Threadripper 2000: alle Infos und Benchmarks zu 2950X und 2990WX

AMD Ryzen Threadripper 2000 Release 2990WX
(Bild: AMD)

Threadripper 2000 ist seit heute erhältlich und auch das Benchmark-Embargo ist gefallen. AMD wird mit Threadripper Intel erneut ordentlich gefährlich.

AMD verdoppelt – und das ordentlich

Vor gut einem Jahr erblickte die erste Threadripper-Generation von AMD die Welt. Damals schien es fast noch unmöglich, dass so viele Kerne überhaupt in einem Prozessor Platz haben können. Intel diktierte den Preis pro Kern und geriet durch die ganze Zen-Architektur ordentlich unter Druck. Das bescherte uns einen ersten Sechskerner und bald auch erste Achtkerner im Mainstream-Segment. Noch dazu kam Hals über Kopf die Intel Skylake-X-Serie mit bis zu 18 Kernen auf den Markt. Diese ist nach wie vor ordentlich teuer. So bekommt man fürs gleiche Geld aktuell 16 Kerne bei AMD, während es bei Intel nur für 10 Kerne reicht.

Ein Jahr später hat AMD dann das Potenzial von Threadripper vollkommen ausgenutzt. Vier belegte Dies liefern erstmals ganze 32 Kerne in einem Desktop-Prozessor. Neben dem Threadripper 2990WX bringt der Hersteller auch noch einen 24 Kerne-Prozessor namens Threadripper 2970WX und aktualisiert die beiden kleineren, bereits erhältlichen Modelle als Threadripper 2950X mit 16 und 2920X mit 12 Kernen. Durch den 12nm-Prozess ist vor allem die Leistung gestiegen, während der Preis im Vergleich zum Vorjahr sogar noch gesunken ist. AMD bläst damit zum Großangriff auf Intel und nutzt das volle Potenzial seiner Multi Die-Architektur aus, welche deutlich günstiger als die aktuelle Intel-Architektur ist.

Mit einem Preis von 1.829 Euro sind diese 32 Kerne des Threadripper 2990WX sogar günstiger als 18 Intel-Kerne in Form des Core i9-7980XE. 32 Kerne bietet der Konkurrent in dieser Form noch überhaupt nicht an. Aktuell gibt es maximal 28 Kerne in Form eines Xeon Platinum 8180, welcher jedoch über 8.700 US-Dollar kostet. Zwar hat Intel bereits auch ein Desktop-Pendant dazu vorgestellt, der Prozessor ist jedoch noch in weiter Ferne. Der Praxistest des riesigen 32 Kerne-Monsters zeigt jedoch, dass diese noch nicht unbedingt für jedermann marktreif sind. Der Threadripper 2950X mit 16 Kernen jedoch schon.

WX für Workstation, X für Gaming und High Performance

AMD führt mit der neuen Generation vor allem auch eine neue Nomenklatur zu Threadripper ein. Das WX in den beiden großen Modellen steht dabei tatsächlich für Workstation, wie bereits die eigenen WX-Grafikkarten. Im Vorfeld wurde noch gemutmaßt, es sei ein Seitenhieb auf Intel wie „Wrecker of Xeon“. Dabei will AMD auch wirklich konkret Workstationkunden ansprechen. Mit 32 Kernen und 64 Threads des 2990WX und 24 Kernen und 48 Threads des 2970WX dürften das auch die wenigen sein, die den Prozessor vernünftig auslasten können. Die kleineren Prozessoren mit 16 und 12 Kernen tragen weiterhin die Nomenklatur des letzten Jahres. Das X steht dabei für Gaming und High Performance. AMD zielt mit diesen Prozessoren auf Kunden, die die immer bessere Multicore-Leistung in Spielen und generell viele Kerne auslasten möchten.

