Lian Li PC-T70 im Test: Benchtable mit gutem Konzept, aber Schwächen

Lian Li PC-T70 Benchtable Review Test
Unser Testsystem auf dem Benchtable. (Bild: PCBC/FM)

Der Lian Li PC-T70 ist als Benchtable mit besonderen Features konzipiert. Wir haben ihn getestet, dabei aber auch einige vermeidbare Schwächen gefunden.

Benchtables: Hauptsache Funktion, oder?

Wer viel an seiner Hardware herumbastelt, der kennt unser Problem. Wir testen viel Hardware, von Kühlern, RAM und SSDs bis hin zu Grafikkarten. Für den Wechsel von Hardware ständig sein Case auf- und wieder zuzuschrauben ist nervig, das Umbauen braucht Zeit, und das Kabelmanagement sowieso. Noch dazu verschleißt das Case dadurch relativ schnell. Kratzer, fehlende Teile oder sogar eine gebrochene Seitenplatte sind uns schon widerfahren.

Dafür gibt es doch eigentlich eine recht einfache Lösung für dieses Szenario. Wer oft seine Hardware wechselt, sollte sich nach einem Benchtable umsehen. Dabei steht hauptsächlich die Funktion als „Hardware-Halter“ im Vordergrund. Das Mainboard liegt auf dem Benchtable, darunter finden sich meist alle anderen Komponenten. Nachteile gibt es aber natürlich auch. So sind die Komponenten ungeschützt Staub, Licht oder Fremdkörpern (herumfliegende Gegenstände, Katzen, sich spontan entleerende Getränke) ausgesetzt. Dazu kommt, dass Benchtables eher funktional sind. Das Design steht hier eher im Hintergrund. Man findet sie daher primär in Hardware-Labors und Testumgebungen. Also eigentlich wie geschaffen für den Einsatz bei uns.

Der Lian Li PC-T70 hat ein spezielles Konzept

Auf der Suche nach einem passenden Benchtable sind wir dann schließlich auf den Lian Li PC-T70 gestoßen. Dabei handelt es sich um einen Benchtable für bis zu E-ATX-Mainboards, den Lian Li für Igor Wallossek von Tom’s Hardware Deutschland entwickelt hat. Das Unternehmen setzt dabei auf einen besonderen Ansatz. Der Benchtable lässt sich mit einem Zusatz-Kit namens T70-1 auch sehr einfach zu einem geschlossenen Case umbauen. Das Kit besteht aus zwei Blech-Seitenwänden, die auch eine Radiatormontage erlauben, und einem Acrylglassturz, der magnetisch fixiert wird. So lassen sich auch Szenarien in geschlossenen Cases leicht testen. Auch das Design des Benchtables, besonders die weiße Version, sind recht ansprechend. Unsere Suche war damit zu Ende – der Lian Li PC-T70 in weiß wurde zu unserem neuen Benchtable.

Aufbau und Design

Beim PC-T70 setzt Lian Li auf ein recht dezentes und funktionales Design mit zwei Ebenen. Auf der Grundplatte finden die Komponenten ihren Platz, die nicht so oft getauscht werden. So gibt es einen Montagerahmen für das Netzteil, der mittig angeordnet ist und sich auch auf der anderen Seite montieren lässt. Auf der Grundplatte finden sich auch zwölf Langlöcher, die von der Form her an Schließzylinder erinnern. Sie sind für die einfache Montage von 3,5 Zoll-Datenträgern und einem Käfig für bis zu vier 2,5 Zoll-Datenträger gedacht. 3,5 Zoll-HDD und der Käfig können dabei außen montiert werden, die mittleren Montagepunkte sind nur für 2,5 Zoll-Datenträger gedacht. Sowohl der Käfig als auch die Datenträger werden über Gummiteile einfach in die Löcher geklipst und so vom restlichen Benchtable entkoppelt. Auch das Netzteil kann mit aufklebbaren Gumminoppen entkoppelt werden. An der Rückwand findet sich noch ein Montagepunkt für Radiatoren, der im größten Fall ein 360 mm-Modell beherbergen kann. Die Vorderseite hebt sich durch eine andere Form vom restlichen Benchtable ab. Hier finden sich zwei USB 3.0-Anschlüsse, LED-beleuchtete Buttons für Power und Reset und zwei 3,5mm-Klinkenanschlüsse für Kopfhörer und Mikrofon. Darunter findet sich ein schwarzes Mesh-Gitter.

Direkt aus dem gleichen Blech ist auch die Oberseite geformt. Hier findet das Mainboard auf variabel einsetzbaren Abstandshalter seinen Platz. Verwendet werden können die gängigen Formate Micro-ATX, ATX und E-ATX. Ausschnitte gibt es für die Kühlerinstallation. Als Kabeldurchführung sind sechs Langlöcher vorgesehen, für die Zusatzstromversorgung der CPU gibt es ein kleines, rechteckiges Loch. Auf der Rückseite muss nur noch eine Platte angeschraubt werden, die für das I/O-Shield und acht PCIe-Slots zuständig ist.

