AMD Ryzen 7000 oder doch der Ryzen 7 5800X3D fürs Gaming?

Ryzen 7000 oder 5800X3D fürs Gaming
(Bild: Mockup PCBC/FB)

AMD Ryzen 7000 ist da, doch im Gaming gibt es einen anderen Champion – den Ryzen 7 5800X3D. Welche CPU man fürs Gaming wählen sollte.

AMD Ryzen 7000 ist da – und doch nicht am besten fürs Gaming

Mit gleich mehreren großen Überraschungen hat AMD bei der offiziellen Vorstellung von Ryzen 7000 aufgewartet. Bei der ersten Vorschau zur Computex 2022 hat der CPU-Hersteller offenbar massiv untertrieben. Sowohl die Spezifikationen als auch die Leistung der neuen Ryzen 7000-Prozessoren mit dem Codenamen Raphael fallen deutlich höher aus als zuvor angenommen. Der IPC-Gewinn liegt im Schnitt bei 13 Prozent, der Takt steigt auf bis zu 5,7 GHz im Turbo beim Ryzen 9 7950X. An der Anzahl der Kerne hat sich nichts geändert, die verschiedenen Modelle kommen wie gehabt mit 6, 8, 12 oder 16 Kernen. Neu ist hingegen die Plattform: AMD setzt mit AM5 wieder auf einen LGA-Sockel. Ganz im Zeichen der 5 stehen auch alle anderen Technologien. Zum Einsatz kommen N5 von TSMC als Fertigungs-Node, DDR5 beim Arbeitsspeicher und PCIe 5.0 als Verbindung zu Grafikkarten und Speicher.

Ryzen 7000 Gaming Single Thread Performance vs. Intel Core i9-12900K
Der Single Thread-Performancezuwachs von Ryzen 7000 laut AMD. (Bild: AMD)

All das sorgt dafür, dass selbst der kleinste Ryzen 5 7600X pfeilschnell ist. AMD gab bei ausgewählten Spielen einen Vorsprung von bis zu 17% gegenüber einem Intel Core i9-12900K an, im Schnitt sollen es 5% sein. Eine klare Ansage. Auch erste Tests attestieren eine hohe Gaming-Leistung, die auch an einen Core i9-12900K heranreicht, ihn meistens jedoch nicht überholt. Beim Launch hat AMD eine CPU aber bewusst nicht in den Gaming-Vergleich aufgenommen: den Ryzen 7 5800X3D.

Darum ist der AMD Ryzen 7 5800X3D schneller als Ryzen 7000

Unabhängige Tests machen schnell klar warum: der Ryzen 7 5800X3D hängt jedes andere Ryzen-Modell in einem Großteil der Spiele ab, und das zum Teil mit über 11 Prozent Vorsprung. Im Schnitt ist der Prozessor aus der Vorgeneration so 3 Prozent schneller als der Ryzen 7 7700X und der Ryzen 9 7950X. Allerdings ist der Zugewinn immer vom Spiel abhängig. Titel wie Age of Empires IV oder Death Stranding entscheidet Ryzen 7000 mit bis zu 17 Prozent Vorsprung für sich.

Dennoch scheint sich abzuzeichnen: fürs Gaming zahlt sich vor allem ein großer Cache aus. Mit diesem Ansatz hat AMD Mitte April 2022 den Ryzen 7 5800X3D auf den Markt gebracht. Sein Hauptmerkmal: ein deutlich größerer Cache. Zum bereits 32 Megabyte großen L3-Cache kommt noch ein weiterer, 64 Megabyte großer L3-Cache, den AMD 3D V-Cache nennt. 3D deshalb, weil der Cache als zusätzliches Chiplet oben auf das eigentliche Compute-Chiplet aufgelötet wird. Die dafür nötige 3D-Stacking-Technologie hat AMD gemeinsam mit TSMC entwickelt. Der Ryzen 7 5800X3D kommt so auf gigantische 96 Megabyte an L3-Cache. Einziger Nachteil: um das Power-Budget von 105 Watt zu halten, hat AMD die Taktraten um 400 MHz im Basis- und 200 MHz im Boost-Takt gesenkt.

