Corsair Ironclaw RGB Wireless im Test – wenn Wireless kein Nachteil mehr ist

Corsair Ironclaw RGB Wireless Review
(Bild: Corsair)

Im Test: Die Corsair Ironclaw RGB Wireless ist eine Maus speziell für Shooter und FPS-Spiele. Die niedrige Latenz soll den Wireless-Nachteil eliminieren.

Wireless und flott in einem – geht das?

Wer Shooter oder Spiele spielt, bei denen jede Millisekunde in der Eingabe entscheidend sein können, greift dem Verständnis der Gaming-Community lieber nicht zu einem Wireless-Gerät – denn nur Kables ist wahres! So der gemeine Gamer-Glaube. Vor einigen Jahren konnte man dem durchaus noch zustimmen. Neue Techniken erlauben aber immer bessere Reaktionszeiten. Ein Beispiel abseits von Wireless: wer früher ein Display mit 1 ms Reaktionszeit (GTG) haben wollte, musste immer zu einem TN-Panel mit eher mauem Bild und katastrophaler Blickwinkelstabilität greifen. Dass nur wenige Pro-Gamer überhaupt von 1 ms Reaktionszeit profitieren können, ist dabei schon fast zur Nebensache geworden. Danach begann jedoch der Siegeszug der IPS- und VA-Panels mit deutlich besseren Kontrast- und Bildwerten als TN. Auf einmal war die Reaktionszeit wieder eher im Hintergrund. 4 ms, ein gängiger Wert, reichte scheinbar. Gerade kommt die 1 ms-Reaktionszeit bei Displays jedoch wieder auf, da LG erste IPS-Panels mit echten 1 ms (GTG) entwickelt hat.

Ähnlich geht das auch bei Wireless-Technologien. Standard-Mäuse sind oft über Bluetooth oder einen kleinen Dongle mit dem Computer verbunden. Für normale Office-Nutzung und gelegentliches Spielen reicht das in der Regel völlig – der Normaluser erkennt also keinen Unterschied. Anders wird es jetzt jedoch bei Spielern, die öfter und vor allem sehr schnell spielen. In Kombination mit immer höheren Abtastraten muss auch die kabellose Verbindung immer schneller werden. Denn im Gegensatz zur Reaktionszeit beim Bildschirm ist Latenz bei Mäusen tatsächlich ein großer Nachteil. Corsair ist mit der Ironclaw RGB Wireless jetzt jedoch der Spagat gelungen. Trotz Wireless verspricht Corsair dank einer eigens entwickelten Technologie namens Slipstream eine sehr niedrige Latenz. Grund genug, die Maus bei uns zu testen!

Technik und Features

Beginnen wir mit den technischen Fakten, die Corsair zur Ironclaw RGB Wireless aufs Datenblatt geschrieben hat. Herzstück ist der optische Sensor Pixart PMW3391, der eine Abtastrate von bis zu 18.000 DPI erlaubt. Die niedrigstmögliche Abtastrate sind 100 DPI, eingestellt werden kann in Einserschritten. Der Sensor erlaubt zudem eine maximale Beschleunigung von 50 G und eine maximale Geschwindigkeit von 400 IPS (Inch per seconds). Zur Übertragung nutzt Corsair gleich drei verschiedene Technologien. Einerseits kommt die über 2,4 GHz laufende Slipstream-Technologie in Verbindung mit einem Dongle zum Einsatz. Eine weitere mögliche Verbindung ist Bluetooth 4.2. Auch klassisch über Kabel funktioniert die Ironclaw RGB Wireless natürlich. Es handelt sich um einen üblichen USB 2.0-Anschluss im Micro-USB-Format Für die Verbindung liefert Corsair ein gesleevtes Kabel mit 1,8 Metern länge und Adapter mit. Über den Port wird die Maus auch geladen.

Keine Angaben macht der Hersteller zum fest eingebauten Lithium-Polymer-Akku. Dieser soll bei Nutzung von Slipstream 16 Stunden bei normaler und 24 Stunden bei ausgeschalteter RGB-Beleuchtung halten. Bei Nutzung über Bluetooth steigt die mögliche Nutzungsdauer noch einmal deutlich an. Hier sind 30 Stunden mit und 50 Stunden ohne Beleuchtung möglich. Besagte RGB-Beleuchtung ist auf drei einzeln einstellbare Zonen vorne, am Mausrad und am Rücken der Maus in Form des Corsair-Logos verteilt. Auf der linken und auf der Oberseite befinden sich insgesamt zehn Knöpfe, die frei mit Shortcuts oder Kombinationen belegt werden können. Die Maus ist mit 130 Gramm Gewicht eher schwer gehalten.

