Ryzen 2000-Release: Alle Infos und Benchmarks

AMD Ryzen
(Bild: AMD)

Heute ist es soweit, die neuen Pinnacle Ridge-Prozessoren aka Ryzen 2000 kommen auf den Markt. Jetzt dürfen auch alle Infos und Benchmarks enthüllt werden. Wir haben die passenden Informationen zusammengestellt!

Ryzen 2000 – die Erfolgsgeschichte geht weiter

Am 3. März 2017 kamen die ersten Ryzen-Prozessoren auf den Markt. Damit hat AMD ganz schönen Wind in den Markt mit Desktopprozessoren gebracht. Acht Kerne und 16 Threads für deutlich günstigere Preise, als es bei Intel der Fall war. Nach der zu einem großen Teil eher erfolglosen FX-Serie hatte Intel damit wieder einen Gegner. Ryzen sollte den Markt nachhaltig verändern. In Deutschland waren die Prozessoren der ersten Generation absolute Topseller und sehr beliebt.

Intel ließ das nicht auf sich sitzen und stellte im Oktober 2017 einen Gegner für Ryzen vor – und das erstmals mit mehr Kernen und Threads im Mainstreamsegment. Der Hersteller hat seine ganze Hierarchie, die seit über 10 Jahren bestand, über den Haufen geworfen. Der Topprozessor i7-8700K hatte ab diesem Zeitpunkt sechs Kerne und 12 Threads. Auch die kleineren Serien i3 und i5 zogen mit vier (vs. zwei davor) bzw. sechs (vs. vier davor) Kernen deutlich nach. Mitte des Jahres könnte Intel zudem sogar einen eigenen Achtkerner im Mainstream herausbringen. Der Chipproduzent hätte damit die Kerne seiner Prozessoren innerhalb eines Jahres verdoppelt.

Mit dem Refresh legt AMD die Ryzen-Prozessoren jetzt neu auf. Die Pinnacle Ridge genannte Generation soll vor allem höheren Takt, bessere Spieleergebnisse und deutlich bessere RAM- und BIOS-Kompatibilität als beim Start der ersten Generation bringen. Die Preise sind dabei vergleichsweise zur ersten Generation deutlich gesunken. Das Topmodell Ryzen 7 2700X kostet zum Start lediglich 319 Euro.

Die technischen Details


Rein auf den Datenblättern kann man die Optimierungen deutlich sehen. Die Ryzen 2000-Generation wird mit dem 12nmLP-Verfahren von Global Foundries gefertigt. Dadurch sind vor allem bis zu 16% höhere Taktraten bei gleichbleibenden TDPs möglich. Lediglich das vorläufige Topmodell, der Ryzen 7 2700X, genehmigt sich 10 Watt mehr als sein Vorgänger, wodurch die TDP auf 105 Watt steigt. Nettes Detail: auch die neue Generation hat einen verlöteten Heatspreader, welcher 10 Grad Celsius kühlere Temperaturen bringen soll als bei Verwendung einer Wärmeleitpaste.

Ryzen 5 1600Ryzen 5 2600Ryzen 5 1600XRyzen 5 2600XRyzen 7 1700Ryzen 7 2700Ryzen 7 1700XRyzen 7 1800XRyzen 7 2700X
Kerne666688888
Threads121212121616161616
Basistakt3,2 GHz3,4 GHz3,6 GHz3,6 GHz3,0 GHz3,2 GHz3,4 GHz3,6 GHz3,7 GHz
Boosttakt3,6 GHz3,9 GHz4,0 GHz4,2 GHz3,7 GHz4,1 GHz3,8 GHz4,0 GHz4,3 GHz
Cache16 MB16 MB16 MB16 MB16 MB16 MB16 MB16 MB16 MB
SpeicherDDR4-2666DDR4-2933DDR4-2666DDR4-2933DDR4-2666DDR4-2933DDR4-2666DDR4-2666DDR4-2933
TDP65 W65 W95 W95 W65 W65 W95 W95 W105 W
Boxed-KühlerWraith SpireWraith StealthOhne KühlerWraith SpireWraith Spire LEDWraith Spire LEDohne Kühlerohne KühlerWraith Prism LED
Preis147,26€195,-€167,94€225,-€235,57€289,-€255,25€283,17€319,-€

Bei den Taktraten sind alle Prozessoren deutlich gestiegen. Der 2600 erhält im Vergleich zum Vorgänger 200 MHz im Standard- und 300 MHz im Turbo-Modus zusätzlich. Beim 2600X bleibt der Standardtakt gleich, während der Turbotakt um 200 MHz zunimmt. Der Ryzen 7 2700 bekomm 200 MHz mehr im Standardtakt, während es im Turbo sogar 400 MHz mehr sind. Beim 2700X sind es im Vergleich zum 1700X 300 MHz mehr im Standardtakt und ganze 500 MHz mehr im Turbo. Er übersteigt damit auch den 1800X um 100 MHz im Standard- und 300 MHz im Turbotakt.

