Coffee Lake: Intels Antwort auf Ryzen ist nun öffentlich

Die offizielle Verpackung des 8700K. (Bild: Intel/via Videocardz)

Lange hat die Gerüchteküche gebrodelt, nun hat Intel sie endgültig veröffentlicht. Mit Coffee Lake entert der Chiphersteller erstmals mit Sechskernern im Mainstream den Markt.

AMD macht Druck, Intel antwortet

Schon vor über einem Jahr gab es erste Gerüchte zu einem Sechskerner von Intel, der nicht nur der teuren HEDT-Plattform vorbehalten bleiben soll. Dann kam plötzlich AMD und änderte auf einen Schlag alles. Ryzen war scheinbar der Weckruf, den Intel gebraucht hat, um die Sechskerner auf der Mainstreamplattform Realität werden zu lassen. Anfang des Jahres kam jedoch noch planmäßig Kaby Lake auf der 1151-Plattform heraus. Gegen die acht Kerne und 16 Threads der Ryzen 7-Prozessoren von AMD wirkten die Kaby Lake-Prozessoren etwas schwachbrüstig. Großer Vorteil von Intel ist aber nach wie vor der hohe Takt, den die Prozessoren erreichen. Dieser hohe Takt rentiert sich vor allem in Spielen, da die meisten Entwickler weniger auf Mulitthreading und mehr auf Takt setzen. Und das kommt auch bei Coffee Lake wieder zutage.

Singlecore-Takt im Turbo auf 4,7 GHz, alle Kerne gleichzeitig auf 4,3 GHz


Was viele bei den Ryzen-Prozessoren bemängelt haben, ist der vergleichsweise niedrige Takt. So taktet der Ryzen 7 1700 standardmäßig nur auf 3,0 GHz, im Turbo auf bis zu 3,7 GHz. Auch die Sechskerner von AMD, allen voran der Ryzen 5 1600X, takten niedriger als Intels neues Topmodell Core i7-8700K. Der Prozessor hat mit 3,7 GHz Basistakt und (inoffiziellen) 4,3 GHz Turbotakt auf allen Kernen in diesem Bereich die Nase deutlich vorne. Der Turbotakt eines einzelnen Kerns liegt sogar bei sagenhaften 4,7 GHz. Damit gerät der 1600X mit 3,6 GHz Standardtakt und 4,0 GHz Boosttakt unbearbeitet doch etwas ins Hintertreffen.

Änderung der ganzen Hierarchie

Mit der Einführung von Sechskernern hat Intel auch eine Änderung seiner ganzen Hierarchie bekanntgegeben. Die Core i7-Modelle haben jetzt jeweils sechs Kerne und aktiviertes Hyperthreading, also zwölf Threads. Auf Hyperthreading müssen die Core i5-Prozessoren verzichten, trotzdem gibt es auch hier sechs Kerne. Die Core i3-Prozessoren erhalten ab jetzt vier Kerne, jedoch überhaupt kein Hyperthreading. Die Übertaktbarkeit hat sich hingegen nicht geändert. Es sind weiterhin nur die Prozessoren mit K-Suffix, also Core i7-8700K, Core i5-8600K und Core i3-8350K auf einem Z370-Mainboard übertaktbar. Intel reagiert in dieser Hinsicht also nicht auf AMDs Übertaktbarkeit aller Prozessoren auf B- und X-Plattform.