Design, Material und Verarbeitung

Beim Design der Ironclaw RGB Wireless legt Corsair vor allem auf Grip und eine vergleichsweise sogar ergonomische Handhaltung wert. Die Maus ist mit 130 mm Länge, 80 mm Breite und 45 mm Höhe ein eher großes Modell. Die Hauptfarbe ist dabei – Überraschung – schwarz. Akzente setzen die RGB-Beleuchtungszonen. Auf dem Rücken der Maus sind die Segel des Corsair-Logos beleuchtet. Eine weitere Zone befindet sich beim Mausrad. Die letzte Zone besteht aus sechs Segmenten auf der Vorderseite der Maus, die wie eine Art Scheinwerfer aussehen und auch so funktionieren. Dazwischen hat der Micro-USB-Anschluss seinen Platz.

Auf der linken Seite befindet sich eine gummierte Fläche, auf der der Daumen zur Ruhe kommt. Durch das Material und den Kreuzschnitt soll der Daumen so bestmöglichen Grip haben. Für den Daumen gedacht sind auch drei Tasten darüber, von denen zwei nebeneinander und eine beim Übergang darüber angeordnet ist. Vor der Fläche befinden sich drei LED-Streifen. Diese dienen gleich für mehrere Zwecke. Einerseits zeigen sie den Batteriestatus, andererseits aber auch das eingestellte Profil und die eingestellte Abtastrate. Zudem liefern sie Informationen beim Koppeln der Maus. Darüber, direkt neben der Linksklick-Taste befinden sich zwei weitere Tasten aus Kunststoff, die mit dem Zeigefinger bedient werden. Auf der Oberseite sind neben den zwei obligatorischen Klick-Tasten und einem gummierten Mausrad noch zwei weitere Tasten unterhalb des Rads zu finden.

Auf der Unterseite hat Corsair insgesamt vier PTFE-Flächen verbaut, die für das Gleiten am Schreibtisch oder Mauspad verantwortlich sind. In der Mitte befindet sich eine Art Tunnel, in der der Sensor eingebettet ist. Letztes Teil ist schließlich der Wireless-Schalter auf der rechten Seite. In der Mittelstellung sind jegliche Wireless-Verbindungen abgeschaltet. Die untere Schaltstellung ist für die 2,4 GHz Slipstream-Verbindung, die obere für Bluetooth 4.2.

Corsair Ironclaw RGB Wireless
(Bild: PCBC/OG)

Software

Ein wichtiger Teil der Corsair Ironclaw RGB Wireless ist auch die Corsair iCue-Software. Mit ihr lässt sich die Maus praktisch komplett individualisieren. Neben den Einstellungen für die RGB-Zonen, die sich mit anderen Corsair-Komponenten synchronisieren lassen, sind dabei vor allem die Einstellmöglichkeiten der Tasten interessant. Jede Taste lässt sich einzeln belegen. Dabei macht Corsair auch bei den eigentlichen Klick-Tasten nicht halt. Auch sie lassen sich mit völlig anderen Funktionen belegen. Die Ironclaw RGB Wireless hat aber natürlich auch genug Zusatztasten, die belegt werden wollen. Standardmäßig sind die beiden vorderen Tasten als Wechseltasten für drei voreingestellte DPI-Stufen vorgesehen. Auch diese Stufen selbst (800 DPI, 1500 DPI, 3000 DPI) lassen sich mit iCue völlig frei einstellen. Die beiden Tasten unterhalb des Mausrads sind für den Profilwechsel zuständig.

Profile sind auch einer der größten Vorteile, die Corsair in die Ironclaw RGB Wireless eingebaut hat. Diese Profile lassen sich fix einstellen und auf der Maus speichern. Sie funktionieren auch ohne die iCue-Software auf völlig fremden PCs. So lassen sich die eigenen Präferenzen einfach in der Maus speichern. Wer zwischen verschiedenen Computern wechselt, hat so mit einer Maus immer die gleichen Einstellungen im Bezug auf Abtastrate, RGB-Beleuchtung und Tastenbelegung. Laut Corsair funktioniert das vollständig ohne zusätzlichen Treiber oder Software. Das hat in unseren Tests an verschiedenen Windows-PCs problemlos funktioniert und stellt tatsächlich einen guten Mehrwert dar.

