Mining-Grafikkarten: noch brauchbar und sicher? Selbstexperiment

Mining Rig Mining Grafikkarten GPUs sicher gebraucht kaufen
(Bild: Pixabay)

Bald könnten viele Mining-Grafikkarten auf den Gebrauchtmarkt kommen. Doch sind Mining-GPUs von Nvidia und AMD noch brauchbar und sicher?

Gaming-GPUs, gefangen in der Mine

Seit Jahren ist der Siegeszug der Kryptowährungen unaufhaltsam. Der Bitcoin hat bereits eine Marktkapitalisierung von fast einer Billion US-Dollar erreicht. Und auch andere Kryptowährungen wie Ethereum (461 Milliarden US-Dollar) oder Cardano (90 Milliarden US-Dollar) sind gewaltig im Wert gestiegen. Während der Bitcoin als „digitales Gold“ angesehen wird, sind Projekte wie Ethereum oder Cardano vor allem wegen ihren dezentralen Funktionen beliebt. Eine größere Rolle dürfte aber auch das Mining spielen. Die beiden größten Coins nach Market-Cap, Bitcoin und Ethereum, lassen sich nämlich mit Hardware-Einsatz schürfen. Die sogenannten Miner tauschen dabei ihre Rechenleistung gegen einen Teil der Kryptowährung und halten so das dezentrale Netzwerk am Laufen.

Während bei Bitcoin seit Jahren sogenannte ASICs, spezielle Chips nur fürs Mining, zum Einsatz kommen, sind für Ethereum hauptsächlich Grafikkarten im Einsatz. Zwar gibt es auch für Ethereum ASICs von Bitmain, diese sind aber schwer zu bekommen und bei weitem nicht so gut geeignet wie Grafikkarten. Die Folge: eine globale Knappheit der Pixelbeschleuniger, von denen fortan viele in den Crypto-Minen gefangen sind. Zwar steuert Nvidia mit eigenen Miner-GPUs und sogenannten „Low Hashrate“-Grafikkarten dagegen, wirklich helfen tut das aber nicht, denn die Miner kaufen nach wie vor hauptsächlich Gaming-Grafikkarten. Diese sind frei verfügbar, gut gekühlt und haben ein besseres Preis-Leistungsverhältnis.

Das spüren auch die Gamer, denn sie bekommen Grafikkarten überhaupt nicht mehr und wenn doch nur zu Mondpreisen. Die RTX 3090 kostet im günstigsten Fall 2.400 Euro, satte 1.560 Euro legt man für die RTX 3080 Ti auf den Tisch. Besonders schlimm hat es die RTX 3070 erwischt, die mit 940 Euro fast doppelt so teuer ist wie die UVP von 519 Euro. Mit einigen Tricks bekommt man noch Grafikkarten zur UVP, das ist allerdings eher die Ausnahme.

Die Mining-Blase platzt früher oder später

Allerdings wird es mit dem Mining nicht ewig so weitergehen. Der Hauptfaktor ist dabei die Kryptowährung Ethereum. Diese macht es den Minern durch Updates wie EIP-1559 bereits deutlich schwerer. Mit Ethereum 2.0 ist das Mining komplett vorbei. Dann steigt Ethereum auf ein neues Konsens-Verfahren namens Proof of Stake (PoS) um. Im Gegensatz zu Proof of Work (PoW, das umgangssprachliche Mining) ist dann nicht mehr der Hardwareeinsatz entscheidend. Die Nodes sind zwar weiterhin Computer in einem Netzwerk, sie validieren die Transaktionen allerdings unter Einsatz von hinterlegten Ether. So ein Knoten kann in der Theorie auch auf einem Raspberry Pi laufen, braucht wenig Energie – und vor allem keine Grafikkarten. Es gibt also ein Ablaufdatum für GPU-Mining im großen Stil – und damit platzt auch die Mining-Blase. Die Folge: der Gebrauchtmarkt wird mit ehemaligen Mining-Grafikkarten überschwemmt.

Warum Ethereum allein über die Mining-Zukunft entscheidet

Doch warum schwenken die Miner dann nicht einfach auf eine andere Kryptowährung um? Tatsächlich gibt es viele weitere Coins, die sich mit Grafikkarten minen lassen. Ohne Einrechnung der Stromkosten erwirtschaftet eine RTX 3090 mit Ethereum Classic 5,20 Euro, dicht dahinter folgt Ravencoin mit 5,03 Euro pro Tag. Beide liegen deutlich hinter Ethereum mit einem Wert von 6,96 Euro pro Tag (Berechnungen). Der entscheidende Faktor ist allerdings die Marktkapitalisierung. Ethereum Classic kommt derzeit auf 7,37 Milliarden, Ravencoin auf nur 1,13 Milliarden US-Dollar. Sobald das Ethereum-Mining endet, werden sich die meisten Miner auf genau diese Coins stürzen. Die Folge: die Difficulty in den Netzwerken steigt rapide an. Vereinfacht gesagt wollen auf einen Schlag drastisch mehr Leute ein Stück vom gleich großen Kuchen abhaben. Zusätzlich würde der Kurs von ETC und Ravencoin stark fallen, da die meisten Miner vor allem an kurzfristigen Gewinnen interessiert sind und die geschürften Coins sofort wieder verkaufen.

