Der neue Noctua NH-U12A im Test: kompakt, performant, teuer

Noctua NH-U12A Test Review
(Bild: PCBC/FM)

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Der Noctua NH-U12A ist die fünfte Generation der U12-Serie. Mit zwei Lüftern soll er der performanteste Singletower-Kühler sein. Wir haben ihn getestet.

Einleitung: Deshalb sind die Noctua-Kühler braun und silber

Noctua hat sich in den letzten Jahren immer mehr in der High Performance-Liga etabliert. Das Unternehmen bietet neben vielen Industrielösungen auch Premium-Produkte für den Endkundenmarkt an. Dabei sticht das Noctua-Braun ganz besonders hervor. Bereits bei der Berichterstattung zu anderen Kühlern haben wir deshalb als Anmerkung immer wieder gelesen, dass viele nur die Farbe vom Kauf abhält.

Dabei ist die Farbe einer der Erfolgsfaktoren von Noctua, wie uns das Unternehmen auf Anfrage wissen ließ. Vor 15 Jahren entschied sich das Unternehmen für die Farbe Braun. Im Mittelpunkt stand dabei die Ruhe als Kerntugend der Marke. Entsprechend besser sind Erdtöne anstelle von grellen, auffälligen Farben geeignet. Zudem verbinden die meisten Menschen die Farbtöne Braun und Beige oft mit edlen und hochwertigen Produkten aus Holz, Leder und anderen Naturmaterialien. Gerade diese zurückhaltende Farbkombination ist aber auch das Geheimnis der Auffälligkeit. Kein anderer Hersteller verwendet braune Farbtöne für seine Lüfter, weshalb die Noctua-Lüfter immer hervorstechen und sofort mit dem Unternehmen in Verbindung gebracht werden.

Warum Noctua die Kühler nach Jahren der erfolgreichen Markenetablierung nicht einfach auch in anderen Farben anbietet, lässt sich auch einfach erklären. Zwar hat das Unternehmen bereits auf der Computex 2018 schwarze Versionen von drei Kühlern gezeigt, bis jetzt jedoch noch nicht releast. Das liege unter anderem daran, dass die Beschichtung der Kühlkörper selbst sehr schwierig ist, wie das Unternehmen auf unsere Nachfrage hin ausführte. Da Noctua die Kühler als einer der wenigen Hersteller verlötet, sei das Beschichtungsverfahren sehr aufwändig und teuer. Voraussichtlich im September oder Oktober könnten jedoch die ersten komplett schwarzen Modelle auf den Markt kommen. Davon ausgenommen ist allerdings der NF-A12x25-Lüfter, der auch auf dem NH-U12A montiert ist. Schuld ist das spezielle Material, dass Noctua für den NF-A12x25 nutzt. Dieses Sterrox LCP-Material reagiert sehr sensibel auf andere Farbpigmente, weshalb nicht einfach jede beliebige Farbe hergestellt werden kann. Bis zum Ende des Jahres könnte aber auch das Realität sein. Noctua setzt also in Zukunft auch mehr auf ein dezentes schwarz, was dann auch den letzten Negativpunkt eliminiert. Nächstes Jahr könnte es dann also auch eine schwarze Version des NH-U12A geben. Bis dahin haben wir die braune Version getestet.

Der Noctua NH-U12A im Detail

Der Kühlkörper

Der Noctua NH-U12A tritt das Erbe des NH-U12S an. Beim Vorgänger handelt es sich um einen kompakten, schlanken Single-Tower-Kühler mit fünf Heatpipes und einem 120 mm-Lüfter. Entsprechend stark verändert hat Noctua den NH-U12A da im Vergleich. Der Kühler kommt mit einem deutlich dickeren Kühlkörper, welcher dadurch 37 Prozent mehr Fläche bieten soll. In der Höhe und Breite haben sich die Maße praktisch nicht verändert. Von der vernickelten Kupfer-Heatplate, die weiterhin mit Noctuas SecuFirm2-System direkt auf dem Prozessor montiert wird, führen ganze sieben vernickelte Kupfer-Heatpipes in den Kühlturm. Das ist sogar mehr als beim derzeitigen Flaggschiff NH-D15, welches mit sechs Heatpipes auskommt. Die Wärme wird über die Aluminiumfinnen abgegeben, welche sich im Bezug auf die Struktur nicht geändert haben und auch den gleichen Abstand wie beim Vorgänger NH-U12S aufweisen. Der ganze Kühlkörper ist leicht nach links geneigt, um eine volle RAM-Kompatibilität zu AM4- und LGA-115x-Systemen zu gewährleisten. Durch die kompakten Maße von 125x112x158 mm (BxTxH) inklusive Lüftern blockiert der Kühler auch den obersten PCIe-Slot nicht.

