Apple A12X Bionic: kommen bald ARM-Prozessoren ins MacBook?

Apple MacBook Pro 15 2018
(Bild: Apple)

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In Apples neuen iPad Pro-Modellen werkelt der A12X Bionic-Prozessor. Der ARM-Prozessor ist so stark, dass das Unternehmen ihn auch in MacBooks bauen könnte.

Apple ist beim Prozessor abhängig

Die Macs von Apple haben sich über die Jahre ständig entwickelt. Die zentrale Komponente, der Prozessor, kam dabei aber immer von Fremdherstellern. So steckte im Apple I und Apple II ein MOS Technology-Prozessor. Im Apple Lisa kam dann bereits ein Prozessor von Motorola zum Einsatz, genauso wie im ersten Macintosh. Später schwenkte Apple auf Prozessoren von PowerPC, um ab 2005 dann endgültig auf Intel-Prozessoren zu setzen. Seit 2006 und dem Mac Pro sind alle Macs mit einem Intel-Prozessor ausgestattet.

Apple hat sich durch diese Taktik in letzter Zeit jedoch etwas in die Enge manövriert. Zwar werden die Prozessoren von Intel von Generation zu Generation leistungsstärker, der weltgrößte Chiphersteller ist jedoch in eine Art Stagnation geraten. So hat das Unternehmen den hauseigenen 10nm-Prozess seit Jahren immer wieder verschoben. Ende 2019 sollen die ersten Produkte mit 10nm-Prozessoren auf den Markt kommen. Durch das Verschieben des neuen Fertigungsprozesses produziert Intel also weiter im 14nm-Verfahren. Da das Unternehmen aber auch weiterhin fleißig Aufträge annimmt und auch die eigenen Chipsätze mittlerweile mit 14nm-Strukturbreite produziert, reichen die Fertigungskapazitäten nicht mehr aus. Es ist daher zu einem massiven Fertigungsengpass bei 14nm-Produkten gekommen. Intel steuert dem zwar entgegen, die Verfügbarkeit steigt jedoch nur sehr langsam.

Diese Fertigungsprobleme gehen auch an Apple nicht spurlos vorüber. Ohne wirkliche Innovationen könnte es sogar passieren, dass das wertvollste Unternehmen der Welt auf die Prozessoren von AMD umsteigt. Diese werden ab 2019 bereits mit der 7nm-Strukturbreite als Ryzen 3000 gefertigt. Auf Dauer könnte es aber auch sein, dass sich Apple zumindest bei der MacBook-Sparte komplett von Drittherstellern unabhängig macht und eigene Prozessoren verbaut.

Apple A12X Bionic: starker ARM-Prozessor im iPad


Bei den Prozessoren für die iPhone- und iPad-Modelle setzt Apple schon seit Jahren quasi eigene Prozessoren ein. Diese basieren auf der ARM-Architektur und werden bei TSMC gefertigt. Damit ist Apple zwar bei diesem Punkt nicht unabhängig, die Fertigungsprozesse der Foundry lassen es jedoch zu, hier effektiv und fortschrittlich in 7nm produzieren zu können. So werden die beiden Apple-Prozessoren A12 Bionic und A12X Bionic bereits mit 7nm produziert. Der A12 Bionic kommt dabei im iPhone zum Einsatz, während der A12X Bionic im iPad Pro verbaut ist.

Das iPad Pro war ursprünglich eigentlich als Gegner für das Microsoft Surface gedacht. Jedoch setzt Apple hier auf iOS, um keine Touch-Oberfläche für MacOS entwickeln zu müssen. Zusätzlich kann dadurch auch ein ARM-Prozessor eingesetzt werden, da MacOS derzeit nicht auf ARM lauffähig ist. Trotzdem ist das neue iPad Pro alles andere als langsam und verdient sich in gewisser Weise auch den Namen „Pro“.

