Tray-CPUs: der Unterschied zu Boxed bei Intel- und AMD-Prozessoren

Intel AMD Boxed Tray CPUs Vergleich
Was darf's sein: Boxed oder Tray? (Bild: Montage PCBC/AMD)

Seit Intel Comet Lake-S sind die Tray-CPUs oft günstiger als ihre Boxed-Geschwister. Wo liegen die Unterschiede? Wir klären für Intel und AMD auf.

Immer wieder Tray-CPUs

Jeder, der schon einmal Prozessoren gekauft hat, kennt sie: die meisten Shops bieten neben normalen Prozessoren, sogenannte „Boxed“-CPUs, auch die gleichen Modelle als „Tray“-Variante an. Sowohl CPUs von AMD als auch von Intel können in dieser Form gekauft werden. Das stiftet regelmäßig Verwirrung, vor allem bei Anfängern. Doch auch Profis sind vor Mythen rund um die Tray-CPUs nicht gefeit. Spätestens seit dem Intel Comet Lake-S-Launch tauchen wieder viele Fragen dazu auf. Welche CPU ist nun die richtige, gibt es Vor- oder sogar Nachteile – und warum existieren Tray-CPUs überhaupt? All das wollen wir in diesem Artikel etwas näher beleuchten.

Was bedeuten Tray, Boxed und WOF?

Wir beginnen unseren Artikel bei den Bezeichnungen, die im Handel für Prozessoren herumschwirren. Bei vielen Händlern finden sich die Zusätze „Boxed“ bzw. „Box“, „Tray“ und „WOF“. Das Hauptprodukt ist dabei jedoch immer das gleiche: ein Prozessor. Die großen Unterschiede liegen bei der Verpackung. Klassische Retail-Prozessoren sind sogenannte Boxed-CPUs. Sie sind in einer schönen Umverpackung enthalten, kommen meistens mit einem Sticker fürs Case und haben einiges an Beipackzetteln dabei. Der größte Unterschied ist jedoch, dass auch eine Kühllösung enthalten ist. So kommen alle Ryzen-Modelle von AMD mit unterschiedlichen Kühlern daher.

AMD Ryzen 9 3900X Boxed, kein Tray
Der AMD Ryzen 9 3900X kommt als Boxed-CPU mit Kühler – dieser ist auch auf der Box abgebildet. (Bild: AMD)

Die einzige Ausnahme ist der Ryzen 9 3950X. Bei Intel kommen typischerweise nur Modelle ohne K mit einem Kühler. Womit wir auch schon bei der nächsten Bezeichnung angelangt wären: WOF. Hinter der Abkürzung verstecken sich die englischen Worte „WithOut Fan“ – also ohne Kühler. Es handelt sich dennoch um „Boxed“-CPUs, aber solche, die eben ohne mitgelieferte Kühllösung daherkommen. Die Verpackungen fallen meistens kleiner aus, sind aber dennoch ähnlich schick. Enthalten ist mit Ausnahme des Kühlers sonst alles, von der Anleitung bis hin zum Sticker.

Intel Comet Lake-S Core i9-10900K
(Bild: Intel)

Als letzte Kategorie kommen noch die Tray-CPUs hinzu. Es handelt sich dabei um die gleichen Prozessoren, jedoch ohne die übliche Umverpackung. Der Name kommt von großen Plastikträgern, den sogenannten Trays, in denen größere Stückzahlen platzsparend verpackt sind. Die Händler kaufen die Prozessoren in diesen Trägern. Die CPUs werden dann in kleineren Kartons ohne Kühler an die Endkunden geschickt – außer dem Prozessor ist nichts enthalten.

Tray CPUs und Boxed CPUs und WOF CPUs Prozessoren bei Mindfactory
Verschiedene Intel-CPUs bei Mindfactory. Am Ende des Namens steht, ob es sich um eine CPU als „Tray“, „Box“ oder „WOF“ handelt. (Bild: Screenshot PCBC/Mindfactory)

Warum gibt es überhaupt Varianten?

Die unterschiedlichen Varianten der Prozessoren haben sich über die Jahre hin etabliert. Während die Unterscheidung zwischen Boxed und WOF meist der Hersteller selbst trifft, sieht das bei Tray-CPUs etwas anders aus. Boxed-Prozessoren sind typischerweise für den Endkunden gedacht. Im stationären Retail-Handel sind die Verpackungen Eye-Catcher und sofortiges Erkennungsmerkmal für den Kunden. Dort gibt es typischerweise auch keine Tray-CPUs. Diese sind vor allem durch den Online-Handel aufgekommen. Viele Online-Händler wie Alternate oder Caseking verkaufen gleichzeitig auch komplett zusammengebaute Computer. Für diese ist es nicht sinnvoll, die Prozessoren in einer Retail-Verpackung zu kaufen. Der Kauf in Trays spart Platz und damit Lagerkosten, Zeit beim Verbauen, da keine Verpackung im Weg ist, ebenso wie Abfall, für dessen Entsorgung gezahlt werden muss, und zu guter Letzt auch noch Geld. Tray-CPUs sind durch den geringeren Aufwand für den Hersteller meistens auch günstiger im Einkauf.