ProzessorKerne/ThreadsBasis-/BoosttaktL3-CacheArbeitsspeicherTDPStartpreis
Threadripper 2990WX32/643,0 GHz/4,2 GHz64 MBDDR4-2933250 Watt1.799 US-Dollar
Threadripper 2970WX24/483,0 GHz/4,2 GHz64 MBDDR4-2933250 Watt1.299 US-Dollar
Threadripper 2950X16/323,5 GHz/4,4 GHz32 MBDDR4-2933180 Watt899 US-Dollar
Threadripper 2920X12/243,5 GHz/4,3 GHz32 MBDDR4-2933180 Watt649 US-Dollar
Threadripper 1950X16/323,4 GHz/4,0 GHz32 MBDDR4-2666180 Watt999 US-Dollar
Threadripper 1920X12/243,5 GHz/4,0 GHz32 MBDDR4-2666180 Watt799 US-Dollar
Threadripper 1900X8/163,8 GHz/4,0 GHz16 MBDDR4-2666180 Watt549 US-Dollar

Beide Serien haben technisch den Pinnacle Ridge-Unterbau bzw. Zen+ in der 12nm-Fertigung gemein. Dieser wird auch bereits bei Ryzen 2000 eingesetzt und beschert Threadripper 2000 deutlich geringere Latenzen und schnelleren Cache. AMD sortiert auch dieses Jahr die besten fünf Prozent der Zen+-Dies beim Binning aus und verwendet diese für Threadripper. Durch diese Maßnahme und durch die effizientere Struktur ist auch ein gutes Taktplus möglich und Threadripper darf höher Takten als Ryzen. So kommen die beiden X-Prozessoren 2950X und 2920X auf 400 bzw. 300 MHz mehr möglichen Turbotakt. Der 2990WX und der 2970WX kommen auf ganze 4,2 GHz möglichen Turbo. Eine konkrete Zahl zum Turbotakt auf beispielsweise vier Kernen gibt es nicht mehr, da diese laut AMD von vielen Faktoren abhängig ist und durch XFR, XFR2 und Precision Boost ständig anders ausfalle. Daher gibt es nur mehr eine feste Zahl des maximal möglichen Turbos.

Schnellerer Arbeitsspeicher, schnellerer Cache

Die Zen+-Architektur profitiert genau wie ihr Vorgänger Zen massiv von schnellem Speicher. Daher setzt AMD auch bei Threadripper 2000 auf den höheren DDR4-2933-Standard. Dieser wird offiziell von den Prozessoren unterstützt. Mit XMP sind wohl noch höhere Taktraten möglich. Einziger Wermutstropfen: trotz vierer Dies gibt es keine acht Speicherkanäle, wie es bei Epyc der Fall ist. So bleibt auch bei der neuen Generation ein Quad Channel-Interface der Standard. Generell kommt uns der Speicherstandard jedoch wie eine Mogelpackung vor. Ohne XMP unterstützt Threadripper 2000 nur vier Module im Single Rank auf DDR4-2933, während acht Module nur noch offiziell DDR4-1866 unterstützen. Dies dürfte sich durch XMP jedoch problemlos ändern lassen.

Dafür sinkt jedoch genau wie bei Ryzen 2000 die Latenz des Speichers und des Caches. So soll die Latenzzeit im L1-Cache um 8 Prozent gesunken sein, während die Latenzzeit im L2-Cache um 9 Prozent sinkt. Den größten Sprung macht der L3-Cache mit 15 Prozent gesenkter Latenzzeit, den geringsten Sprung die Latenzzeit des Arbeitsspeichers mit zwei Prozent. Damit sinkt die Latenzzeit bei weitem nicht so stark wie bei Ryzen 2000 (-13 Prozent L3, -34 Prozent L2, -16 Prozent L3, -11 Prozent RAM), jedoch trotzdem deutlich. Cache ist dafür bei Threadripper 2000 massig vorhanden. So bekommen der 2990WX und der 2970WX ganze 64 Megabyte L3- und 16 Megabyte L2-Cache. Bei den kleineren X-Modellen sind es wie im Vorjahr 32 Megabyte L3- und 8 Megabyte L2-Cache.