Beim Cache ist AMD nach wie vor großzügig und verbaut in jeden der Prozessoren pro Die 8 MB L3-Cache, also insgesamt 16 MB pro Prozessor. Eine der größten Optimierungen war auch die Latenzzeit des Caches, von welchem die Prozessoren noch einmal deutlich profitieren. Die offizielle Unterstützung beim RAM steigert sich von DDR4-2666 auf DDR4-2933. Da Ryzen überdurchschnittlich gut vom RAM-Takt profitiert, ist das ein guter Schritt von AMD. Die neuen Prozessoren auf X470-Mainboards dürften zudem auch problemlos deutlich höhergetaktete Module unterstützen. Eine Übersicht aller Mainboards mit X470-Chipsatz zum Marktstart ist hier zu finden.

AMD ist dieses Jahr auch spendabel, was die beigelegten Boxed-Kühler betrifft. So gibt es zu allen Prozessoren einen Kühler dazu, während es bei der Vorgängergeneration zu den X-Varianten des Ryzen-Lineups keine Kühler in der Box gab. Für das Topmodell 2700X gibt es dabei den neuen Wraith Prism LED, welcher den Wraith Max beerbt. Der 2700 erhält einen Wraith Spire LED wie in der Vorgängergeneration, der 2600X einen Wraith Spire ohne LED-Beleuchtung. Ärgerlich ist lediglich, dass der kleine 2600 nur einen Wraith Stealth als Kühler mitbekommt, während der Vorgänger 1600 noch mit einem Wraith Spire kam.

Technische Neuerungen – Zen vs. Zen+

In der neuen Generation hat AMD vor allem feine Detailarbeit geleistet, um die Prozessoren noch einmal zu verbessern. Der größte Schritt dabei ist wahrscheinlich die Umstellung vom 14nm LPP-Verfahren auf das neue 12nmLP-Verfahren, welche beide von Global Foundries stammen. Die kleinere Strukturbreite hat eine doppelte Auswirkung. Einerseits lassen sich bei gleichbleibender TDP bis zu 16% höhere Taktraten oder bei gleichen Taktraten ein deutlich niedrigerer Stromverbrauch realisieren. AMD setzt bei der Zen+ genannten Architektur auf eine Mischung aus beidem. So wurde der Takt deutlich gesteigert, während die Leistungsaufnahme leicht gesenkt wurde.

Eine weitere große Änderung ist die Optimierung der Cache-Latenzen. Waren bei Zen die Latenzen noch vergleichsweise hoch, ist es AMD gelungen, die Latenzen für den L1-Cache um 13 Prozent, für L2 um 34 Prozent und L3 um 16 Prozent zu senken. Auch die Latenz des Arbeitsspeichers soll um 11 Prozent gesunken sein. Das ist vor allem gut für die IPC, welche durch diese Optimierungne um drei Prozent steigt.

Neue Mainboards, neue Features

Alle anderen Änderungen, die zur Performance von Zen+ beitragen, sind vor allem den Mainboards geschuldet. Mit der neuen Ryzen-Generation kommen auch neue Chipsätze auf den Markt. Direkt zum Marktstart gibt es nur den X470-Chipsatz, doch auch ein B450-Chipsatz wird bald folgen. Zwar laufen die neuen Prozessoren auch durchgehend auf allen alten Mainboards mit AM4-Sockel. Im Vergleich zu den neuen Mainboards soll laut AMD auch keine wirkliche Leistungseinbuße bestehen, da alle Features mit einem Ryzen 2000 auch von der älteren Generation unterstützt werden.

X470 sowie X370 unterstützen mit einem Pinnacle Ridge-Prozessor die Technologien XFR2 Enhanced und Precision Boost 2. Der neue Turbo-Modus Precision Boost 2 sorgt dabei für deutlich feinere Turbo-Anpassungen als bei der ersten Ryzen-Generation. So können die einzelnen Kerne deutlich feiner abgestimmt werden, was wiederum höhere Taktraten auf den einzelnen Kernen ermöglicht. So schwankt die maximale Taktrate ständig hin und her, um die bestmöglichen Taktraten für das jeweilige Anwendungsszenario zu erreichen.