Die Lüfter

Die größte Änderung befindet sich aber auch nicht am Kühlkörper, sondern ist daran befestigt. Noctua liefert mit dem NH-U12A gleich zwei der High Performance-Lüfter NF-A12x25 mit. Diese Lüfter hat das Unternehmen vier Jahre lang entwickelt und auf höchste Performance optimiert. Der Spalt zwischen Lüfterblättern und Rahmen beträgt nur 0,5 mm.

Noctua NH-U12A Test Review
Der Spalt zwischen Lüfter und Rahmen ist minimalst gehalten. (Bild: PCBC/FM)

Durch einen speziellen Kunststoff, spezielle Lager und eine sehr hohe Fertigungspräzision zählen die Lüfter zu den performantesten ihrer Klasse und können es meist problemlos auch mit 140 mm-Modellen aufnehmen. Diese Qualität hat allerdings ihren Preis. Fast 28 Euro kostet bereits einer dieser Lüfter im Einzelhandel, und gleich zwei sind auf dem NH-U12A montiert. Die Montage der Lüfter findet wie üblich über kleine Drahtbügel statt. Hier hat Noctua im Vergleich zu allen anderen Modellen die Aufnahme verändert. Die Bügel müssen nun nicht mehr mit viel Kraft über zwei Kanten der Kühlfinnen gezogen werden, sondern nur mehr über eine, was die Befestigung deutlich erleichtert.

Noctua NH-U12A Test Review
Die Klemmen sind durch nur mehr eine Stufe deutlich leichter anzubringen. (Bild: PCBC/FM)

Was sonst noch im Paket liegt

Mit dem Kühler selbst kommt natürlich noch eine Reihe von notwendigem Zubehör. Mit der steigenden Popularität der Ryzen-Prozessoren hat sich auch Noctua entschieden, die AM4-Montagekits direkt beizulegen. So findet sich neben der üblichen Backplate für Intels Mainstream-Plattformen LGA- 115x, den Aufsätzen für LGA-2011/LGA-2066 und den passenden Bügeln auch das Montagematerial für die AMD-Sockel AM4, AM3(+), AM2(+), FM1 und FM2(+). Besonders die AM4-Kompatibilität war in früheren Produktreihen nicht immer gegeben, weshalb ein extra Montagekit notwendig war. Das entfällt beim NH-U12A direkt. Lediglich die Threadripper-Plattform TR4 geht leer aus, was aufgrund der Größe aber kein Wunder ist.

Noctua NH-U12A Test Review
Der Lieferumfang des NH-U12A. (Bild: PCBC/FM)

Neben dem Montagematerial findet sich noch ein langer Schraubendreher, der für das Aufschrauben des Kühlers auf die Bügel notwendig ist, ein Y-Kabel zum Anschluss beider Lüfter an einen PWM-Port, zwei Low-Noise-Adapter, ein Case-Badge aus Metall zum Aufkleben auf das Case, die Montageanleitungen und die NT-H1-Wärmeleitpaste. Leider legt Noctua hier noch nicht die neue und etwas bessere NT-H2-Wärmeleitpaste bei.

Die Montage

Zur Montage des NH-U12A nutzt Noctua wieder das SecuFirm2-System. Dabei muss man zuerst eine Backplate durch das Mainboard stecken und vorne mit zwei Bügeln, vier Muttern und vier Daumenschrauben fixieren. Auf diese Bügel wird dann der Kühler mit nur zwei gefederten Schrauben aufgeschraubt. Davor muss nur noch die Wärmeleitpaste auf den Prozessor aufgetragen werden. Anschließend können auch schon die Lüfter befestigt und angeschlossen werden. Die Montage dauert insgesamt maximal 10 Minuten und ist wirklich einfach. Lobenswert ist auch, dass Noctua auf das gleiche System wie schon bei den vorherigen Kühlern setzt. Wer also einen NH-U12S oder NH-U14S hat und einfach wechseln möchte, muss nicht einmal das Montagesystem demontieren.