X399-Mainboards bleiben voll kompatibel

Technisch setzt AMD dieses Jahr erfreulicherweise auf keinen neuen Chipsatz. So bleibt der X399-Chipsatz weiterhin das Nonplusultra, auch für Threadripper 2000. Laut AMD sollen alle bereits verfügbaren X399-Mainboards mit dem 32 Kerne-Prozessor kompatibel sein, ein BIOS-Update vorausgesetzt. Das hält die Mainboardhersteller jedoch nicht davon ab, auch neue Mainboards auf den Markt zu bringen. Fürs Übertakten der stromhungrigen WX-Prozessoren braucht es nämlich gute und vor allem viele Phasen. MSI hat deshalb das MSI MEG X399 Creation vorgestellt. Von Gigabyte gibt es das Gigabyte X399 Aorus Xtreme. Asus hingegen liefert dieses Jahr kein neues Mainboard. Das Asus ROG Zenith Extreme bekommt dafür einen zusätzlichen Kühler und einen kleinen Lüfter für einen Kühlblock.

Die Benchmarks: 32 Kerne sind problematisch

Kommen wir nun zu den fast wichtigsten Punkten, und zwar den Benchmarks der neuen Threadripper 2000-Generation. Aufgrund uns fehlender Testsysteme greifen wir hier auf die sehr ausführlichen Benchmarks der Kollegen von Computerbase.de zurück und geben diese zusammengefasst wieder. Computerbase ist in den Tests auch sehr detailliert darauf eingegangen, welche Probleme die 32 Kerne des 2990WX noch machen. Daran sei unter anderem auch der Microsoft-Scheduler schuld, welcher mit mehr als 32 Threads nur schwer umgehen kann. Man arbeite gemeinsam mit Microsoft bereits an einer Lösung. Auch einige Programme können schwer die 64 Threads der Monster-CPU ausnutzen. Doch auch das Speicherinterface macht beim 32-Kerner Probleme.

Speicherlatenzen: vier Kanäle für 32 Kerne machen Probleme

Ganz am Anfang zeigt sich bereits, dass der größere Threadripper 2990WX vor allem in den Latenzzeiten dem kleineren Threadripper 2950X deutlich unterliegt. Das liegt an dem Kuriosum, dass AMD die vier Dies nicht mit den eigentlich vorgesehenen acht Speicherkanälen ausstattet. Der TR4-Sockel ist auf diese nicht ausgelegt, weshalb vier der Speicherkanäle nicht direkt, sondern über den Interposer Infinity Fabric über die beiden anderen, nach außen hin verbundenen Dies hinausgeführt werden. Der 2950X besitzt nur zwei belegte Dies und hat dieses Problem nicht, welches sich auch im AIDA64-Benchmark zeigt. Dort sind die Latenzen des 2990WX deutlich höher. AMD hat sich somit quasi einen eigenen Flaschenhals gebaut.

Der 2990WX gegen den 2950X im AIDA64-Test. (Bild: Computerbase.de)

Das Quad-Channel-Interface ist generell in vielen Situationen ein Flaschenhals. So hat Computerbase.de in einigen Benchmarks herausgefunden, dass es beim 2990WX keinen Unterschied macht, ob der Speicher auf Dual- oder Quad-Channel läuft. Der kleinere 2950X hingegen profitiert enorm vom Quad-Channel. Mit ihm können auch die meisten Programme umgehen, was wohl auch der Optimierung geschuldet sein dürfte, da der Vorgänger 1950X ja grundsätzlich bereits die gleichen Spezifikationen hatte. Problematisch dürfte auch die hohe Datenrate bei manchen Programmen sein. So ist die Bandbreite des Interposers bzw. des Speichers oftmals zu gering, um alle 32 Kerne mit Daten zu versorgen. Vor allem in Rendering-Programmen soll der 32-Kerner jedoch ungemein gut sein. Die meisten Workstations sind in der Tat auch auf Rendering ausgelegt.