XFR2 hingegen ist quasi ein zusätzlicher Turbo-Modus. Dieser holt, wenn noch Leistungsbudget vorhanden ist und die Temperatur am Heatspreader unter 60 Grad Celsius liegt, noch einmal mehr Takt aus der CPU heraus. Die Funktion XFR war bei Ryzen 1000 noch darauf beschränkt, wenn maximal zwei Kerne gleichzeitig ausgelastet werden. Solange das Temperaturlimit eingehalten und noch Leistung vorhanden ist, funktioniert XFR2 jetzt auch bei mehr ausgelasteten Kernen. Bereits der Boxed-Kühler Wraith Prism soll dem 2700X mit XFR2 bis zu vier Prozent zusätzlich ermöglichen, während ein Noctua NH-D15S sogar sieben Prozent bringt. Die Werte stammen direkt von AMD und wurden im Cinebench R15-Benchmark gemessen.

Ein weiteres Feature ist Precision Boost Overdrive, welches kurzfristig die Maximalwerte des Mainboards wie Package-Power, Stromstärke und Spannung anheben kann. Die Taktrate der CPU soll dadurch weiter steigen. Das Feature soll mit allen Mainboards, sowohl neue als auch alte Generation, funktionieren, wurde von den Herstellern jedoch noch nicht umgesetzt.

Die Tests und Benchmarks

Was die Benchmarks betrifft, haben wir leider noch keine Testsamples der neuen Ryzen-Generation erhalten. Wir verwenden daher die detaillierten und sehr ausführlichen Benchmarks der Kollegen von ComuterBase.de. Das Magazin testet auf dem Asus ROG Crosshair VII mit 16 GB DDR4-2933-Arbeitsspeicher und einer Asus ROG Strix GTX 1080 ti OC.

Latenzzeiten

Wir beginnen mit den Latenzzeiten, die laut AMD besondere Beachtung bekommen haben sollen. ComputerBase hat dabei mit AIDA64 die Latenzzeiten nachgemessen. Der L1-Cache ist laut Messung mit 0,9 ns vs 1,0 ns um 10% schneller (laut AMD: 13%), der L2 mit 2,8 vs. 4,4 ns ist ganze 57% schneller (laut AMD: 34%), während der L3-Cache mit 8,8 vs. 11,8 ns 22% schneller ist (laut AMD: 16%). Die Latenz des Arbeitsspeichers liegt mit 72,2 ns 11% unter der Vorgängergeneration. Ryzen 2000 rückt damit deutlich näher an die Latenzen der Intel-Prozessoren heran.

Anwendungen

In den Anwendungstests liegt AMD mit dem Ryzen 7 2700X unschlagbar vor allen anderen Prozessoren. Mit 13% Vorsprung liegt er vor dem direkten Vorgänger 1700X, 9% sind es im Vergleich zum 1800X und zum i7-8700K. Intel setzt mit dem 8700K, welcher lediglich sechs Kerne und 12 Threads besitzt, deutlich nach, was vor allem am hohen Takt liegt. Alle anderen Intel-Modelle unterliegen jedoch allen neuen Ryzen 2000-Prozessoren deutlich. Hier können die vielen Threads zu Ryzen deutlich punkten. Alle Benchmarks im Detail sind hier zu finden.

(Bild: Screenshot via Computerbase.de)

Spiele-Benchmarks

Framerate

Am interessantesten dürften für die meisten die Spielebenchmarks sein. Die fehlende Unterstützung für die vielen Kerne seitens der Spieleentwickler machen AMD hier das Leben etwas schwerer. Im Durchschnitt aller Framerate-Benchmarks, die ComputerBase.de angeführt hat, liegt der 2700X ganze 11 Prozent hinter dem 8700K. Davor gesellen sich noch der i5-8400 und an dritter Stelle der i7-7700K, welche ebenfalls overall besser abschneiden als der 2700X. Dieser liegt jedoch mit dem i7-7700K quasi gleichauf. Mit leichten Abstufungen folgen dann die weiteren Pinnacle Ridge-Prozessoren. Selbst der Ryzen 5 2600 liegt dabei über dem 1800X. Der 2700X ist im Vergleich zum 1800X ganze 12 Prozent schneller.

Bessere Frametimes als i5-8400

Bei den Frametimes sieht die Sache dann jedoch wieder anders aus. Hier setzen die Vorteile der mehreren Kerne im Zusammenspiel mit höherem Takt und niedrigeren Latenzen deutlich ein. So erklimmt der 2700X jetzt bereits Platz 2 hinter dem 8700K, welcher 7% schneller ist. Dicht auf den Fersen folgt mit 1% weniger Performance der i5-8400. Etwas abgeschlagen ist der i7-7700K mit 6% weniger Performance als der 2700X. Der 2600X folgt mit 7% weniger Leistung, während der 2700 und 2600 ungefähr gleich schnell sind und 9 Prozent hinter dem 2700X liegen. Auch hier liegt der 2600 noch 3% über dem Vorgänger-Flaggschiff 1800X.