Und Bitcoin? Der Bitcoin ist fürs GPU-Mining nur an ganz anderer Stelle relevant. Zwar suggerieren Dienste wie Nicehash, dass man dort Bitcoin mit Grafikkarten minen kann, tatsächlich werden aber andere Coins, hauptsächlich Ethereum, gemint. Nur die Auszahlung erfolgt in Bitcoin. Bitcoins direkt werden nur mit sogenannten ASICs gemint. Verhängnisvoll kann hier nur sein, dass der größte Anbieter, Bitmain, bei TSMC fertigt. Daher konkurrieren AMD und neuerdings auch Intel mit dem ASIC-Hersteller.

Mining-Grafikkarten für Gaming nutzen – sinnvoll oder gefährlich?

Sobald die Mining-Blase geplatzt ist, landen viele der ehemaligen Mining-GPUs auf dem Gebrauchtmarkt. Das geht, da die meisten ganz normale Gaming-GPUs sind, die fürs Mining zweckentfremdet wurden. Ohne eine ehrliche Angabe vom Verkäufer lässt sich von außen nur schwer erkennen, ob eine Grafikkarte in den Minen schuften musste. Doch ist Vorsicht denn überhaupt angebracht?

Diese Last liegt auf Mining-GPUs

Prinzipiell handelt es sich beim Mining um einen relativ normalen Vorgang für die Grafikkarte. Sie führt Berechnungen nach einem gewissen Algorithmus durch, so wie sie sonst Berechnungen für ein Spiel oder jeden anderen Workload durchführen würde. Dabei gibt es sogar einen entscheidenden Vorteil: die Rechenlast ist sehr linear. Während eine Grafikkarte beim Zocken ständig unterschiedlicher Last ausgesetzt ist, ist das beim Mining anders. Die Grafikkarte berechnet immer nach dem gleichen Schema und hat auch keine Leistungsspitzen. Die Folge: Bauteile wie die Spannungsversorgung werden gleichmäßig belastet und müssen keine Leistungsspitzen verkraften, die zu höherem Verschleiß führen. Auch der Stromverbrauch und die Abwärme sind linear und variieren nicht. Dazu kommen Anpassungen, die die meisten Miner an ihren Grafikkarten vornehmen. So wird der Grafikchip undervoltet und mit einem Powerlimit belegt, um den Stromverbrauch und die Abwärme weiter zu reduzieren.

Allerdings gibt es auch eine Schattenseite. Da besonders der Ethhash-Algorithmus sehr speicherintensiv ist, übertakten die meisten Miner den Speicher ihrer Grafikkarten. Die Folge ist eine hohe Temperatur der Speicherbausteine, die je nach Modell nicht so gut gekühlt werden wie die GPU. Ein weiterer Faktor sind die Lüfter, die durchgehend laufen. Großer Vorteil hierbei: genau dieses Bauteil lässt sich am einfachsten austauschen. Entsprechende Services bieten viele Hersteller an, alternativ kann man auf Wasserkühler oder andere Universal-Luftkühler umsteigen.

Selbstexperiment: acht Monate Mining mit einer RTX 2060

Das ganze Thema hat uns natürlich auch zu einem Selbstexperiment gebracht. In unserem Server-Schrank stand die letzten acht Monate ein offener Bench-Table mit einem ASRock H81 Pro BTC (dem Mining-Motherboard von vor fünf Jahren schlechthin), bestückt mit einem Intel Pentium G4560, 8 Gigabyte Arbeitsspeicher – und einer KFA2 GeForce RTX 2060 EX. Dieses improvisierte Mining-Rig war unser Versuchsaufbau für einen langfristig angelegten Test, ob Grafikkarten auch nach Mining-Beanspruchung noch etwas taugen können. Dafür haben wir Windows 10 Pro und den GeForce-Treiber für die Grafikkarte sowie den Claymore Dual Miner installiert und die Grafikkarte leicht optimiert. Den Speichertakt haben wir um 700 MHz erhöht, während das Powerlimit auf 120 Watt gesetzt war. Das Resultat: stabile 31 MH/s bei gut 120 Watt Stromverbrauch und akzeptablen 68 Grad Celsius Temperatur (Raumtemperatur: ~20 Grad Celsius).

