültig überholt. Intel musste sich mühsam zurückkämpfen, hatte mit Rocket Lake-S einen Fehlschlag. Seit Alder Lake sind die Karten aber wieder neu gemischt, Intel ist wieder vorne – auch im Mittelklasse-Segment.

Doch dieser Erfolg könnte nicht lange währen: Ryzen 7000 mit neuer Zen 4-Architektur steht laut AMD schon bald in den Startlöchern und könnte sich den Titel wieder zurückholen. Zwar ist auch Intel nicht untätig und stellt dieses Jahr noch Raptor Lake vor, Ryzen 7000 könnte allerdings den Anfang machen. Das nehmen wir zum Anlass, alle Informationen, Leaks und Gerüchte zu Spezifikationen, Modellen, Leistung, Preisen und dem Startdatum zusammenzufassen.

Technische Daten: was kann Ryzen 7000?

Bis zu 16 Kerne und 170 Watt TDP gelten als gesetzt

Anders als Intel mit der neuen Hybrid-Technik bei Alder Lake wagt AMD wohl keine größeren Experimente bei der Architektur und den technischen Spezifikationen. Als Architektur kommt Zen 4 zum Einsatz. Bis zu 16 Kerne haben Ryzen 3000 und auch Ryzen 5000 im wahrsten Sinne des Wortes groß gemacht. Eine höhere Kern-Anzahl oder Effizienz-Kerne sollen mit Ryzen 7000 jedoch nicht geplant sein. So sprechen zwei bekannte Leaker (Greymon55 und 9550pro) unabhängig voneinander von Ryzen 9-Prozessoren mit bis zu 16 Kernen. Auch ein Zwölfkerner ist wieder mit von der Partie. AMD könnte also schlicht die bereits bestehenden Strukturen und Codenamen ohne Änderung beibehalten. Welche Modelle genau kommen ist aber noch relativ unklar. Bereits geleakt sind Modelle mit 8, 12 und 16 Kernen.

Die beiden Leaker haben jedoch noch weitere Details ans Licht gebracht. So erhöht AMD zumindest für das Topmodell alias Ryzen 9 7950X massiv die TDP. Diese liege nicht mehr bei 105 Watt wie beim Ryzen 9 5950X, sondern bei satten 170 Watt. Auch der PPT-Wert steigt auf 230 Watt. PPT bedeutet Package Power Tracing und steht für die maximale Leistung, die bis zu einem gewissen Temperaturlimit abgerufen werden kann. Einem weiteren Tweet zufolge soll es jedoch auch Ryzen 9-Modelle mit 65 und 105 Watt TDP geben. Ein Zwölfkerner, der Ryzen 9 7900X heißen könnte, bleibt laut Greymon55 ebenfalls bei 105 Watt.

TSMC 5nm sorgen für Vortrieb, 6nm für den I/O-Die

Bei der Fertigungstechnik gibt es relativ wenige Überraschungen. AMD kündigte bereits zur CES an, für Ryzen 7000 auf das 5nm-Node alias N5 von TSMC zu setzen. Im Livestream sprach Lisa Su direkt von „unglaublicher“ Performance, die Zen 4 in Ryzen 7000 bringe. Dass dazu das aktuell schnellste Node von TSMC notwendig ist, war schon im Vorfeld kein großes Geheimnis mehr. Spannender wird es jedoch beim I/O-Die. AMD setzt mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder auf einen Chiplet-Ansatz und bringt so die Kerne in einem anderen Die unter als die Speicher- und Portverwaltung. Der I/O-Die ist verhältnismäßig groß, weshalb ihn AMD für Ryzen 3000 und Ryzen 5000 bei Globalfoundries in deren 12nm-Prozess fertigen ließ. Die Kosten sind so wesentlich geringer. Laut dem Leaker 9550pro soll das I/O-Chiplet jedoch diesmal in 6nm gefertigt werden. Für diese Strukturbreite kommt eigentlich nur TSMC als Lieferant infrage.

Neuer Sockel AM5: endlich keine Pins mehr an Ryzen 7000

Auf der CES 2022 gab AMD auch einen Ausblick auf den neuen Sockel. Dieser trägt den Namen AM5 und bedeutet einen Bruch mit der früheren Tradition. Statt auf einen Pin Grid Array-Sockel (PGA) zu setzen, kommt diesmal ein Land Grid Array-Sockel (LGA) namens LGA1718 zum Einsatz. Solch einen nutzt AMD bereits bei den Epyc- und Threadripper-Prozessoren, im Consumer-Bereich war die Technik aber bisher Intel-Kunden vorbehalten. Statt einem löchrigen Sockel, in dem die Pins der CPU ihren Platz finden, sind kleine Kontaktflächen auf der CPU; die Pins sind nun im Sockel. Ein kleiner Bügel hält den Prozessor sicher an Ort und Stelle.

