Fertig-PC: günstiger als der Selbstbau? Verschiedene Anbieter im Vergleich

Fertig PC günstiger als Selbstbau
(Bild: Mockup PCBC)

Es kann günstiger sein, einen Fertig-PC zu kaufen statt selbst zu bauen. Das liegt an der Grafikkarten-Krise. Wir vergleichen einige Modelle.

Warum sind GPUs in Fertig-PCs verfügbar?

Die Grafikkarten-Knappheit nimmt derzeit kein Ende. Trotz vieler Bemühungen von AMD und Nvidia sind die Lager gähnend leer. Sowohl die überforderte Produktion als auch die Scalper und Miner tragen ihren Teil zur Knappheit bei. Nicht vergessen sollte man aber auch die Händler, die an der Situation kräftig mitverdienen. Denn auch sie treiben die Preise getreu der freien Marktwirtschaft ordentlich in die Höhe.

Ein Zweig ist davon aber nicht so stark betroffen: die Systemintegratoren, umgangssprachlich auch Fertig-PC-Hersteller genannt. Sie haben weiterhin Zugriff auf eine ausreichende Zahl an Grafikkarten, verbauen diese aber nur in Fertig-PCs. Manche Systemintegratoren geben den Preisvorteil dabei an den Kunden weiter, um konkurrenzfähig zu sein. Anders sieht es bei Systemintegratoren aus, die gleichzeitig normale Händler sind. Alternate zum Beispiel schlägt auch bei den Fertig-PCs und im Konfigurator munter den Scalper-Preis oben drauf. Prinzipiell ist die Lage dort aber etwas besser als am freien Markt für Grafikkarten.

Ob es sinnvoll ist, einen Fertig-PC zu kaufen

Wir als PC Builder’s Club verwehren uns eigentlich absolut dagegen, Fertig-PCs zu empfehlen. Das ist wider unserer Natur. In der aktuellen Notlage kann es aber durchaus sinnvoll sein, genau das zu erwägen. Sollte man einen kompletten PC brauchen, ist es ein guter Weg, um zu einem annehmbaren Preis einzukaufen. Selbst wenn man nur die Grafikkarte benötigt und den Rest verkauft kann das ein ziemlich guter Deal sein. Das hat zuletzt auch der Aldi-PC bewiesen. Der Engineer X10 von Medion und überzeugte mit sehr guten Specs und einem günstigen Preis. Die Kombination aus Nvidia GeForce RTX 3070, Intel Core i7-11700, 32 GB DDR4-3200-Arbeitsspeicher und einer 1 Terabyte NVMe-SSD kostete gerade einmal 1.499 Euro. Würde man die Teile einzeln kaufen und zusammenbauen, käme man auf gut 2.400 Euro.

Das Problem am Aldi-PC: auch dieser war innerhalb von wenigen Minuten online und in allen Märkten ausverkauft. Dennoch zeigt er ganz gut, wie eine Konfiguration sinnvoll aussehen kann und attraktiv für viele Gamer wird. Selbst wenn man den Großteil der Teile wieder verkauft steht man am Ende günstiger da als wenn man eine Grafikkarte allein gekauft hätte. Doch es gibt auch einige Tücken. Besonders beim Netzteil und Kühler sparen viele dieser Hersteller gerne. Auch die SSDs sind meistens günstig. Genau deshalb ist es wichtig, die Spezifikationen sehr genau zu vergleichen. Genau das haben wir mit vier attraktiven Modellen verschiedener Systemintegratoren getan und zeigen, welche Defizite es gibt.

Fertig-PCs im Vergleich

Bei unserem Fertig-PC-Vergleich haben wir uns vorrangig Hersteller angeschaut, die in Deutschland auch bekannt sind. Fündig geworden sind wir aber nur bei einigen. Mifcom, Bestware, Boostboxx, Alternate und andere Anbieter sind deutlich zu teuer oder haben die angebotenen Konfigurationen nicht verfügbar. Leiten lassen haben wir uns dabei vor allem von den verbauten Grafikkarten. Viele Computer jenseits der 1.200 Euro kommen nur mit RTX 3060 – in Anbetracht der Preise meistens ein schlechter Deal. Um die 1.500 Euro sind bereits Radeon RX 6700 XT und RTX 3070 verbaut. Über 2.000 Euro gibt es sogar eine Konfiguration mit Nvidia GeForce RTX 3080, die sich auszahlen kann.