So zockt es sich mit der Corsair Ironclaw RGB Wireless

Handling und Grip

Die Form der Ironclaw RGB Wireless ist ja bereits altbekannt. Es gibt die Maus schließlich auch in „nicht-wireless“, also mit Kabel. Die Form ist dabei ein entscheidender Faktor. Corsair hat die Ironclaw-Serie eher groß designt, was vor allem Menschen mit großen Händen wie uns entgegenkommt. Dabei ist sie auch nicht gerade leicht – genau richtig für uns Grobmotoriker. Das Gefühl beim Bedienen ist mehr als gut. Durch die leichte ergonomische Neigung der Maus ermüdet die Hand deutlich weniger als bei anderen Mäusen. Auch die Grip-Zonen sind gut gewählt. Durch die eingeschnittene Gummibeschichtung haben Daumen und kleiner Finger immer genug Grip. So muss die Ironclaw RGB Wireless nicht krampfhaft festgehalten werden und rutscht auch nicht weg. Selbst mit schwitzigen Händen hat man sie ganz dem Namen nach immer eisern im Griff.

Ein ganz wichtiger Faktor sind auch die Genauigkeit der Bewegungen. Die PTFE-Flächen sorgen für ein Gleiten der Maus. Das funktioniert am besten auf Mauspads, die Corsair natürlich auch liefert. Auf Holz bleibt die Maus zwar nicht direkt kleben, ist in der Verwendung aber (sehr selten) auch schon einmal zum Stocken gekommen. All das hält sich aber in Grenzen. Wir empfehlen trotzdem ein Mauspad, auf das der Sensor der Ironclaw RGB Wireless auch bereits vorkalibriert ist – konkret sind das die Modelle Corsair MM200, MM300, MM350, MM400, MM600, MM800 RGB Polaris und MM1000.

Bedienung und Tasten

Auch bei der Bedienung kann die Corsair Ironclaw RGB Wireless punkten. Die Anzahl und Anordnung der Tasten ist für die Bedienung wirklich sinnvoll. Die beiden vorderen Zusatztasten sind mit dem Zeigefinger leicht bedienbar. Auch die beiden für den Daumen gedachten Tasten lassen sich mit eben diesem leicht drücken. Die große Form der beiden unteren Tasten macht es jedoch nicht so einfach, an die obere Taste zu kommen. Das Material wirkt zudem zuerst etwas rutschig – das legt sich mit der Zeit aber.

Großer Vorteil sind auch die anlegbaren Profile. Je nach Spiel lassen sich durch die Profile unterschiedliche Funktionen auf die Tasten legen. Besonders mächtig ist dabei die Makro-Funktion, die auch Tastenkombinationen ermöglicht. Das wäre dann schon fast Cheaten – funktioniert aber sehr gut. Was ebenfalls quasi zum Cheaten zählt ist die automatische DPI-Umschaltung. Beim Anvisieren im Sniper-Modus schaltet die Ironclaw RGB Wireless die Abtastrate automatisch runter, um ein präziseres Zielen zu ermöglichen.

Wireless-Verbindung

Der Wireless-Verbindung der Ironclaw RGB Wireless haben wir uns im Besonderen gewidmet. Corsair setzt hier auf die eigens entwickelte Slipstream-Technologie, die besonders geringe Latenzzeiten von unter einer Millisekunde erreichen soll. Dazu haben wir Blindtests mit mehreren erfahrenen Zockern gemacht. Wir haben sie mehrmals im gleichen Spiel die Maus testen lassen. Dabei war bei den Versuchen die Maus entweder per USB-Kabel oder per Slipstream mit dem PC verbunden. Das USB-Kabel blieb dabei jeweils an der Ironclaw hängen, damit nicht zu identifizieren war, welche Verbindung genutzt wird. Keiner unserer Tester konnte einen Unterschied zur Kabelverbindung feststellen. Hier hat Corsair seine Hausaufgaben also richtig gemacht.