Threadripper 2000: bestens in Anwendungen…

Das zeigt sich vor allem in den von Computerbase.de durchgeführten Anwendungsbenchmarks. Darunter befinden sich auch einige Rendering-Programme, welche besonders gut von den 32 Kernen profitieren können. So skalieren die Programme von Adobe oder Cinebench beispielsweise besonders gut über die hohe Anzahl an Threads. Trotzdem liegt der 32-Kerner 2990WX trotzdem in manchen Fällen unter dem 16-Kerner 2950X. Da der Trend jedoch grundsätzlich in Richtung mehr Kerne geht, könnte sich jedoch noch einiges an der Optimierung tun. So unterliegt der Prozessor beispielsweise in einem Blender-Projekt deutlich vor dem kleineren Bruder, in einem anderen massiv dahinter. Während der 2950X eine gute Stunde zum Rendern benötigt, braucht der 2990WX eine Stunde und 20 Minuten. Auch in zwei Handbrake-Projekten kann das Programm die vollen 64 Threads einfach nicht auslasten und liegt daher unter dem 2950X.

Dieses Bild zieht sich jedoch bei weitem nicht über alle Tests, die Computerbase.de durchgeführt hat. So liegt der 32-Kerner im besten Fall ganze 61 Prozent über dem 2950X, im schlechtesten sogar ganze 50 Prozent unter ihm. Am meisten profitieren wie erwähnt Rendering-Programme. So schafft der 2990WX im Cinebench R15-Benchmark ganze 4.986 Punkte, während der 2950X 3.103 Punkte erreicht und damit nur knapp 100 Punkte über dem Vorgänger 1950X liegt. Im Single-Core-Benchmark liegt der 2950X mit 180 Punkten fünf Punkte über dem 2990WX bei 175 Punkten. Die Intel-Prozessoren ziehen hier natürlich deutlich davon, der 8086K erreicht hier 217 Punkte.

Im Blender hingegen ist der Unterschied nicht mehr ganz so groß. So kommt der 2990WX nur auf ein 14 Prozent besseres Ergebnis als der 2950X. Die Optimierung könnte hier in Zukunft noch bessere Ergebnisse liefern. Im DigiCortex-Benchmark liegt der 2990WX bereits 12 Prozent abgeschlagen hinter dem Spitzenreiter 2950X. In Handbrake sind es 14 Prozent, die auf den 2950X fehlen. Im Renderlastigen POV-ray erreicht der 2990WX hingegen 9.709 Punkte und ist somit 56 Prozent schneller als der zweitplatzierte 2950X. Weit abgeschlagen ist der 2990WX hingegen beim Verschlüsselungsprogramm VeraCrypt. 48 Prozent ist der 2950X als führender Prozessor hier schneller. Der 2990WX liegt dabei sogar hinter dem i7-8700K und dem Ryzen 5 2600X. Der Speicherflaschenhals macht sich hier ordentlich bemerkbar. Im x265 HD-Benchmark holt der 2990WX wieder auf und liegt nur mehr 30 Prozent hinter dem 2950X. In 7-Zip ist der Prozessor dann wieder fünf Prozent schneller als der 2950X, welcher 40 Prozent im Vergleich zum Vorgänger 1950X gutmacht. Die genaue Benchmark-Auswertung findet sich im Diagramm auf Computerbase.de.

… eher mäßig in Spielen

In Spielen hingegen können beide Threadripper-Prozessoren schlicht nicht mit ihren kleineren Ryzen-Brüdern oder der dominierenden Intel-Konkurrenz mithalten. Trotz des Game Modes, bei welchem die Prozessoren nur auf acht Kernen und 16 Threads laufen, kommen der 2950X und der 2990WX in keinem der Benchmarks gegen die Konkurrenz an. Der 2990WX braucht den Game Mode sogar zwingend, um keine Abstürze oder extrem niedrige FPS hervorzurufen.