Memory PC

Wir beginnen mit Memory PC. Der Hersteller bietet verschiedene Konfigurationen in verschiedenen Preisklassen an und verkauft seine Computer meistens auch über Amazon. Der PC, um den es konkret geht, ist dort nicht gelistet, dafür aber direkt im Shop als „Auf Lager“ zu sehen. Er trägt den Namen „Gaming PC AMD Ryzen 5 3500X“ und basiert, wie der Name schon sagt, auf einem AMD Ryzen 5 3500X. Dabei handelt es sich um eine Version für Systemintegratoren. Sechs Kerne takten auf bis zu 4,1 GHz, Threads kommen aber nur sechs zum Einsatz. Als Grafikkarte verbaut Memory PC eine Nvidia GeForce RTX 3070. Dazu kommen noch nicht näher definierte 16 GB DDR4-Arbeitsspeicher und eine Kingston A2000 NVMe-SSD mit 500 GB Kapazität zum Einsatz. All das findet auf einem MSI B450 Tomahawk Max platz.

Memory PC Fertig-PC
Der Fertig-PC von Memory PC. (Bild: Screenshot PCBC/Memory PC)

Sehr viel Wert hat Memory PC scheinbar aufs Gehäuse gelegt. Da kommt nämlich ein verhältnismäßig teures, aber hochwertiges Corsair iCue 465X RGB zum Einsatz. Genau gegenteilig sieht es leider beim Netzteil aus. Dieses gibt der Hersteller mit „SQ-WHITE Silent 850W – 80+“ an. Das Netzteil kommt von SQ-Power und ist ein reines OEM-Produkt. Das muss per se nicht schlecht ein, die Angabe „White 80+“ deutet jedoch auf das untere Spektrum der Netzteilklassen hin. Vergleichbare Netzteile kosten gerade einmal 45 Euro, was nicht gerade auf Qualität schließen lässt. Das Upgrade auf ein Enermax Revolution D.F. mit 750 Watt kostet satte 60 Euro – ebenfalls ein Hinweis, dass die Qualität des Standard-Netzteils eher fragwürdig sein dürfte.

Der Preis kann sich alles in allem aber sehen lassen. 1.549 Euro verlangt Memory PC für diesen Fertig-PC, inklusive Windows 10 Home-Lizenz. Damit liegt der Hersteller satte 450 Euro unter dem Selbstbau-Preis. Will man den PC als ganzes nutzen, sollte man den Prozessor aber auf einen Ryzen 5 3600 upgraden und auf jeden Fall das Netzteil austauschen.

Agando

Agando hat als Systemintegrator einen eher fraglichen Ruf. Entweder sind die Konfigurationen zu teuer oder mit Teilen gespickt, die in einem relativ teuren Fertig-PC nichts zu suchen haben. In der Grafikkartenkrise sind uns nun dennoch zwei PCs aufgefallen, die preislich gut ins Bild passen. Die Namen sind dabei Agando-typisch weder einprägsam noch logisch. Zwei Dinge noch vorweg: Agando bietet auf alle PCs 36 Monate Garantie und 6 Monaten Pickup&Return-Service. Außerdem lassen sich in der Konfiguration alle Teile auch noch austauschen – ein klarer Pluspunkt, wenn man ein komplettes System sucht und manches Manko ausgleichen möchte.

Agando fuego 5667rx

Der erste Fertig-PC heißt Agando fuego 5667rx. Als Basis dient der AMD Ryzen 5 5600X auf einem günstigen MSI B550M Pro-VDH WiFi. Der Sechskern-Prozessor ist performant und zukunftssicher, das Board für den Preis in Ordnung ausgestattet, auch wenn es bessere Modelle gibt. Die verbaute Grafikkarte ist eine AMD Radeon RX 6700 XT, die im günstigsten Fall 930 Euro kostet. Als Arbeitsspeicher sind 32 GB DDR4-3200 in 2×16 Modulen verbaut – keine schlechte Wahl. Dazu kommt eine sehr günstige Kingston NV1 NVMe-SSD. Der Kühler ist ein be quiet! Pure Rock Slim, das Gehäuse laut Eigenangabe ein „AeroCool RGB Gaming Tower One Duo“, das es aber nicht gibt – vermutlich handelt es sich um ein AeroCool Aero One, das mit Glasfenster und RGB-Beleuchtung aufwartet.

