Möglicherweise 12 und 16 Kerne für Ryzen 3000 auf AM4. Geht das?

(Bild: AMD)

Ryzen 2000 ist kaum draußen, da gibt es schon Gerüchte zur neuen Generation. Ein eher wildes Gerücht besagt, dass der Nachfolger Ryzen 3000 mit deutlich mehr Kernen auf den Markt kommen soll. Der Sockel bleibe mit AM4 allerdings der gleiche. Ein Faktencheck.

12 und 16 Kerne für Ryzen 3000

Lange ist die neue Ryzen-Generation noch nicht auf dem Markt, es gibt trotzdem bereits wieder Anlass zum spekulieren. Der Grund ist ein wccftech-Artikel, in welchem der Autor behauptet, in einer privaten Konversation mit sehr gut informierten Personen aus der Industrie darüber gesprochen zu haben. Diese meinen, dass Ryzen 3000 bereits mit 12, wenn nicht 16 Kernen 2019 auf den Markt kommen würde. Auf den ersten Moment wirkt das etwas aus der Luft gegriffen. Schließlich wäre das eine Verdopplung der Kerne und quasi wildern im eigenen Gebiet. Mehr als acht Kerne bieten aktuell nur Threadripper bzw. der Server-Ableger davon, Epyc. Bei letzterem gibt es sogar bis zu 32 Kerne. Weshalb die Mainstream-Variante dann auf 12 oder 16 Kerne setzen sollte, bleibt fraglich. Im Hinterkopf behalten sollte man jedoch: funktionieren würde es.

Geht das überhaupt?


Grundsätzlich setzt AMD bei seiner Zen-Architektur, welche mit Ryzen im Mainstreammarkt Einzug hielt, auf ein anderes Konzept als bisher. So sind mehrere Prozessor-Dies, genannt Core Complex (CCX) mittels einem „Infinity Fabric“ genannten Interposer zusammengeschaltet. Diese zusammengeschalteten Dies ergeben dann einen vollwertigen Prozessor. Ein Zen-CCX kann dabei bis zu vier Kerne haben. So enthält ein Epyc-Die jeweils zwei CCX, welche mittels Infinity Fabric zusammengeschlossen sind. Vier solcher Dies werden dann erneut mit Infinity Fabric zusammengeschaltet. Bei Ryzen kommen grundsätzlich die gleichen Dies zum Einsatz. Der Unterschied ist jedoch, dass nur zwei CCX zum Einsatz kommen. So sind in einem Ryzen-Achtkerner zwei Dies mit je vier Kernen bzw. zwei CCX eingebaut. In einem Threadripper wird hingegen anders vorgegangen. Der Unterschied ist, dass hier zwei vollaktivierte und zwei deaktivierte Dies mit je zwei CCX zum Einsatz kommen. Damit kann AMD quasi den Ausschuss aus der Epyc-Produktion nutzen.

Ein Die-Shot eines Ryzen 7 1700X. Gut erkennbar sind die beiden CCX mit jeweils vier Kernen und L3-Cache dazwischen. (Bild: AMD)

Rein von der Die-Architektur wäre es also nicht unmöglich, auch einen Ryzen-Prozessor mit 12 oder 16 Kernen zu bauen. Anders sieht es jedoch beim Stromverbrauch aus. Die aktuelle Ryzen-Generation setzt auf 12nmLP, während die erste Generation noch auf 14nm setzt. Ryzen 3000 soll dann bereits auf das 7nmLP-Verfahren von Globalfoundries setzen, wie AMD kürzlich in einer Roadmap bekanntgab. Mit der aktuellen Strukturbreite würde ein Mainstream-Prozessor wohl deutlich zu viel Strom verbrauchen. Zum Vergleich: ein 1800X hat 95 Watt TDP, ein 2700X hat 105 Watt, ein 1950X jedoch ganze 180 Watt. Lösen könnte AMD das mit der 7nmLP-Strukturbreite durchaus, die deutlich sparsamer sein soll. Vielleicht würde die TDP trotz allem steigen, jedoch auch für 12 oder 16 Kerne bei einem angemessenen Level bleiben. Der mit 7nm gesparte Platz könnte auch dafür verwendet werden, vier statt zwei Vierkern-CCX auf dem gleichen Platz zu verbauen.

Threadripper könnte bereits 32 Kerne

Das ganze Spiel ließe sich natürlich auch mit Threadripper wiederholen. De facto hätte AMD bereits jetzt die Möglichkeit, 32 Kerne auf Threadripper anzubinden. Das Unternehmen gab beim Launch an, dass von den vier verlöteten Dies zwei lediglich unbelichtete Dummie-Dies sind. Der Overclocker der8auer hat dies jedoch widerlegt. So sind nicht nur alle vier Dies vollständig belichtet, eine Röntgenaufnahme zeigte zudem, dass auch alle Dies vollständig elektrisch angebunden sind. Die Möglichkeit für 32 Kerne besteht somit bei Threadripper bereits. Bei entsprechender Effizienz könnte also auch Ryzen bald 12 oder 16 Kerne besitzen – sofern die 7nm-Architektur tatsächlich effizient genug ist, um die Prozessoren in ein enges TDP-Korsett zu quetschen.

Eine Frage des Marktes

Ob solche Prozessoren überhaupt einen Mainstream-Marktanteil ergattern können, bleibt derzeit eher fraglich. AMD hat mit Ryzen zwar bewiesen, dass auch mehr als vier Kerne nicht nur marktfähig sind, sondern eine Trendwende einleiten können, ob noch mehr Kerne jedoch zielführend sind, steht auf einem anderen Blatt. Fakt ist, dass Intel durch hohen Takt vor allem die Entwickler von Spielen dazu gedrängt hat, eher auf diesen hohen Takt zu optimieren statt auf mehrere Kerne. Das könnte sich durch den hervorgerufenen Trend zu mehr Kernen, der auch Intel erreicht hat, jedoch in Zukunft bald ändern. Der Takt wird weiterhin ein wichtiger Faktor bleiben, die Mehrkernperformance könnte jedoch in den Vordergrund rücken. Ob dazu direkt 12 oder gar 16 Kerne im Mainstreamsegment notwendig sind, sei mal dahingestellt, im Bereich des  möglichen ist es jedoch trotzdem. Ansonsten wird es vor allem die Leute freuen, die mit Multicore-optimierten Workloads arbeiten.

Letztlich bleibt jedoch noch zu sagen, dass man das Gerücht nicht allzu ernst nehmen sollte. Mit so vielen Kernen könnten derzeit die wenigsten Spiele umgehen. Und das ist das Hauptsegment, auf welches AMD mit den Ryzen-Prozessoren zielt. Zwar sind auch Programm-Workloads für das Unternehmen ein Thema, jedoch bei weitem nicht so stark wie Games.


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