Es ist daher besonders für die Online-Händler naheliegend, die Tray-Varianten direkt an Endkunden zu verkaufen. Bei sehr gefragten Prozessoren wie der Comet Lake-S-Serie von Intel passiert es zudem häufig, dass die Boxed-Versionen einfach nicht so gut verfügbar oder deutlich teurer im Einkauf sind, weshalb immer mehr Händler die Tray-CPUs günstig anbieten.

Mythen rund um die Tray-CPUs

Da es keine genauen Statements seitens der Händler gibt, haben sich auch einige Mythen zu Tray-CPUs angesammelt. Den Großteil plappern leider auch erfahrene PC-Bauer nach, was für noch mehr Verwirrung unter Anfängern sorgt. Darum haben wir hier auch die zwei Haupt-Mythen analysiert.

Mythos #1: Tray-CPUs sind nur Versandrückläufer oder gar schlechte Ware

Der erste Mythos ist in vielen Foren und Facebook-Gruppen zu finden. Dort wird geraten, ja keine Tray-CPUs zu kaufen, weil diese ausschließlich zurückgeschickte Boxed-CPUs oder B-Ware seien. Dieser Mythos ist falsch. Wir haben uns hierfür mit zwei Kontakten bei großen Versandhändlern unterhalten, die jedoch nicht genannt werden möchten. Demnach sind Tray-CPUs tatsächlich nur Prozessoren, die per Tray von AMD oder Intel geliefert werden. Versandrückläufer werden manchmal als B-Ware mit beschädigter Verpackung angeboten, jedoch weiterhin als Boxed-CPUs. Außerdem sei die Rücksendequote bei CPUs sehr gering. Bei Garantiefällen gehen diese zurück an die Hersteller. Auch einen Qualitätsunterschied bei Tray-CPUs gibt es nicht. Das würde sich sonst bei fertig gebauten PCs bemerkbar machen, in denen fast ausschließlich Tray-Ware zum Einsatz kommt. Händler wie Caseking selektieren aus Tray-CPUs beispielsweise ihre besonders hoch taktenden vorgetesteten Prozessoren.

Mythos #2: Tray-CPUs fallen nicht unter die Gewährleistung

Ein weiterer Mythos dreht sich um die Gewährleistung für Tray-CPUs. Während Boxed-Modelle für gewöhnlich der Garantie direkt bei Intel oder AMD unterliegen, gilt diese für Tray-Prozessoren tatsächlich nicht. Das bestätigen auch Support-Einträge bei Intel und bei AMD. Dennoch fallen auch Tray-Prozessoren unter die Gewährleistung der Händler. Verkaufen diese Händler Prozessoren als Tray, müssen sie auch im Rahmen der Gewährleistung zurückgenommen oder ersetzt werden. Der große Unterschied ist, dass diese Produkte nicht direkt beim Hersteller reklamiert werden können – das können nur die Händler bzw. OEMs selbst. Wer eine Tray-CPU kauft, kann sich daher trotzdem auf die 24 Monate geltende Gewährleistung der Händler verlassen.

Fazit: Tray-CPUs sind bedenkenlos – und oft günstiger

Die CPU-Hersteller machen sich mit verwirrenden Bezeichnungen nicht gerade beliebt bei den Käufern. Wer sich jedoch für ein CPU-Modell entschieden hat, der ist meist nur noch auf der Suche nach dem günstigsten Preis. Und spätestens seit der Comet Lake-S-Serie von Intel sind Tray-CPUs hier durchaus wieder eine Überlegung wert. Die meisten Käufer sind auf den Kühler nicht angewiesen, die Tray-CPUs sparen Geld und noch dazu Verpackungsmaterial. Man muss als geneigter Gamer ab und an ja auch an die Umwelt denken. 10 Euro günstiger ist der i7-10700K, 11 Euro spart man beim Flaggschiff i9-10900K, genauso beim i9-10850K, der zudem ab Lager verfügbar ist. Für den i5-10600K sind es ebenfalls 11 Euro Ersparnis, beim i5-10400F immerhin noch drei Euro. Bei AMD ist dieser Unterschied übrigens nicht sichtbar – die Tray-CPUs sind bei praktisch allen Modellen teurer als die Boxed-Version.

Kompromisse geht man mit den Tray-Varianten also keine ein. Sind nur diese bei einem Händler verfügbar oder auf Lager, kann man problemlos zugreifen. Vor allem zum Verkaufsstart einer neuen Generation ist das oft der Fall. Wer sich gern die Box ins Regal stellen möchte, für den ist die Tray-Version natürlich nichts. Auch bei der Gewährleistung geht man keine Kompromisse ein. Am Ende ist es für die Leistung des Gaming-PCs aber egal, ob eine Boxed- oder eine Tray-CPU verbaut ist.

Über Florian Berger 16 Artikel
Florian Berger ist Autor bei PC Builder's Club. Durch sein Technikinteresse stieß er Ende 2019 zum kleinen Team dazu und kümmert sich seitdem um Verwaltung, Lektorat und viele Reportagen.

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