Einen kleineren Haken gibt es: das Netzteil ist ein be quiet! System Power B9 mit 600 Watt. Es handelt sich um die Bulk-Version des System Power 9. Prinzipiell ist die Qualität in Ordnung, ein Netzteil mit 80 Plus Gold-Zertifikat kann man bei einem hochpreisigen System dennoch erwarten. Der Preis des Gesamtsystems liegt bei 1.499,90 Euro inklusive Windows 10 Pro – gut 330 Euro unter dem Selbstbau.

Agando fuego 5667rx Fertig-PC
Der Agando fuego 5667rx Fertig-PC wartet mit einer RX 6700 XT auf. (Bild: Screenshot PCBC/Agando)

Agando agua 3637r5 dragon

Die zweite empfehlenswerte Fertig-PC-Konfiguration heißt Agando agua 3637r5 dragon. Als Basis dient diesmal ein AMD Ryzen 5 3600, wie gewohnt auf einem MSI B550M Pro-VDH WiFi. Richtig interessant ist die Grafikkarte: es handelt sich um die Nvidia GeForce RTX 3070. Diese kostet im besten Fall 1.190 Euro, wenn man sie denn überhaupt bekommt. Das restliche System: 16 GB DDR4-3200-Arbeitsspeicher, eine 500 GB Kingston A2000 NVMe-SSD und einer der billigsten CPU-Kühler, den es gibt: der Xilence A250PWM. Als Case nutzt Agando diesmal das schicke MSI MAG Vampiric 011C Ryzen Edition mit Glasfenster und RGB-Beleuchtung.

Großer Minuspunkt: das 45 Euro-Netzteil, ein AeroCool Aero White mit 700 Watt und nur der 80 Plus White-Zertifizierung. All das drückt zumindest den Gesamtpreis. 1.549,90 Euro möchte Agando für diesen PC inklusive Windows 10 Pro, das ist gut 470 Euro günstiger als der Selbstbau. Bedenkt man die aktuellen Preise für eine RTX 3070 ist der Deal samt Garantie und Service ziemlich gut.

Agando agua 3637 dragon Fertig-PC
Ein auffälliges Case: der Agando agua 3637 dragon kommt noch dazu mit RTX 3070. (Bild: Screenshot PCBC/Agando)

Dubaro

Der Systemintegrator Dubaro ist in den letzten Jahren vor allem durch die Kooperation mit zwei YouTubern in den Fokus gerückt. Die Preise sind dabei meistens mit ziemlich scharfer Klinge kalkuliert worden. Etwas anders sieht es in er aktuellen Krise aus. Viele Fertig-PCs sind entweder nicht erhältlich oder preislich überzogen. Dennoch haben wir einen Fertig-PC gefunden, der mit einer quasi nirgends erhältlichen RTX 3080 aufwarten kann und in 5-9 Arbeitstagen versandbereit sein soll.

Die Konfiguration trägt den einprägsamen Namen „Gamer PC Ryzen 7 3700X mit RTX3080“ (sic). Wie der Name schon sagt sind die beiden Hauptkomponenten ein AMD Ryzen 7 3700X und eine Nvidia GeForce RTX 3080 eines beliebigen Herstellers. Auch sonst sind solide Komponenten verbaut. Als Motherboard kommt ein MSI MPG B550 Gaming Edge WiFi zum Einsatz, 16 GB G.Skill RipJaws V mit DDR4-3200 sind verbaut. Die 512 Gigabyte NVMe-SSD heißt Patriot P300 und ist mit 1.700 MB/s lesend eher langsam. Als Gehäuse kommt das hochwertige MSI Gungnir 110R zum Einsatz. Auch das Netzteil ist hochwertig: ein Corsair RMx RM750x sorgt für Power im PC. Nicht ganz ins Bild passt lediglich der Kühler. Hier verwendet Dubaro den AMD Boxed-Kühler, einen AMD Wraith Prism. Windows 10 ist nicht dabei.