Etwas anders sieht es da bei der Bluetooth-Verbindung aus. Hier setzt Corsair bei der Ironclaw RGB Wireless auf Bluetooth 4.2 im Low Energy-Modus. Die Latenzzeit steigt im Vergleich zu Slipstream von unter einer Millisekunde auf 7,5 Millisekunden. Für den regulären Desktopbetrieb und normales Gaming reicht das natürlich völlig, in besonders schnellen Spielen ist aber sehr wohl ein Unterschied spürbar.

Akkulaufzeit

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Akkulaufzeit der Ironclaw RGB Wireless. Und wieder einmal zeigen sich die Schattenseiten des ganzen RGB-Hypes. Natürlich sieht RGB-Beleuchtung geil aus, im Falle der Ironclaw verringert sie die Akkulaufzeit aber deutlich. Der 850 mAh-Akku sorgt für verschiedene Angaben bei unterschiedlichen Benutzungsszenarien. Am besten schneidet hier Bluetooth im Low Energy-Modus ab. Mit Beleuchtung hält die Ironclaw RGB Wireless laut Datenblatt 30 Stunden, ohne sogar 50 Stunden. Auch die Slipstream-Verbindung braucht Strom. Hier hält der Akku 16 Stunden mit und 24 Stunden ohne Beleuchtung.

Diese Werte kommen so auch ziemlich gut hin. Besonders auf LAN-Partys sollte man aber sein USB-Kabel zum Laden nicht vergessen, da es sehr bitter sein kann, wenn auf einmal die Verbindung weg ist. Für solche Fälle lässt sich auch ein Profil anlegen, das auf die RGB-Beleuchtung verzichtet. So ein Profil ist auch bereits vorkonfiguriert. Der Indikator für die Akkulaufzeit ist Corsair gut gelungen. Zwar achtet man nicht laufend auf die drei Leuchtstreifen auf der Seite, für eine ungefähre Einschätzung reicht es aber. Das Laden an einem Standard-USB-Port klappt in gut zwei Stunden.

Fazit – Die Ironclaw ist auch in Wireless sehr gut

Mit der Ironclaw RGB Wireless ist Corsair ein äußerst gutes Gesamtpaket aus hervorragender Gaming-Maus und Kabellosigkeit gelungen. Der 18.000 DPI-Sensor ist ein wahrer Segen in flotten Spielen, die Slipstream-Verbindung erlaubt eine schnelle Übertragung. Einen Nachteil hat man durch die Wireless-Verbindung definitiv nicht, dafür aber die typischen Vorteile, die nur Wireless-Mäuse bieten können. Auch das Design ist Corsair geglückt. Die Tasten sind logisch und sinnvoll angeordnet, die Maus ist auch für große Hände angenehm und nicht zu leicht designt. Der Grip ist durch die Gummiflächen angenehm, lediglich die Tasten sind anfangs etwas rutschig. Ein Mauspad ist allerdings fast schon Pflicht. Die RGB-Beleuchtung mit drei Zonen trifft den Zahn der Zeit. Auch der Preis von derzeit gut 74 Euro ist für eine Wireless-Maus dieser Kategorie angemessen.

Größter Vorteil abseits der guten technischen Features ist unserer Meinung nach aber weiterhin die iCue-Software von Corsair. Neben der RGB-Beleuchtung lässt sich hier praktisch alles, von der Abtastrate bis zu Tastenbelegungen und sogar Makros individualisieren. In Verbindung mit den Profilen und dem Onboard-Speicher der Ironclaw Wireless RGB hat Corsair hier einfach eines der besten Konzepte für Individualisierung überhaupt. Einziges Manko ist unserer Meinung nach die Akkulaufzeit. Natürlich lässt sich das optimieren, besonders bei längeren Sessions oder Lanpartys gerät die Ironclaw RGB Wireless aber an ihre Grenzen.

Nichtsdestotrotz hat Corsair mit der Ironclaw RGB Wireless eine ausgezeichnete Leistung abgeliefert. Dafür vergeben wir auch die Awards in den Kategorien Excellence und Style.

Corsair Ironclaw RGB Wireless
(Bild: Corsair/PCBC)
Über Oliver Görze 47 Artikel
Oliver Görze ist Hardwaretester und Mitgründer von PC Builder's Club. Er ist gelernter IT-Engineer im Bereich Telekommunikation. Oliver ist für alles, was Tests und Reviews anbelangt, zuständig. Zusätzlich betreut er noch unseren Videobereich.

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