Material und Verarbeitung

Der Großteil des Cases ist aus Aluminium gefertigt und weiß lackiert. Nur manche Akzente sind in schwarz. Durch das verwendete Material ist es leicht, allerdings nicht allzu stabil. So wackelt es hin und her, wenn man daran rüttelt und biegt sich durch, wenn man es selbst ohne verbautes System hochhebt. Die Platte für PCIe-Slots ist bei uns im fest montierten Zustand etwas nach hinten gebeugt, was die Installation von Erweiterungskarten zur Geduldsprobe machen kann. Auch die weiße Lackierung ist an manchen Stellen etwas grob geraten, was natürlich die Funktion nicht beeinträchtigt, aber unschön aussieht. Ansonsten ist der PC-T70 gut verarbeitet. Es gibt keine scharfen Kanten, unsaubere Bohrungen oder schlecht verbauten Teile.

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Leicht unsauber lackierter Kabeldurchlass. (Bild: PCBC/FM)

Systemeinbau – hier und da zwickt es beim PC-T70

Kommen wir zum Systemeinbau. Der Lian Li PC-T70 hält unser derzeitiges Haupt-Testsystem. Die Basis bildet das MSI Z270 Gaming M7 mit einem i7-7700K. Dieser wird von einem Noctua NH-U12S gekühlt. Als Grafikkarte haben wir testweise eine Nvidia GeForce RTX 2060 Founders Edition installiert. Ins Untergeschoss kommen ein be quiet! Dark Power Pro mit 1000 Watt, eine WD Black 1 TB-Festplatte und eine SanDisk Ultra 3D-SSD.

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Unser Testsystem auf dem Lian Li PC-T70. (Bild: PCBC/FM)

Der Ausschnitt im Mainboardtray ist zu klein

Für die Mainboardinstallation haben wir zuerst die Abstandshalter mit einem Werkzeug in die dafür vorgesehenen Löcher eingeschraubt. Das geht schwerer als gedacht – die Abstandshalter bleiben dafür bombenfest an Ort und Stelle. Nach dem Aufsetzen und Festschrauben des Mainboards sind wir aber auch schon auf das erste Problem gestoßen. Die Installation des Prozessorkühlers wollten wir eigentlich durch den Ausschnitt im Mainboard-Tray erledigen. Dieser ist allerdings nicht groß genug, damit wir die klobige Backplate unseres Noctua NH-U12S durchführen können. Auf der von hinten gesehen linken Seite fehlt ein Teil des Ausschnitts, den wir sonst von praktisch jedem modernen Case kennen. Das macht die nachträgliche Installation oder das einfache Tauschen des Kühlers leider unmöglich. Also zurück zur Startlinie, Mainboard wieder runter, Backplate drauf, Kühler drauf, Mainboard wieder montiert.

Netzteil und Datenträgerinstallation

Als nächstes haben wir das Netzteil und die Datenträger installiert. Hier hat sich dann bereits das nächste Problem aufgetan. Der mittig montierte Netzteilrahmen, der auch auf der anderen Seite montiert werden kann, ist relativ dick. Das liegt vermutlich am gewählten Material. Dünneres Aluminum würde sich einfach verbiegen lassen. Im Vergleich zu vielen anderen Cases aus Blech ist dieses dickere Aluminium-Blech aber ein Problem. Unser be quiet!-Netzteil ist durch eine Gummischicht entkoppelt, was dazu geführt hat, dass nur zwei der vier Schrauben, egal ob die mitgelieferten oder die von be quiet! selbst, gegriffen haben. Hier wären wenige Millimeter längere Schrauben von Vorteil gewesen. Auch auf die Position sollte man sich langfristig festlegen. Zur Entkopplung des Netzteils gibt es leider nur vier kleine, aufklebbare Gummifüßchen.

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Zwei Schrauben griffen einfach nicht – das Blech ist zu dick. (Bild: PCBC/FM)

Die Installation der Datenträger geht hingegen leicht von der Hand. Unsere 2,5 Zoll-SSD haben wir einfach in den vorhandenen Käfig geschraubt, an diesen die Gummifüße befestigt und am Boden in den vorgesehenen Halterungen geklipst. Bei unserer 3,5 Zoll-HDD mussten die entkoppelnden Gummifüße direkt an die Bohrungen geschraubt werden. Die HDD wird dann als ganzes wieder in die vorgesehenen Löcher geklipst. Sie steht dabei allerdings in beide Richtungen etwas über den Boden des PC-T70 hinaus. Auch die Anordnung der Löcher sorgt bei uns für Verwirrung. Der 2,5 Zoll-Käfig und die 3,5 Zoll-HDD können jeweils den Platz auch tauschen, die in der Mitte liegenden Löcher sind jedoch nur für eine 2,5 Zoll-HDD gedacht. Unserer Meinung nach wären hier die Abstände für eine weitere 3,5 Zoll-HDD besser gewesen. Generell hätte wohl auch ein Käfig für 3,5 Zoll-Datenträger nicht geschadet.