AMD AM5 Sockel für Ryzen 7000 im LGA-Format
Der neue AM5-Sockel im LGA-Format. (Bild: AMD)

Die Technik hat gleich mehrere Vorteile: verbogene Pins an den teuren Prozessoren gehören mit Ryzen 7000 der Vergangenheit an. Außerdem reißt man beim Ausbauen des Kühlers nicht die CPU samt Kühler aus dem Sockel, wie es dank stark haftender Wärmeleitpaste beim PGA-Sockel oft der Fall ist. Die Gefahr, die Pins im Sockel zu verbiegen, besteht natürlich. Der Erfahrung nach ist die Gefahr allerdings deutlich geringer als das Verbiegen der CPU-Pins. Laut AMD sind AM4-Kühler übrigens weiterhin kompatibel. Der neue Sockel erfordert auch eine neue Form des Heatspreaders, der etwas gewöhnungsbedürftig geraten ist. AMD setzt auf Aussparungen für SMD-Bauteile:

AMD Ryzen 7000 neuer Heatspreader
Der neue Heatspreader mit Aussparungen für SMD-Bauteile. (Bild: AMD)

PCIe 5.0 und DDR5, aber eventuell kein DDR4

Der neue AM5-Sockel ist für einige neue Technologien notwendig, die Ryzen 7000 mit sich bringt. So unterstützt Ryzen nun erstmals DDR5. Ebenfalls neu ist der Support für PCIe 5.0, das bereits bei den kommenden RTX 4000-Grafikkarten von Nvidia Einzug halten könnte. Intel hatte mit Alder Lake bereits bei beiden Technologien vorgelegt, weshalb das Nachziehen von AMD mit Ryzen 7000 nur sinnvoll und logisch ist. Während PCIe 5.0 problemlos abwärtskompatibel ist, gilt das leider nicht für DDR5. Trotz gleicher Pin-Anzahl sind die Module nicht zu DDR4-Slots kompatibel und umgekehrt.

Während Alder Lake-Prozessoren beide Technologien unterstützen, man sich aber zwingend mit dem gewählten Motherboard auf eine der beiden festlegt, könnte das bei Ryzen 7000 anders sein. Laut Greymon55 können die Speichercontroller von Raphael zwar ebenso mit DDR4 umgehen, das bedeutet jedoch nicht, dass es Support für die bereits recht betagte Speichertechnologie gibt. Am Ende könnten die neuen Ryzen-Prozessoren also zwingend DDR5 voraussetzen. Welche Taktrate AMD unterstützt ist ebenfalls noch nicht bekannt, die Halo-Demo auf der CES lief aber mit DDR5-4800.

Doppelter L2-Cache, aber kein Hinweis auf 3D V-Cache

Die Leaks in der MilkyWay@home-Datenbank zum Achtkerner und zum 16-Kerner deuten auch eine Änderung beim Cache an. So kommen nun pro Kern 1 Megabyte statt 512 Kilobyte L2-Cache zum Einsatz, der L2-Cache hat sich also verdoppelt. Keine Indizien gibt es hingegen zum L3-Cache. Besonders spannend ist hier, ob AMD bei Ryzen 7000 wie beim Ryzen 7 5800X3D generell auf 3D V-Cache als L3-Ergänzung setzen wird. Das Unternehmen selbst hat dazu noch nichts angekündigt, was schlechte Nachrichten sein könnten. Immerhin war AMD besonders stolz auf den 3D-Cache und dessen Potenzial. Die Spezifikationen des Ryzen 7 5800X3D zeigen jedoch, dass der Stromverbrauch relativ hoch sein dürfte – sogar ein niedriger Takt ist notwendig, um die 105 Watt TDP halten zu können. Möglicherweise kommt Ryzen 7000 also vorerst ohne 3D V-Cache.

So schnell ist Ryzen 7000

Während viele technische Details schon bekannt und teils auch bestätigt sind, ist noch komplett unklar, wie viel Leistung AMD mit Ryzen 7000 tatsächlich auf die Straße bringen wird. Potenzial hat die neue Generation vor allem durch die 5nm-Fertigung von TSMC. AMD selbst sprach bei der CES natürlich von „unglaublicher“ Leistung, zeigte in der Halo-Demo aber keine FPS-Werte und schon gar keinen Vergleich mit anderen CPUs. Lisa Su verkündete während des Livestreams jedoch stolz, dass in dieser Demo alle Kerne auf 5 GHz Takt liefen – ein Wert, den selbst gute Overclocker mit Ryzen 5000 kaum Spiele-stabil hinbringen. Der Leistungszuwachs könnte also bei 25 Prozent oder höher liegen, mit mehr Power-Budget ist wohl noch mehr drinnen.