AMD Ryzen 7 5800X3D Slide Vorstellung mit AMD 3D V-Cache schneller als i9-12900K
Der AMD Ryzen 7 5800X3D. (Bild: AMD)

Dennoch überzeugt der Ryzen 7 5800X3D vor allem im Gaming. Je nach Spiel ist er so schneller oder zumindest gleichschnell wie die neuen Ryzen 7000-CPUs oder der Intel Core i9-12900K. Selbst der bald kommende Intel Core i9-13900K kann den Ryzen 7 5800X3D laut Intel nicht in allen Spielen bezwingen. Einziger, noch nicht angekündigter Gegner, ist AMD selbst. Denn immer wieder gab es Leaks zu Ryzen 7000-Prozessoren mit 3D V-Cache.

Großer Preisvorteil: der Ryzen 7 5800X3D läuft auf AM4 und mit DDR4

Es gibt allerdings noch einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Vorteil des Ryzen 7 5800X3D: die kompletten Kosten für die Plattform. Bei Ryzen 7000 setzt AMD auf den komplett neuen Sockel AM5, was in jedem Fall ein neues Motherboard bedeutet. Dazu kommt, dass AMD im Gegensatz zu Intel nicht DDR5 und DDR4 parallel supportet. Nur DDR5 ist zu Ryzen 7000 kompatibel, was zwar deutlich höhere Leistung und Zukunftssicherheit verspricht, aber auch teuer zu Buche schlägt. Ein einzelnes, nacktes 8 Gigabyte DDR5-4800-Modul kostet im günstigsten Fall 35 Euro, das günstigste 16 Gigabyte-Kit 85 Euro. Wer das volle Potenzial von Ryzen 7000 nutzen möchte, sollte mindestens zu einem DDR5-5200-Kit greifen. Für 16 Gigabyte werden da mindestens 94 Euro fällig, für 32 Gigabyte sind es 189 Euro. Für gute OC-Kits ab DDR5-6000 legt man aktuell für 32 Gigabyte noch immer über 220 Euro auf den Tisch. DDR4 ist da deutlich günstiger: ein günstiges Standard-Kit mit 16 Gigabyte DDR4-3200 kostet gerade einmal 50 Euro, ein noch einmal zackigeres DDR4-3600-Kit mit CL16 gut 78 Euro. Wer aufrüstet hat vermutlich auch schon ein gutes DDR4-Speicherkit, das sich mit dem Ryzen 7 5800X3D weiternutzen lässt, mit Ryzen 7000 aber nicht.

Die Motherboards für Ryzen 7000 sind der Preistreiber

Noch einmal ordentlich teurer wird es, wenn man das Motherboard mit einrechnet. Aktuell gibt es fast nur Motherboards mit den Highend-Chipsätzen X670 und X670E. Auch erste B650 und B650E-Motherboards sind bereits verfügbar, aber zu einem gesalzenen Preis: das günstigste Modell kostet dabei aktuell saftige 309 Euro. Das teuerste AM5-Board kostet exorbitante 1.670 Euro. Im Vergleich hierzu sind die Preise für Motherboards mit AM4-Sockel geradezu geschenkt: das günstigste kompatible Motherboard kostet gerade einmal 52 Euro. Auch mit etwas Ausstattung und aktuellem B550-Chipsatz kommt man nicht über 120 Euro für den aktuellen Topseller. Selbst Highend-Boards wie das MSI MEG X570 Unify sind mit meist deutlich besserer Ausstattung günstiger als die Motherboards für Ryzen 7000. Und auch beim Board gilt: möglicherweise hat man bereits eines, das zum Ryzen 7 5800X3D kompatibel ist und muss so kein neues kaufen.

Direktvergleich: Ryzen 7 7700X gegen Ryzen 7 5800X3D

Vergleicht man nun die neue Ryzen 7000-Generation mit dem praktisch schon veralteten Ryzen 7 5800X3D, ergibt sich ein interessantes Bild. Während der Preis für die beiden CPUs mit 479 Euro für den Ryzen 7 7700X und 429 Euro für den Ryzen 7 5800X3D ähnlich hoch ist, sieht es bei der Plattform anders aus. Ein komplettes Upgrade auf den AMD Ryzen 7 7700X bestehend aus Prozessor, Motherboard und 32 Gigabyte DDR5-5600-Arbeitsspeicher kostet im günstigsten Fall knapp 1.000 Euro. Für den Ryzen 7 5800X3D samt beliebtem MSI MAG B550 Tomahawk-Motherboard und 32 Gigabyte DDR4-3600 sind es hingegen nur 730 Euro.