Glaubt man dem Geekbench 4-Benchmark, reicht der verwendete A12X Bionic sogar an einen Intel Core i9-8950HK mit sechs Kernen heran. Beachten sollte man allerdings, dass Geekbench sehr schlecht auf x86-Prozessoren skaliert. Im Vergleich zum A10X Fusion ist die Leistung trotzdem gewaltig. Laut Apple ist der Prozessor 35 Prozent schneller, während die GPU sogar 90 Prozent schneller sein soll. Mit acht CPU- und sieben GPU-Kernen sowie insgesamt 10 Milliarden Transistoren kann der A12X Bionic durchaus auch mit Desktop-Prozessoren mithalten – zumindest technisch. Die Taktrate ist jedoch ein anderes Blatt und liegt mit 2.490 MHz deutlich unter vielen Intel-Prozessoren, auch im Mobile-Bereich. Gerade im Einstiegsbereich in die Mac-Welt könnten die hauseigenen Chips jedoch durchaus eine Alternative sein.

Wie realistisch ist ein ARM-MacBook?

Da stellt sich dann doch die Frage: warum sattelt Apple nicht einfach auf die eigenen Prozessoren um? Gerüchte dazu kursieren bereits seit Jahren. Im Mai dieses Jahres kamen zuletzt Leaks auf, dass Apple bereits den Auftragsfertiger Pegatron für ein ARM-MacBook ausgewählt hat. Ab 2020 soll dann der erste Mac mit ARM-Prozessor auf den Markt kommen. Problematisch ist derzeit dabei noch das Betriebssystem MacOS. Dieses basiert noch auf den x86-CPUs von Intel und müsste an die ARM-Architektur angepasst werden. Damit hat Apple jedoch schon beim Umstieg von PowerPC auf Intel im Jahr 2005 bzw. 2006 Erfahrungen gemacht. iOS, welches von Anfang an nur auf ARM-Prozessoren lief, teilt sich bereits wichtige Code-Elemente mit MacOS.

Ein anderes Blatt sind jedoch die Software-Anbieter. Die Anwendungen, die für MacOS verfügbar ist, ist zum größten Teil ebenfalls auf x86 ausgelegt. Zwar gibt es beispielsweise von der Adobe Creative Suite oder Microsoft Office auch Mobil-Anwendungen, diese unterscheiden sich aber in großen Teilen von den vollwertigen Desktop-Versionen. Demnach müssten auch die Sofware-Anbieter ihre Anwendungen auf die ARM-Architektur anpassen. So müsste Apple wohl anfangs einen Übersetzer in MacOS integrieren, wie es beim Umstieg von PowerPC auf Intel bereits mit Rosetta der Fall war.

ARM vorerst wohl nur in kleinen MacBooks

Dass Apple auf Dauer auf die hauseigenen Prozessoren umsteigen könnte, wird mit immer leistungsfähigeren ARM-Prozessoren auch immer wahrscheinlicher. Besonders bei den kleineren MacBooks könnte bereits bald ein Umstieg stattfinden. Das 12 Zoll-MacBook beispielsweise ist auf energiesparende Prozessoren angewiesen, die passiv gekühlt werden könnten. Wahrscheinlich ist daher, dass Apple zuerst bei den kleinen MacBooks auf ARM-Prozessoren umsteigt.

Besonders bei den leistungsstärkeren MacBooks oder auch iMacs und vor allem dem Mac Pro ist ein Umstieg in naher Zukunft hingegen eher unwahrscheinlich. Zwar gibt es bereits ARM-Prozessoren, die auch in Servern eingesetzt werden, die Leistungsfähigkeit von Intel- oder AMD-CPUs erreichen sie jedoch bei weitem noch nicht. Sobald der Startschuss zu MacOS auf ARM-Basis aber gefallen ist, könnte auch Apple selbst mit der Entwicklung von leistungsstarken ARM-CPUs für das Kaliber eines iMac Pro oder Mac Pro beginnen. Die nächsten Jahre wird es also spannend rund um das Mac-Ökosystem.


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