Die Performance

Testsystem und Testumgebung

Als Testsystem haben wir den bewährten Aufbau verwendet, der auch schon bei unseren sonstigen Kühlertests zum Einsatz kam. Als Basis dient ein Intel Core i7-7700K auf einem MSI Z270 Gaming M7, welches mit vier Ballistix Elite-Arbeitsspeichermodulen voll bestückt ist. Das Mainboard ist in einem be quiet! Dark Base 700 montiert, welches mit drei Silent Wings 3-Lüftern ausgestattet ist. Zwei 140 mm-Lüfter befinden sich in der Front, ein 120 mm-Lüfter ist auf der Rückseite des Gehäuses montiert. Als Grafikkarte haben wir eine Nvidia GeForce RTX 2060 Founders Edition verwendet.

Die Umgebungstemperatur bei den Tests betrug 23 Grad und hat sich während aller Kühlertests kaum verändert. Das Dark Base 700 war bei jedem Test voll geschlossen. Die Gehäuselüfter liefen konstant auf moderaten 40 Prozent. Die Lüfter der jeweiligen Kühler waren über die PWM-Steuerung des Mainboards eingestellt und liefen ab 30 Grad Celsius auf 20 Prozent Drehzahl. Die Drehzahl stieg kontinuierlich bis 70 Grad Celsius an, ab da liefen die Lüfter des Kühlers auf 100 Prozent.

Testprogramm und Messmethode

Als Testprogramm haben wir auch bei diesem Test auf Prime95 gesetzt. Da sich der Blend-Test allerdings als nicht unbedingt konstant erwiesen hat, führen wir die Messungen von nun an mit dem Small FFTs-Test als Belastung durch. Jeweils 10 Minuten mit einer Minute Aufwärmphase haben sich dabei als optimal erwiesen. Jeder Kühler musste in unserem Test den i7-7700K sowohl auf den Standardtaktwerten von bis zu 4,5 GHz im Automatikmodus als auch fest übertaktet auf 4,8 GHz mit 1,28 Volt Spannung kühlen. Auf die IDLE-Messungen haben wir hingegen verzichtet, da diese keine wirkliche Aussagekraft besitzen.

Die Temperatur gemessen haben wir schließlich mit AIDA64 Extreme. Über die Statistikfunktion im Systemstabilitätstest sind auch die Durchschnittswerte über Zeit der einzelnen Kerne ersichtlich. Wir haben den jeweiligen Durchschnittswert der einzelnen Kerne addiert und so den Mittelwert aller Kerne errechnet.

Neu in diesem Test ist die Messung der Lautstärke. Dabei haben wir mit unserem Pegelmessgerät bei geöffnetem Gehäuse aus ca. 25 cm Entfernung die Lautstärke in dBa des Gesamtsystems gemessen. Die Gehäuselüfter liefen dabei auf den eingestellten 40 Prozent, während die PWM-Lüfter der Kühler auf 100 Prozent liefen. Diese Werte dienen nur zum Vergleich.

Die Ergebnisse im Vergleich zu anderen Noctua-Kühlern

In unserem Test tritt der Noctua NH-U12A gegen drei seiner Brüder aus dem gleichen Hause an. So haben wir einerseits den direkten Vorgänger NH-U12S getestet, andererseits den NH-U14S als 140 mm-Ableger und den NH-D15 als Flaggschiff mit zwei Lüftern. Aus Neugier, wie die beiden NF-A12x25-Lüfter performen, haben wir die Tests auch mit dem NH-D15 in Kombination mit den eigentlich zu kleinen NF-A12x25-Lüftern durchgeführt.