Ryzen 7000-Benchmarks sind bisher erstaunlich wenige aufgetaucht – genauer gesagt gar keine. Das deutet darauf hin, dass Ryzen 7000 noch weiter entfernt ist als bisher gedacht.

Wann kommt Ryzen 7000?

Eine der größten Spekulationsfragen ist, wann AMD denn mit Ryzen 7000 auch den Markt betreten wird. Das Unternehmen selbst kündigte auf der CES nur sehr vage an, die neue Generation im zweiten Halbjahr 2022 auf den Markt bringen zu wollen. Und wieder einmal ist Greymon55 die Quelle für einen doch recht fundierten Hinweis. Dieser hatte noch Anfang Februar Informationen erhalten, nach denen AMD den Ryzen 7000-Launch auf Juli oder August vorziehen kann. Seine andere Quelle sitzt scheinbar aber direkt im Packaging-Werk und sagt dazu, dass die Produktion noch nicht angelaufen sei. Daher ist ein Launch im vierten Quartal 2022 deutlich wahrscheinlicher. Ryzen 7000 kommt also frühestens im Oktober 2022. Zu diesem Zeitpunkt bringt wohl auch Intel die kommenden Raptor Lake-Prozessoren auf den Markt. Der späte Launch Ende des Jahres ist vermutlich auch ein Grund dafür, dass AMD noch weitere Ryzen 5000-Prozessoren auf den Markt bringt.

Sollte man auf Ryzen 7000 warten?

Viele stellen sich nun wohl berechtigt die Frage, ob man auf Ryzen 7000 warten sollte. Das hängt von mehreren Faktoren ab. Wer auf einem in die Jahre gekommenen System, zum Beispiel mit Intel Core i7-7700K, AMDs FX-Prozessoren oder der ersten Ryzen-Generation sitzt, der sollte noch die letzten Monate durchhalten und warten. Der Grund ist, dass AMD mit Ryzen 7000 und AM5 wieder in eine neue Sockel-Ära wechselt und auch neue Features wie DDR5 unterstützt. Sich jetzt ein komplett neues System mit Ryzen 5000-Prozessor, AM4-Motherboard und DDR4-Arbeitsspeicher zuzulegen wäre eine Investition in eine tote Plattform. Wer gar nicht warten kann, sollte auch Intel Alder Lake in Erwägung ziehen.

Wer hingegen eine Ryzen 2000- oder Ryzen 3000-Plattform besitzt, kann noch sehr kosteneffizient auf Ryzen 5000 upgraden und muss nicht unbedingt auf Ryzen 7000 warten. Der kommende AMD Ryzen 7 5800X3D könnte dank 3D V-Cache sogar den Intel Core i9-12900K im Gaming schlagen. Er ist somit auch bis zu 80% schneller als ein Ryzen 7 2700X, aber mit der gleichen Plattform kompatibel – die perfekte Aufrüster-CPU also.

Fazit: die Ryzen-Saga geht weiter

Mit der ersten Ryzen-Generation hat AMD vor fünf Jahren den Markt zwar noch nicht erschüttert – die Richtung war aber klar. Dem Hersteller ist mit den Prozessoren ein verdientes Comeback gelungen. Spätestens Ryzen 5000 setzte neue Maßstäbe. Mit Ryzen 7000, Codename Raphael, könnte die Erfolgsgeschichte weitergehen. Ein neuer, besserer Sockel und Features wie PCIe 5.0 und DDR5 machen die Generation zeitgemäß und zukunftssicher. Die N5-Fertigung bei TSMC bringt einen Fertigungsvorteil gegenüber Intel und könnte zu neuen Leistungs-, aber auch Effizienz-Höhen führen. Bewährte Stärken wie bis zu 16 Kerne und ein potenziell langer Upgrade-Zyklus bleiben erhalten.

Aufpassen sollten Interessenten, die jetzt gerade ihren PC aufrüsten oder neu kaufen. Ryzen 7000 soll im zweiten Halbjahr 2022, voraussichtlich im vierten Quartal, auf den Markt kommen. Es kann sich durchaus lohnen auf die neue Generation zu warten. Dann besteht auch wieder Aufrüst-Sicherheit, während der AM4-Sockel bereits tot ist und keine Upgrades mehr erhält. Der Wechsel auf die neue Plattform mit DDR5-Unterstützung ist daher die bessere Wahl. Wer bereits ein Ryzen-System hat, kann jedoch bedenkenlos auf Ryzen 5000 aufrüsten.

Weiterlesen: AMD Ryzen 7 5800X3D: lohnt sich der Prozessor?

Über Florian Berger 64 Artikel
Florian Berger ist Autor bei PC Builder's Club. Durch sein Technikinteresse stieß er Ende 2019 zum kleinen Team dazu und kümmert sich seitdem um Verwaltung, Lektorat und viele Recherchen und Features.

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