NameKerneThreadsBasistaktTurbotakt SinglecoreTurbotakt Multicore (inoffiziell)TDPUVP
i7-8700K6123,7 GHz4,7 GHz4,3 GHz95 Watt359 USD
i7-87006123,2 GHz4,6 GHz4,3 GHz65 Watt303 USD
i5-8600K663,6 GHz4,3 GHz4,1 GHz95 Watt257 USD
i5-8400662,8 GHz4,0 GHz3,8 GHz65 Watt182 USD
i3-8350K444,0 GHz--91 Watt168 USD
i3-8100443,6 GHz--65 Watt117 USD

300er-Chipsatz die Voraussetzung

Ein weiterer Leak, über den im Vorfeld viel diskutiert wurde, hat sich leider als wahr herausgestellt. Intel setzt bei Coffee Lake nicht auf breite Kompatibilität, sondern springt quasi eine Generation weiter. So laufen die neuen Prozessoren nur auf Mainboards mit 300er-Chipsatz. Der Sockel der Prozessoren bleibt zwar 1151, Intel hat allerdings die Pinbelegung geändert. Dadurch funktionieren alte Prozessoren in einem neueren Mainboard nicht, genauso wie die neuen Prozessoren nicht in einem alten Mainboard funktionieren. Wer also auf Coffee Lake setzen will, muss zwangsweise ein neues Mainboard kaufen. Die bereits veröffentlichten Z370-Chipsätze, die direkt zum Launch verfügbar sind, sind defacto identisch mit den Z270-Chipsätzen. Erst Anfang 2018 soll ein dedizierter Z390-Chipsatz mit besseren Features kommen.

Mehr Cache, mehr TDP, schnellerer Speicher

Auch in Hinblick auf den Cache hat sich etwas bei den neuen Prozessoren getan. Die i7-Reihe hat nun integrierte 12 MB L3-Cache. Die i5s erhalten jeweils 9 MB, der i3-8350K 8 MB und der kleinste i3-8100 nur 6 MB. Im Vergleich zu Kaby Lake mit 8 MB (i7), 6 MB (i5) und 4 MB (i3-7350K) bzw. 3 MB (i3-7100) ist das eine deutliche Steigerung. AMD legt allerdings noch ein Schippchen drauf und bietet die Ryzen 7-Prozessoren mit 16 MB, Ryzen 5 mit ebenfalls 16 MB bzw. 8 MB für das 1400er-Modell und 8 MB für die Ryzen 3-Prozessoren an.

Auch die TDP ist für Coffee Lake leicht gestiegen. Die K-Prozessoren sind jetzt auf je 95 Watt bzw. 91 Watt beim 8350K und 65 Watt für alle derzeit verfügbaren Non-K-Modelle definiert. Die Lastspitzen sind jedoch laut PCGH deutlich darüber, sofern höher taktender Speicher verwendet wird. Intel unterstützt nun auch bei Core i7 und i5 schnelleren 2666 MHz-Arbeitsspeicher. Lediglich die Core i3-Reihe ist weiterhin auf 2400 MHz spezifiziert.

Preise und Verfügbarkeit

Eine weitere Änderung gibt es bei den Preisen. Wie schon länger geleakt sollen mit dem Upgrade auf Sechskerner auch die Preise steigen. Die UVP von 359 US-Dollar für den 8700K ist im Vergleich zum 7700K jedoch nur um 20 US-Dollar gestiegen. Diese Preise verstehen sich jedoch ohne Abgaben, die in den Staaten immer unterschiedlich ausfallen. In Deutschland ist der Core i7-8700K beispielsweise für 409€ bei Caseking oder sogar 384€ bei Alternate erhältlich. Caseking bietet auch eine Tray-Version für 399,90€ an. Für den Core i5-8600K verlangt Caseking 279,90€ für die Boxed- und 269,90€ für die Tray-Version.  Der einzige aktuell lagernde Prozessor ist jedoch der 8350K, für den 199,90€ verlangt werden. Caseking bietet insgesamt 36 Versionen (Klick für Übersicht) der Coffee Lake-Prozessoren an.

Die Verfügbarkeit ist derzeit jedoch etwas fraglich. Auch bei anderen Hädlern ist besonders das Topmodell nur vorbestellbar. Das deutet derzeit auf eine eher schlechtere Verfügbarkeit der Prozessoren hin, was dem hastigen Antworten auf Ryzen geschuldet sein dürfte. Es bleibt abzuwarten, ob sich das noch ändert.

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