Dubaro Fertig-PC
Der Fertig-PC von Dubaro kommt als einziger im Vergleich mit RTX 3080 zum günstigen Preis. (Bild: Screenshot PCBC/Dubaro)

Preislich ist der PC generell ziemlich fair kalkuliert. Dubaro verlangt dafür nur 2.399 Euro – in Anbetracht der 2.000 Euro teuren RTX 3080 ist das günstig. Die Differenz liegt bei gut 370 Euro. Zudem lassen sich Komponenten, die nicht ganz ins Bild passen, leicht upgraden. Ein AMD Ryzen 5 5600X kostet nur 5 Euro mehr, auch eine gute Auswahl an schicken und teils günstigeren Cases gibt es. Oben drauf gibt es zwei Jahre Garantie.

PreiswertePC

Während unserer Recherche sind wir schließlich noch auf den Shop von PreiswertePC.de gestoßen. Dabei handelt es sich um einen Händler, der sich eigentlich auf gebrauchte Hardware spezialisiert hat. Unter der Kategorie „PPC Gamer“ finden sich dennoch einige neuer PCs mit ziemlich spannenden Konfigurationen. Gerade für den kleinen Geldbeutel sind Kombinationen aus Ryzen 5 1600, RX 570, 8 GB RAM und 256 GB SSD für 518,99 Euro oder Intel Core i5-6500, GTX 1050 Ti, 8 GB RAM und 240 GB SSD für 499 Euro äußerst interessant. Beide PCs kommen oben drauf noch mit Windows 10 Home. Meistens handelt es sich um Restposten mit begrenzter Anzahl, die schnell vergriffen sein können. Andere Konfigurationen sind hingegen nicht so preiswert, man sollte also auch hier genau vergleichen, bevor man einen Kauf tätigt.

Fazit: es kann sinnvoll sein, einen Fertig-PC zu kaufen

Auch, wenn es uns dabei das Herz zerreißt: aktuell kann es sehr sinnvoll sein, einen Fertig-PC zu kaufen. Während es unter normalen Umständen praktisch nie die günstigere Alternative ist, sich einen Fertig-PC zuzulegen, ist es während der aktuellen Grafikkartenkrise ein gutes Mittel. Wenn man sowieso einen ganzen Computer benötigt, kann ein Fertig-PC ein ziemlich guter Deal sein. Besonders hervorgestochen hat dabei der PC von Memory PC mit RTX 3070 und Ryzen 5 3500X. Satte 500 Euro spart man gegenüber dem Selbstbau. Den Prozessor sollte man direkt beim Bestellen tauschen, genauso wie das Netzteil, sonst ist die Konfiguration allerdings günstig. Die Netzteil-Problematik gibt es leider auch bei Agando. In 1.500 Euro-PCs Netzteile zu verbauen, die 50 Euro oder weniger kosten, ist schon fast fahrlässig. 470 Euro Differenz zum Selbstbau sind jedoch ein guter Deal. Besser sieht es bei Dubaro und der Konfiguration mit RTX 3080 und Ryzen 7 3700X aus, die mit einem guten Netzteil daherkommt. Die Gesamtersparnis ist allerdings nicht mehr so hoch.

Kauft man sich allerdings einen Fertig-PC, um anschließend nur die Grafikkarte zu behalten und den Rest des Systems zu verkaufen, kann die Ersparnis schnell schmelzen, vom Aufwand mal ganz abgesehen. Man profitiert dann auch nicht von Garantie oder Serviceleistungen der Fertig-PC-Hersteller, die sonst inklusive sind. Auch die Originalverpackungen gibt es in vielen Fällen nicht dazu. Deshalb ist es in diesem Fall sinnvoller, eine Grafikkarte auf anderem Wege zu kaufen. Im nächsten Artikel zeigen wir euch, wie.

Über Florian Berger 46 Artikel
Florian Berger ist Autor bei PC Builder's Club. Durch sein Technikinteresse stieß er Ende 2019 zum kleinen Team dazu und kümmert sich seitdem um Verwaltung, Lektorat und viele Recherchen und Features.

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