Ryzen 2000 ist bis zu 22% schneller als Ryzen 1000

Im FPS-Test von ComputerBase zeigt sich die gesteigerte Performance der neuen Prozessoren deutlich. So legt besonders das Topmodell 2700X ein gutes Ergebnis hin, ist jedoch weiterhin den Intel-Prozessoren unterlegen. Gegenüber der Vorgängergeneration gibt es jedoch eine deutliche Leistungssteigerung, welche im Schnitt bei guten 10 bis 15 Prozent liegt. Je nach Spiel ist die Optimierung jedoch unterschiedlich weit fortgeschritten. So unterliegen sämtliche Ryzen-Prozessoren in Star Wars: Battlefront 2 selbst dem kleinen Core i3-8100, während in gut optimierten Spielen wie Assassin’s Creed Origins der Ryzen 7 2700X sogar den zweiten Platz hinter dem 8700K erreichen kann und gleichauf mit dem i7-7700K liegt.

Übertakten

Speicherübertaktung bringt Vorteile

Ryzen 1000 war vor allem dadurch geprägt, dass die hohen Latenzzeiten gut dadurch ausgeglichen werden konnten, wenn man schnelleren Arbeitsspeicher verwendet. Durch die gesenkten Latenzen bei Ryzen 2000 könnte dieser Effekt deshalb nicht ganz so stark eintreten. ComputerBase hat das mit einem relativ starken Kit von G.Skill probiert, welches auf 4133 MHz getaktet war. Das Mainboard unterstützt DDR4-3600, worauf sich der Speicher entsprechend gut bei 1,4V takten lässt. Mit 3433 MHz und 1,35V war scheinbar der Sweet Spot erreicht. Das Speichertuning brachte laut ComputerBase im Schnitt einen Zuwachs von 6 Prozent bei den FPS in Spielen. Dem 2700X mit optimiertem Speicher gelingt es damit, manchmal sogar die Konkurrenz hinter sich zu lassen oder zumindest deutlich aufzuholen. Alle Details sind hier nachzulesen.

Prozessorübertaktung: AMD schöpft Ryzen 2000 schon aus

Etwas anders sieht es hingegen bei der reinen Übertaktung der Prozessoren aus. Mit potentem Kühler war mit dem 2700X bei ComputerBase auch bei 4,3 GHz bei 1,4 Volt Schluss. Die Temperatur stieg bei Verwendung eines Noctua NH-U14S auf 80 Grad Celsius an. Der beigelegte Wraith Prism hingegen schafft die 4,3 GHz nicht, ohne an die 100 Grad Celsius-Marke heranzukommen. Mit 1,475 Volt hat das Magazin es auch geschafft, einen einzelnen Kern auf 4,4 GHz zu übertakten, mehr war aber nicht möglich.

Der 2600X zeigt ein sehr ähnliches Verhalten wie das Topmodell 2700X. Mit 1,4 Volt läuft der Prozessor auf 4,2 GHz bei 78 Grad Celsius. auch hier waren 1,475 Volt für einen Kern auf 4,3 GHz notwendig. Mehr war jedoch aufgrund der Kühlung nicht möglich. Mit dem Noctua NH-U14S stieg auch hier die Temperatur auf 86 Grad Celsius.

Mehr Potenzial sollen jedoch die Non-X-Modelle 2600 und 2700 haben. Diese sind zwar von Haus aus nur mit 65 Watt TDP ausgestattet, das stört einen Overclocker jedoch nicht wirklich. Einziges Manko ist dabei natürlich, dass die Effizienz völlig verloren geht. BEi 1,35 Volt schafft der 2700 so 4,1 GHz auf allen Kernen, was einem Plus von 700 MHz entspricht. Auch beim 2600 ist ein Plus von 500 Mhz auf 4,2 GHz bei 1,4 Volt stabil möglich. Die Temperatur stieg dabei auf 78 Grad Celsius an.

Übertaktet nur geringe Performancevorteile

Je nach Modell fallen die Performancevorteile durch die eher mickrigen Möglichkeiten zum Übertakten deutlich geringer aus. Das größte Potenzial haben dabei die Non-X-Chips, welche deutlich an Performance dazugewinnen. Der 2700X hingegen bringt durch den bereits sehr hohen Standardtakt übertaktet im Schnitt nur ein Plus von einem Prozent hin. Wichtiger ist bei Ryzen 2000 damit definitiv die Übertaktung des Arbeitsspeichers, denn die bringt deutliche Vorteile mit sich.


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