KühlerTemp. 4,5 GHzTemp. 4,8 GHzLautstärke
Noctua NH-D15Ø 65,5 °CØ 76,8 °C47,9 dB(A)
Noctua NH-D15 (NF-A12x25)Ø 66,2 °CØ 78,8 °C49,7 dB(A)
Noctua NH-U14SØ 66,5 °CØ 80,3 °C46,2 dB(A)
Noctua NH-U12AØ 67,7 °CØ 80,5 °C49,7 dB(A)
Noctua NH-U12SØ 70,8 °CØ 84,6 °C45,8 dB(A)

Sieht man sich die Testergebnisse an, entsteht ein recht spannendes Bild. Dem direkten Vorgänger NH-U12S ist der NH-U12A deutlich überlegen. 3,1 bzw 4,1 Grad Celsius Differenz liegen zwischen den beiden Kühlern. Den NH-U14S erreicht der Noctua-Neuzugang jedoch nicht ganz. So ist er ohne Übertaktung 1,2 Grad Celsius wärmer. Übertaktet schrumpft die Differenz jedoch auf 0,2 Grad Celsius. Gänzlich geschlagen geben muss sich der NH-U12A hingegen dem Flaggschiff NH-D15. Dieser hat durch zwei Kühltürme und zwei 140 mm-Lüfter allerdings auch ganz andere Stärken, die er vor allem im übertakteten Modus ausspielt. Hier erreicht der NH-D15 einen WErt von 76,8 Grad Celsius und ist damit 3,7 Grad Celsius kühler als der NH-U12A. Ohne Übertaktung schrumpft der Vorsprung auf 2,2 Grad Celsius.

Wie gut die NF-A12x25-Lüfter eigentlich sind, zeigt auch der Test mit dem NH-D15 und den beiden Lüftern des NH-U12A. Die Differenz beträgt ohne Übertaktung 0,7 Grad Celsius, mit Übertaktung steigt der Wert auf 2 Grad Celsius. Die fehlende Größe der Lüfter trägt hier natürlich zu einer schwächeren Leistung bei. Ein Doppelturmkühler im 120 mm-Format mit den NF-A12x25-Lüftern wäre allerdings wohl unschlagbar und würde auch den NH-D15 in den Schatten stellen.

Etwas enttäuscht hat uns im Vergleich die Lautstärke der Lüfter. So schneiden die beiden Lüfter des NH-U12A mit einem Wert von 49,7 dB(A) deutlich schlechter als alle anderen Probanden ab. Der Vorgänger NH-U12S erzielt mit 45,8 dB(A) den geringsten Wert. Der NH-U14S, der fast identisch bzw. etwas besser als der NH-U12A kühlt, ist mit 46,2 dB(A) deutlich leiser. Selbst der NH-D15 mit zwei 140 mm-Lüftern ist nicht so laut wie der NH-U12A. Anzumerken ist allerdings auch, dass durch die Gehäusedämmung des Dark Base 700 die Geräusche sehr gut gedämmt werden, weshalb die Werte definitiv in Ordnung sind. Der Unterschied fällt nur bei geöffnetem Gehäuse stark auf.

Fazit: teuer, aber sehr gut

Mit dem NH-U12A hat Noctua der U12-Serie ein großzügiges Upgrade spendiert. Der Kühler passt durch die kompakten Maße in fast jedes Case und auf jedes Mainboard. Zwei Lüfter und ein breiter Kühlkörper sorgen vor allem bei den übertakteten Tests für eine Kühlleistung, die bis an 140 mm-Modelle heranreicht. Großen Doppelturmkühlern muss sich der NH-U12A dann aber doch geschlagen geben. Diese bieten allerdings niemals den Komfort und die Kompatibilität.

Einziger Wermutstropfen ist der aktuelle Preis, den Noctua verlangt. So kostet der NH-U12A derzeit stolze 99,90 Euro, was ihn sogar noch teurer als den NH-D15 macht. Dieser ist ab gut 90 Euro zu haben. Nichts desto trotz verleihen wir dem Noctua NH-U12A auch zwei PC Builder’s Club-Awards in den Kategorien Excellence und Performance.

Über Florian Maislinger 853 Artikel
Florian Maislinger ist Autor und Gründer von PC Builder's Club. Als gelernter IT-Engineer ist er bestens mit Computern und Hardware vertraut und seit Kindesbeinen an ein Technikliebhaber wie er im Buche steht. Er ist hauptsächlich für die News und unsere Social Media-Kanäle verantwortlich.

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