In diesem Setting lief das Mining-Rig dann 249 Tage lang fast ohne Unterbrechungen. Für diesen Artikel haben wir es dann gestoppt – auch der RTX 2060 zuliebe, die in einem anderen Projekt weiterlaufen soll. Der äußerliche Zustand der Grafikkarte hat uns dabei besonders überrascht. Wir haben sie zwar an einem recht unbelebten Ort laufen lassen, dennoch gab es durch den offenen Aufbau keinen Staubfilter. Die RTX 2060 hat dennoch nur wenig Staub angesetzt, hauptsächlich auf der Platine und auf den Lüftern. Auch unter dem Kühler waren keine Auffälligkeiten zu entdecken. Die Wärmeleitpaste ist nicht eingetrocknet, die Wärmeleitpads der Speicherchips haben normal ausgesehen. Auch nach acht Monaten Mining schürfte die RTX 2060 noch bei 68 Grad Celsius Temperatur. Und auch sonst gab es keine Probleme bei der weiteren Nutzung. Sowohl Gaming-Lasten als auch Superposition und Furmark überstand die Grafikkarte mit normalen Werten.

Was beim Kauf einer gebrauchten Mining-Grafikkarte zu beachten ist

Kann man bei ehemaligen Mining-Grafikkarten also bedenkenlos zugreifen? Das lässt sich schwer pauschal beantworten. Es kommt hauptsächlich darauf an, unter welchen Umständen und wie lange die Grafikkarte betrieben wurde. Besonders die Lüfter sind stärker belastet als sonst – diese lassen sich aber auch leicht tauschen. Generell sollte man sich am besten vor Ort einen Eindruck der Grafikkarte machen und auch den Verkäufer nach Mining fragen.

Grundsätzlich ausschließen sollte man ehemalige Mining-Grafikkarten definitiv nicht. Sie sind meist unter sehr kontrollierten Bedingungen und konstanter Last gelaufen, je nach Modell auch nur ein Jahr oder sogar noch kürzer. Die Mining-Belastung ist nicht grundlegend anders als Gaming und schadet der Grafikkarte nicht. Im Gegenteil kann exzessives Gaming unter schlechten Rahmenbedingungen (warmer Raum mit viel Staub und Haaren, Zigaretten- oder Vaporizer-Rauch, schlechter Airflow, Leistungsspitzen, …) sogar schädlicher für die Grafikkarte sein. Am Ende kommt es immer auf den Zustand und das Alter der Grafikkarte an.

Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, dem ist vom Gebrauchtmarkt aber sowieso abzuraten. Da aktuell die Preise wieder leicht sinken, gibt es auch einige vertretbare Angebote. Die RTX 3080 Ti liegt derzeit gut 25% über der UVP, auch die günstigste RTX 3060 Ti ist akzeptabel. Ähnliche Angebote gibt es auch bei AMD. Die RX 6900 XT kostet als Custom-Design derzeit gut 1.300 Euro, die RX 6700 XT 800 Euro. Teuer sind die günstigste RTX 3070 und die günstigste RTX 3060. In günstigeren Gefilden ist aktuell nur die günstigste RX 6600 XT für 450 Euro eine Empfehlung wert.

Fazit: Mining-GPUs können sicher sein

Die Mining-Blase stellt viele Gamer derzeit vor Probleme. AMD und Nvidia reiben sich die Hände, während die Grafikkarten meist bei den falschen ankommen – den Minern. Doch die Mining-Blase platzt früher oder später. Entscheidend dafür ist die Geschwindigkeit, in der Ethereum 2.0 umgesetzt und GPU-Mining im großen Stil auf einen Schlag unrentabel wird. Spätestens dann landen viele ehemalige Mining-Grafikkarten auf dem Gebrauchtmarkt.

Doch sollte man diese auch in Erwägung ziehen? Die kurze Antwort ist: ja. Zwar sind die Karten im Dauerlauf belastet worden, allerdings deutlich gleichmäßiger als beim Gaming. Die Leitfähigkeit von Wärmeleitpads und -paste nimmt dabei nicht ab, wie unser Test zeigt. Einzig die Lüfter könnten am Ende zum Problem werden – genau dieses Teil lässt sich aber am einfachsten austauschen. Generell sollte man sich die Grafikkarten aber auf jeden Fall vor dem Kauf vor Ort anschauen und Funktion sowie Zustand prüfen. Wer kein Risiko eingehen möchte, sollte generell von einem Gebrauchtkauf absehen und zu einer neuen Grafikkarte greifen.

Über Florian Berger 46 Artikel
Florian Berger ist Autor bei PC Builder's Club. Durch sein Technikinteresse stieß er Ende 2019 zum kleinen Team dazu und kümmert sich seitdem um Verwaltung, Lektorat und viele Recherchen und Features.

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