Deshalb ist Intel im Gaming schneller als AMD

(Bild: wccftech)

Der ewige Kampf Intel vs. AMD hat mit Ryzen und Coffee Lake einen neuen Höhepunkt erreicht. Der Underdog AMD hat sich am Markt zurückgekämpft. Intel ist beim Gaming trotzdem ungeschlagen vorne. Das liegt an der Struktur der Spiele und an einigen Eigenheiten der Intel-CPUs. In Zukunft könnte sich das aber wieder ändern.

Vier Kerne für die Masse

Der CPU-Markt ist derzeit an einen interessanten Punkt gelangt. Während Multicore-Prozessoren jenseits von acht Kernen bei produktiven Anwendungen und in der Serveranwendung nicht mehr wegzudenken sind, gibt es beim Consumer-Markt und bei Spielen nur wenig Bewegung. Intel bringt seit über einem Jahrzehnt mit der Core i-Serie Prozessoren mit vier Kernen und acht Threads heraus. Erst bei der Coffe Lake-Generation hat sich das geändert. Die wirklichen Änderungen der Prozessoren fand im Detail statt. Mehr Takt, mehr Cache, besseres Zusammenspiel der einzelnen Prozessorteile.

Ein Grund, warum sich das jetzt ändert, ist mit Sicherheit AMD. Der Intel-Konkurrent hat mit seiner Ryzen-Plattform erstmals wieder eine wirkliche Alternative zu den Core i-Prozessoren auf den Markt gebracht. Die Anzahl der Kerne und Threads war dabei das Hauptverkaufsargument. AMD lernt dabei aus den Fehlern der Vergangenheit und rüstet gleichzeitig für die Zukunft. Ein weiterer Grund, warum jetzt auch bei Intel auf einmal mehr Kerne im Mainstream kommen, ist eine derzeitige Sackgasse, in welche die Prozessorentwicklung gerät.

Das Problem ist vielschichtig


Derzeit ist es nämlich so, dass die Prozessorentwicklung nicht mehr wirklich weiterkommt. Wirklich viel mehr Takt lässt sich bei den derzeitigen Fertigungsmethoden nicht herausholen, ohne die Produktionskosten massiv zu steigern. Der einzige und auch logische Weg ist daher, die Prozessoren nicht mit mehr Takt, sondern mit mehr Kernen auszustatten. Das funktioniert auf Anwendungsbasis bereits ausgezeichnet. Mehr Kerne bringen in parallelisiert ausführbaren Prozessen einen deutlichen Mehrwert.

Warum funktioniert das jetzt allerdings nicht mit Spielen? Der Hund ist hier im Detail begraben. Im Gegensatz zur CPU-Entwicklung hat die Entwicklung der GPUs schon längst auf Parallelisierung umgestellt. Mehr Kerne bedeuten hier deutlich mehr Leistung. Darauf setzen auch die Spieleentwickler und legen ihre Spiele deutlich GPU-lastiger aus. Es ist daher bei den meisten Spielen wahrscheinlicher, dass die Grafikkarte voll ausgelastet wird, bevor die CPU an ihre Grenzen kommt. Die Spieleentwickler haben sich schlicht damit abgefunden, dass mehr als vier Kerne im Mainstream auf lange Sicht nicht kommen werden und setzen daher auf die Grafikkartenentwicklung.

Dadurch entsteht jedoch auch das oben genannte Problem. Die Spiele hängen sehr wohl auch vom Prozessor ab. Dieser füttert immerhin die Grafikkarte mit den zu verarbeitenden Daten. Die Hauptverursacher eines Bottlenecks sind dabei Prozesse, die sich nur sehr schwer parallelisieren lassen. Beim Spiele-Rendering beispielsweise müssen viele Schritte in einer gewissen Reihenfolge hintereinander abgearbeitet werden. Der Prozess lässt sich daher nicht parallelisieren. Hier kommt jetzt auch der größte Vorteil von Intel. Während AMD auf mehr Kerne statt Takt gesetzt hat, hat Intel über die Jahre hinweg auf immer mehr Takt gesetzt. Der Intel Core i7-8700K beispielsweise lässt sich in vielen Fällen auf 5 GHz übertakten, während AMDs Ryzen 7 1800X bei 4 GHz an seine Grenzen stößt. Auch der kleinere Ryzen 5 1600X kommt selten über 4,2 GHz beim Übertakten.

Die wenigsten Spiele skalieren daher gut auf Multicore-Prozessoren jenseits der sechs Kerne. Das ist unter anderem auch ein Grund, warum Intel mit Coffee Lake „nur“ einen Sechskerner herausgebracht hat. Bis zu sechs Kernen funktioniert die Skalierung derzeit verhältnismäßig gut, acht oder mehr Kerne bringen jedoch keinen Vorteil mehr.

Die Zukunft besteht aus mehr Kernen

Trotz des hohen Taktbedarfs von Spielen wird die Zukunft aus mehr Kernen bestehen. Das liegt vor allem daran, dass sich jetzt einfach nicht auf noch mehr Takt hin optimieren lässt. Der einzige Weg für mehr Prozessorleistung besteht derzeit darin, mehr physische Kerne zu verbauen. Damit können und werden in Zukunft auch die Spieleentwickler arbeiten. Sowas lässt sich bereits in Spielen wie Ashes Of The Singularity sehen. Auch in Sandbox-Spielen wie Total War werden mehr Kerne bald ein Vorteil sein, da sich die vielen Einheiten auf dem Spielfeld deutlich besser parallelisiert berechnen lassen.

AMD hat deshalb auf dem Mainstreammarkt bereits jetzt auf mehr Kerne und somit das vermeintlich richtige Pferd gesetzt. Die Vor- und Nachteile davon sind nicht von der Hand zu weisen. Derzeit ist Intel noch ungeschlagen in praktisch allen Spielen. Das könnte sich in Zukunft ändern. Da auch Intel bald auf mehr Kerne im Mainstreammarkt setzt, wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben – was vor allem gut für den Konsumenten ist. Es bleibt zu hoffen, dass bereits bald auch die Entwickler die Wichtigkeit erkennen, auf mehr Kerne zu setzen.

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