Cascade Lake-X: So hat Intel 28 Kerne auf 5 GHz gebracht

Das verwendete System. (Bild: Anandtech)

Die Vorführung von Intel auf der Computex mit einem 28 Kerne-Prozessor auf 5 GHz Takt gibt weiter Rätsel auf. Intel selbst hat sehr wenige Details dazu veröffentlicht. Gegenüber Anandtech hat der Prozessorhersteller jetzt einige Details bestätigt.

5 GHz auf 28 Kernen: Nur Trickserei?

Intel hat auf der Computex wieder einmal ordentlich nachgelegt. Der Prozessorhersteller hat angekündigt, noch im vierten Quartal dieses Jahres einen Prozessor mit 28 Kernen für HEDT-Nutzer auf den Markt zu bringen. Es handelt sich dabei um den Nachfolger von Skylake-X, genannt Cascade Lake-X. Das scheint auch nötig zu sein: am Tag darauf präsentierte AMD die 32 Kern-Version von Threadripper, welche bereits in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommt. Auf der Computex zeigte Intel den 28-Kerner bereits, nannte jedoch keine Details und hielt vieles noch eher geheim. Dafür gab es eine Vorführung der CPU, bei welcher Intel den Prozessor auf 5 GHz takten ließ und einen Cinebench R15-Benchmark laufen ließ. Das Ergebnis von 7.334 Punkten ist äußerst beeindruckend.

Dabei stellen sich jedoch einige Fragen zu der nebulösen Präsentation. 5 GHz auf einem Prozessor mit 28 Kernen sind nicht nur ungewöhnlich, sondern schlichtweg blanker Wahnsinn. Anandtech hat jetzt mit Intel gesprochen. Das Unternehmen hat im Gespräch einige Details zum Prozessor und auch zur Präsentation bestätigt.

Das verwendete System. (Bild: Anandtech)

Hoher Takt, eigene Mainboards, starke Kühlung


Beginnen wir beim Takt. Zuerst hatte es bei der Präsentation den Anschein, als wolle Intel ein Produkt in Standard-Spezifikationen benchmarken. Natürlich bestätigte der Hersteller, dass der Prozessor nicht auf 5 GHz im Generellen laufen werde. Man habe den Prozessor manuell auf 5 GHz hochgetaktet. Dafür sei ein eigener Industrie-Kühler notwendig gewesen, konkret ein Hailea HC Series Wasserkühler, in welchem wie bei einem Kühlschrank die benutzte Kühlflüssigkeit heruntergekült wurde. Der Kühler selbst kann bis zu 1770 Watt an Kühlleistung erbringen. Als Plattform habe Intel sowohl mit Gigabyte als auch mit Asus zusammengearbeitet, um ein entsprechendes Mainboard zustande zu bringen. Eines dieser Mainboards ist das Asus Dominus. Damit sei jedoch nicht der Benchmark auf der Bühne entstanden. Nur das Gigabyte-Mainboard schaffte die 5 GHz-Marke.

Das Gigabyte-Mainboard für die Demonostration. (Bild: Anandtech)

14nm auf Server-Plattform

Dabei verwendete Intel mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Ableger der Skylake-SP-Prozessoren mit 28 Kernen. Entsprechend kam auf den Mainboards auch der Sockel LGA-3647 zum Einsatz. Damit verändert Intel bereits mit Cascade Lake-X seinen Sockel, sofern die Prozessoren mit diesem Sockel nicht ein eigener Highest End-Ableger werden, während AMDs 32-Kerner auch weiterhin auf dem TR4-Sockel läuft. Auch an der Strukturbreite hat sich nichts geändert. Der 28 Kerne-Prozessor wurde im 14nm-Verfahren gefertigt und ist damit noch kein 10nm-Produkt.

Immens hoher Stromverbrauch

Nicht bestätigen wollte Intel hingegen den Stromverbrauch der Demonstration. so kam im Testsystem ein 1600 Watt-Netzteil bei einer sehr stromsparenden Grafikkarte zum Einsatz. Bereits im Vorfeld haben viele darüber spekuliert, wie viel Strom der Prozessor wohl verbrauche. Der Intel Core i8-7980XE mit 18 Kernen verbraucht auf 4,9 GHz getaktet bereits über 1000 Watt. Das TDP-Korsett der Xeon-Ableger, mit welchem der 28-Kerner ja verwandt ist, liegt bei bis zu 265 Watt. Die Xeon-Prozessoren selbst sind meist auf 205 Watt definiert, jedoch nur beim Standardtakt von 2,5 GHz. Durch die sehr stark angesetzte Kühlleistung von 1770 Watt und dem 1600 Watt-Netzteil lässt sich vermuten, dass der Verbrauch wahrscheinlich jenseits der 1000 Watt lag. Die Anschlüsse und die massive Phasenkühlung auf dem Asus Dominus- und dem Gigabyte-Mainboards scheinen auch zu bestätigen, wo die Reise hingeht.

Der verwendete Kühler. (Bild: Anandtech)

Was wir real erwarten können

Die bestätigten Spekulationen zeigen auch sehr deutlich, dass Intel zwar nicht wirklich getrickst, aber ordentlich optimiert hat. Das auf den Markt kommende Endprodukt wird entsprechend weit unter der 5 GHz-Marke liegen. Viele vermuten einen Standardtakt von 2,7 bis maximal 3 GHz. Der Turbotakt könnte wie beim Xeon-Ableger bei bis zu 3,8 GHz auf einem Kern liegen. Die Demonstration zeigte aber auch, dass die Highend-Mainboards wahrscheinlich eine Klasse für sich sein werden. Wahrscheinlich ist zudem, dass Intel noch eine eigene Klasse über der jetzigen HEDT-Plattform ansetzt. So kann es sein, dass die kommenden Cascade Lake-X-Prozessoren in zwei Segmente gegliedert sind, einmal mit dem bereits bekannten LGA-2066-Sockel, einmal mit noch mehr Kernen und dem LGA-3647-Sockel. Spätestens Ende des Jahres wissen wir dann mehr.


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