Der 2950X im Game Mode ist noch der bessere Prozessor zum Spielen. So ist er in Total War: Warhammer sogar besser als der Ryzen 7 2700X, jedoch hinter der Intel-Konkurrenz. In Far Cry 5 ist der 2700X wieder etwas besser, genauso wie in Kingdome Come: Deliverance. Bei Project Cars 2 liegt der 2950X im Game Mode sogar hinter dem 2990WX im Custom-Mode mit 16 Kernen bzw. im Game Mode mit acht Kernen. In Star Wars: Battlefront 2 schlägt der 2950X im Game Mode sogar den 8700K, unterliegt jedoch seltsamerweise dem i3-8100 und einigen anderen Intel-Prozessoren.

Der 2990WX ist grundsätzlich einfach nicht wirklich für Spiele geschaffen. Er ist mit vollen 32 Kernen und 64 Threads bei einigen Spielen das Schlusslicht oder auf dem Niveau der Pentium-Prozessoren. In Far Cry 5 will der Prozessor überhaupt nicht, das Spiel stürzt ab. Im Game Mode mit acht Kernen sind die Ergebnisse da hingegen schon besser. Im Schnitt liegt er hier auf dem Niveau des Ryzen 5 2600. Alle Benchmarks in der Übersicht finden sich bei Computerbase.de.

Hoher Stromverbrauch im Turbo

Dass der Stromverbrauch bei so vielen Kernen und einem recht hohen Takt natürlich auch nicht gerade gering ist, zeigt der Test zur Stromaufnahme. Im Leerlauf verbraucht der 2950X gute 62 Watt, während der 2990WX bereits auf 76 Watt kommt. Bei leichter Belastung mit einem Kern in Cinebench kommen die Prozessoren schön langsam auf Touren. So verbraucht der 2950X nun 101 Watt, während der 2990WX die Liste mit 128 Watt anführt. Beim Cinebench-Test mit allen Kernen kommen 250 Watt Stromverbrauch beim 2950X und ganze 391 Watt beim 2990WX zusammen. Die simulierte Maximallast mit Prime95 im AVX2-Test bringen 319 Watt Verbrauch beim 2950X und monströse 457 Watt beim 2990WX. Die Spannungswandler haben hier ordentlich zu arbeiten. Zum hohen Stromverbrauch tragen vor allem die Boost-Techniken bei, die die Prozessoren grundsätzlich sehr hoch takten.

68 Grad maximal ohne Turbo-Verlust

Um die Temperaturen der Prozessoren möglichst gering zu halten, baut AMD auch bei Threadripper 2000 ein Temperatur-Offset von 27°C ein. Damit gaukelt der Prozessor der Lüftersteuerung eine um 27°C höhere Temperatur vor, um die Prozessoren deutlich stärker zu kühlen. Dadurch ermöglicht AMD deutlich höhere Turbo-Taktraten, weil die Kühlung bereits bei real niedrigeren Temperaturen deutlich stärker arbeitet. Dadurch darf die Temperatur der Prozessoren maximal auf 68°C steigen, ab dann bremst der Prozessor ein und sinkt wieder in der Temperatur.

Hohe VRM-Temperaturen problematisch

Der gestiegene Stromverbrauch heizt auch die VRM-Temperaturen deutlich an. Deshalb gibt es von Asus Nachrüstkits mit zusätzlichen Kühlkörpern für die VRM-Phasen. Mit dem 2950X kommt das von Computerbase.de verwendete Asus ROG X399 Zenith Extreme problemlos zurecht. Unter Prime95-Dauerlast kommen die Kühlkörper auf 63°C und 78°C direkt auf den VRMs. Die Temperaturen sind dabei völlig unproblematisch. Unterhalb der I/O-Blende gibt es von Asus einen 40mm-Lüfter, welcher zusätzlich für Kühlung sorgt. Dieser lief im genannten Lastszenario ebenfalls.