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Die Festplatte steht über den Boden hinaus. (Bild: PCBC/FM)

Kabelmanagement

Kommen wir noch zum Kabelmanagement. Dieses ist, wie bei einem Benchtable normal, auch beim Lian Li PC-T70 eher grob gehalten. Von unten werden die Kabel einfach nach oben geführt, ohne unnötige Schächte. Wenn oft die Kabel oder Netzteile gewechselt werden müssen, ist dies so auch deutlich sinnvoller. Als Durchführung stehen verschiedene Löcher zur Verfügung. Einerseits setzt Lian Li auf insgesamt sechs runde Langlöcher. Bei unserem ATX-Mainboard finden sich zwei an der Seite und jeweils zwei oben und unten. Damit ist im Grunde genug Platz zum Verkabeln da – die Position der Löcher ist für den Großteil der Mainboards allerdings etwas unglücklich gewählt. So liegt unser 24 Pin-Anschluss genau so, dass er am unteren Ende des oberen Lochs liegt. Das ist allerdings nicht so tragisch. Noch ungünstiger ist hingegen die Position unseres 20-Pin-Anschlusses für die USB 3.0-Ports. Dieser liegt direkt unter dem 24 Pin-Anschluss und damit genau beim Steg zwischen den beiden Löchern. Hier wäre ein durchgehendes Loch wünschenswert gewesen.

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Die Löcher für die Kabel sind ungünstig positioniert. (Bild: PCBC/FM)

Eine uns nicht verständliche Entscheidung gab es dann wohl noch beim Ausschnitt für den zusätzlichen Stromanschluss der CPU. Dieser ist im Vergleich zu allen anderen Kabeldurchlässen nicht als großes Langloch, sondern als eckiger Ausschnitt gestaltet worden. Und dieser Ausschnitt ist deutlich zu klein geraten. Wir hatten Mühe, unsere beiden als 4+4Pin ausgeführten Kabel durch die Öffnung zu quetschen.

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Ohne Quetschen geht hier nichts durch. (Bild: PCBC/FM)

Grafikkarteninstallation – es biegt sich die GPU, das Mainboard oder das Blech

Ein weiteres Detail ist uns bei der Installation unserer Grafikkarte aufgefallen. Das zusätzlich aufgeschraubte PCIe-Blech neigt sich in voll fixierter Position leicht nach innen. Es entsteht daher ein spitzer Winkel. Das passt natürlich mit der Grafikkarte, die im rechten Winkel installiert werden muss, nicht wirklich zusammen. Entweder verbiegt man also seine Grafikkarte oder das Blech etwas. Auch das Mainboard könnte sich leicht verformen. Da das Blecht im Verhältnis zu GPU und Mainboard jedoch wohl die günstigere Variante ist, verbiegen wir lieber das Blech. Dann ist der Abstand aber wiederum etwas zu hoch. Mit ein bisschen Herumprobieren hat es dann schon funktioniert – eigentlich sollte sowas aber nicht vorkommen.

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Das Blech sitzt nicht richtig – zu lasten der GPU. (Bild: PCBC/FM)

Fazit: der Lian Li PC-T70 ist schick, aber hat kuriosen Schwächen

Mit dem PC-T70 hat das Unternehmen einen schicken, funktionalen und guten Benchtable im Angebot. Er glänzt durch sein schlichtes Design, durchdachte Funktionen und auch die Möglichkeiten, ihn zu einem geschlossenen Case zu adaptieren. An manchen Stellen gibt es jedoch Schwächen, die eigentlich bereits bei der Entwicklung hätten auffallen müssen. Die Kabeldurchlässe sind einfach nicht durchdacht. Besonders das Stromkabel für die CPU am oberen Ende leidet beim Durchquetschen durch das zu klein dimensionierte Loch. Manchmal hatte Lian Li aber auch einfach Pech, zum Beispiel bei der Netzteilhalterung. Für gut 110 Euro erhält man jedoch trotzdem einen gut funktionalen Benchtable mit sinnvoller Erweiterbarkeit.

Über Florian Maislinger 1215 Artikel
Florian Maislinger is author and founder of PC Builder's Club. As a skilled IT engineer, he is very familiar with computers and hardware and has been a technology lover since childhood. He is mainly responsible for the news and our social media channels.

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