Ryzen 7700X mit Board und RAM:

Ryzen 7 5800X3D mit Board und RAM:

Wer AM4-Board und DDR4-Arbeitsspeicher bereits hat, kann davon sogar noch einmal 300 Euro abziehen. Je nach Spiel liegt die Performance des Ryzen 7 5800X3D damit aber dennoch bis zu 11 Prozent über der des Ryzen 7 7700X.

Fazit: doch besser den Ryzen 7 5800X3D fürs Gaming kaufen?

AMD hat mit Ryzen 7000 wieder einmal bewiesen, was technologisch noch alles möglich ist. Die IPC ist stark gestiegen, auch die Taktraten konnte das Unternehmen deutlich erhöhen, um schlussendlich Intel wieder die Leistungskrone abzuluchsen. In Multi-Core-Applikationen ist der Ryzen 7 7950X bis zu 44 Prozent schneller als der Intel Core i9-12900KS und auch im Gaming kann Ryzen 7000 Intel Alder Lake wieder Paroli bieten.

AMD Ryzen 7000 Ryzen 9 7950X gegen Intel Core i9-12900K Content Creation
Der Ryzen 9 7950X gegen den i9-12900K: Klarer Sieg bei Content Creation. (Bild: AMD)

Nicht jedoch dem hauseigenen Ryzen 7 5800X3D. Der hochgezüchtete Prozessor mit gigantischen 96 Megabyte L3-Cache bleibt nach wie vor der Gaming-King. Im Vergleich zu den am besten performenden Ryzen 7000-Prozessoren ist er im Schnitt noch immer 3 Prozent schneller, in Einzelfällen sogar um bis zu 11 Prozent. Das Hauptargument des Ryzen 7 5800X3D ist allerdings der geringe Preis der Plattform. Wer komplett neu kauft, muss im günstigsten Fall für einen Ryzen 7 7700X samt Motherboard und 32 Gigabyte DDR5-5600-Speicher fast 1.000 Euro auf den Tisch legen. Beim Ryzen 7 5800X3D sind es nur 730 Euro – mit guten Komponenten, nicht den günstigsten. Wer bereits mindestens ein B450-Motherboard besitzt, kommt sogar noch deutlich günstiger weg, und das für mehr Gaming-Performance, wohlgemerkt. Der Ryzen 7 5800X3D ist damit auch perfekt für Aufrüster geeignet.

Die Nachteile des Ryzen 7 5800X3D

Einziger Nachteil: wer einen neuen Ryzen 7 5800X3D samt Plattform kauft hat keine Option, ohne Wechsel von Motherboard uns Arbeitsspeicher aufzurüsten. AM4 ist de facto tot, AM5 die einzige Plattform, die AMD von jetzt an weiterentwickeln wird. In naher Zukunft soll es mit B650 und B650E auch deutlich günstigere Chipsätze und damit günstigere Motherboards geben. Als Krönung könnte uns 2023 dann auch eine 3D-Version der Ryzen 7000-CPUs erwarten.

Bis dahin bleibt unsere Empfehlung aber, fürs Gaming eher auf den Ryzen 7 5800X3D als auf Ryzen 7000 zu setzen. Er ist mit 429 Euro günstig, setzt auf die spottbillige AM4-Plattform und unterstützt erprobten DDR4-Speicher. Dazu ist er in den meisten Titeln schneller. Spart euch das Geld für Ryzen 7000, setzt auf den 5800X3D und kauft euch dazu ein paar nette Games!

Über Florian Berger 71 Artikel
Florian Berger ist Autor bei PC Builder's Club. Durch sein Technikinteresse stieß er Ende 2019 zum kleinen Team dazu und kümmert sich seitdem um Verwaltung, Lektorat und viele Recherchen und Features.

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