Anders sieht es jedoch schon beim 2990WX aus. Der Kühlkörper kommt auf heiße 87°C, während die VRMs unterhalb des Sockels auf ganze 105°C kommen. Das ist grundsätzlich noch nicht problematisch, mit Übertaktung könnte das ganze jedoch zu einem Problem werden. Ein Full Cover-Wasserblock könnte hier gut Abhilfe schaffen.

Übertakten integriert mit Precision Boost Overdrive und manuell möglich

Das Übertakten der Threadripper-Prozessoren kann auf gleich zwei Arten erfolgen. Einerseits bietet Threadripper 2000 seit dieser Generation auch endlich Precision Boost Overdrive. Damit kann im Ryzen Master-Tool noch an einigen Stellschrauben des Prozessors gedreht werden. AMD betont jedoch, dass mit der Übertaktung ein Garantieverlust einhergeht, sofern Parameter an der Spannungs- und Stromzufuhr geändert werden. Dort setzt Precision Boost Overdrive jedoch an und ändert aktiv das Power-Target, welches die Threadripper-Prozessoren wohl am meisten bremst. Dadurch lassen sich vor allem innerhalb der festgesetzten Turbo-Grenzen die Boosts mehrerer Kerne deutlich steigern, was dem Gesamtergebnis zugute kommt. So sind mit Precision Boost Overdrive gut 150 bis 250 MHz mehr Takt möglich. Durch das Temperaturlimit von 68°C ist eine gute Kühlung jedoch unbedingt notwendig.

Auch klassisch manuell lässt sich über das Ryzen Master-Tool problemlos übertakten. Dabei überraschen die Prozessoren durchaus. So sind mit dem 2950X ganze 4,25 GHz auf allen Kernen bei 1,375 Volt Spannung und 80 Grad Temperatur bei Kühlung mit der Enermax-AiO möglich. Die Leistungsaufnahme schnellte so auf 400 Watt hoch. Auch der 2990WX lässt sich überraschend gut übertakten. So erreicht Computerbase.de ganze 3,9 GHz auf allen 32 Kernen. Der Stromverbrauch steigt dabei jedoch bereits auf über 750 Watt nur für die CPU. Ein großes Netzteil ist dadurch Pflicht.

AMD bringt etwas, das noch wenige nutzen können

Alles in allem lässt sich sagen, dass AMD die Überraschung mit Threadripper 2000 durchaus gelungen ist. Die Benchmarks und Tests zeigen jedoch deutlich, dass der Desktop-Sektor einfach noch nicht auf die 32 Kerne des Threadripper 2990WX ausgelegt ist. Der Threadripper 2950X macht hingegen eine äußerst gute Figur und führt die Erfolge der Vorgänger fort. 32 Kerne machen in manchen Anwendungsszenarien durchaus Sinn, die meisten User dürften jedoch mit 16 Kernen aktuell deutlich besser bedient sein. In Zukunft könnte durch die Nachbesserung von Software der 32-Kerner jedoch noch deutlich besser werden.

Generell ist Threadripper 2000 jedoch auch eine Kampfansage an Intel. Der Hersteller muss jetzt gezwungenermaßen nachziehen. Das wird dem AMD-Konkurrenten jedoch vor allem preislich nicht wirklich leicht gelingen. Mit 1.829 Euro für den 32-Kerner ist AMD hier ungeschlagen an der Preis-Leistungsspitze. Der Konkurrenzkampf ist hiemit ein weiteres Mal deutlich angeheizt worden.

Über Florian Maislinger 856 Artikel
Florian Maislinger ist Autor und Gründer von PC Builder's Club. Als gelernter IT-Engineer ist er bestens mit Computern und Hardware vertraut und seit Kindesbeinen an ein Technikliebhaber wie er im Buche steht. Er ist hauptsächlich für die News und unsere Social Media-Kanäle verantwortlich.

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