AMD RX 590 kurz und knapp: alle Benchmarks der neuen Radeon-Mittelklasse

AMD Radeon RX 590
(Bild: AMD)

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Heute hat AMD die Radeon RX 590 als dritte Version der Polaris-Architektur vorgestellt. Wir haben alle Benchmarks und Ergebnisse zusammengefasst.

Die RX 590 muss es richten

AMD steckt derzeit in einem Sumpf aus Problemen, was den Grafikkartenmarkt betrifft. Vor gut einem Jahr kamen die letzten Grafikkarten heraus. Die RX Vega 56 und RX Vega 64 legten allerdings einen äußerst holprigen Start hin. Einerseits kam AMD nicht an die GTX 1080 Ti von Nvidia heran, andererseits gab es massive Probleme bei der Verfügbarkeit, was in sehr hohen Preisen resultierte. Der Miningboom gab AMD dann endgültig den Rest. Die Preise der RX Vega-Grafikkarten sanken erst wieder, als die Mining-Blase endgültig platzte.

Ein Jahr später steht AMD jedoch vor dem nächsten größeren Problem. Der Konkurrent Nvidia hat eine neue Grafikkartengeneration namens Turing auf den Markt gebracht, auf die AMD (noch) keine Antwort parat hat. Das spiegelt sich auch gut im Preis der RTX 2070, RTX 2080 und RTX 2080 Ti wieder. Nvidia kann derzeit außer Konkurrenz auch höhere Preise für die absolute Speerspitze im Grafikmarkt verlangen. Für den Highend-Markt wird es wohl erst 2019 oder gar erst 2020 in Form von Navi wieder Konkurrenz für Nvidia geben.

Einen wichtigen Markt bedient AMD jetzt jedoch mit der RX 590 weiter. Während Turing preislich fernab des Mainstreams platziert ist, gibt es noch keine Lösung für den Mainstream-Markt. Ein großer Teil der Absätze wird nämlich in diesem Segment gemacht. Hier haben die Kontrahenten mit der RX 580 und der GTX 1060 bereits länger Grafikkarten etabliert. Für das Weihnachtsgeschäft hat AMD heute die bereits geleakte RX 590 releast. Sie soll im Mainstream-Segment bis zum Launch von Navi zumindest noch ein bisschen Abhilfe schaffen.

12nm und deutlich mehr Takt


Die RX 590 ist eigentlich bereits ein alter bekannter. Sie ist die dritte Generation von Polaris und kommt demnach als Polaris 30. Gegenüber dem Vorgänger Polaris 20, welcher in der RX 580 werkelt, gibt es jedoch eine große Änderung. So sank die Strukturbreite von 14 auf 12nm. Die Chipgröße ist dabei jedoch gleich geblieben. Auch sonst ändert sich nicht viel. Auch Polaris 30 kommt mit 2.304 Shadern und bis zu acht Gigabyte GDDR5-Speicher an einem 256 Bit-Interface bei 4.000 MHz Takt. Gestiegen ist durch die kleinere Strukturbreite jedoch der Takt der GPU. So steigt der Boosttakt von 1.340 MHz der RX 580 auf ganze 1.545 MHz in der RX 590. Im Bezug auf die Rohleistung der Grafikkarte ist das ein ordentlicher Sprung nach oben. Während die RX 580 gegenüber dem Vorgänger RX 480 noch 6 Prozent mehr Rohleistung aufweisen kann, leistet die RX 590 ganze 22 Prozent mehr als die RX 580.

Benchmarks: Leistungsplus für Spiele

Da wir selbst leider zum Start keine RX 590 zum Testen erhalten haben, verwenden wir die Benchmarkergebnisse der Kollegen von ComputerBase.de. Die ausführlichen Benchmarks sind in deren Artikel ersichtlich.

In den Benchmarks zeigt sich vor allem, dass die RX 590 problemlos mit der GTX 1060 konkurrieren kann. Auf Full-HD liegen die getesteten Custom-Karten praktisch gleichauf mit einer maximal übertakteten GTX 1060. Die Founders Edition hängt die RX 590 sogar um bis zu 11 Prozent im Gesamtranking ab. Damit liegt die RX 590 zwischen der GTX 1060 und der GTX 1070, welche noch einmal 25 Prozent schneller ist. Ein praktisch identisches Ergebnis ergibt sich auch auf WQHD. Bei einigen Spielen kann die RX 590 dabei sogar einen Vorsprung im Vergleich zur GTX 1060 herausholen. So ist bei Assassin’s Creed: Origins die GTX 1060 auf Full HD 5 bis 9 Prozent überlegen, während die RX 590 auf WQHD gut drei Prozent überlegen ist. Das gleiche Verhalten zeigt sich auch bei Destiny 2. Lediglich in Final Fantasy kann die GTX 1060 Founders Edition auf beiden Auflösungen etwas besser als die RX 590 abschneiden.

Die eSports-Spiele Fortnite, Overwatch, Rainbow Six: Siege und World of Warcraft hat ComputerBase.de noch einmal extra getestet. Auch hier zeigt sich, dass die RX 590 eine Spur besser als die GTX 1060 als Founders Edition abschneidet. In Full HD ist sie im Schnitt 3 Prozent vorne, in WQHD sogar 6 Prozent. Das Maximum an Mehrleistung holt die neue Radeon-Grafikkarte bei Rainbow Six: Siege auf WQHD heraus. Hier leistet sie ganze 21 Prozent mehr als die GTX 1060 und sieben Prozent mehr als die RX 580. In World of Warcraft ist die RX 590 hingegen 10 bzw. 9 Prozent langsamer als die GTX 1060.

Wenig Übertaktungspotenzial und stromhungrig

Die bereits sehr hoch getakteten Custom-Grafikkarten von PowerColor, Sapphire und XFX hat ComputerBase natürlich auch übertaktet oder es zumindest versucht. Der maximale Boosttakt stieg im Vergleich zur RX 580 schon generell sehr hoch an. Die Partnerkarten sind dabei noch höher getaktet. So bringt die Sapphire RX 590 Nitro+ Special Edition 1.560 MHz mit, die PowerColor Red Devil 1.576 MHz und die XFX Fatboy OC+ sogar 1.600 MHz. Den Speicher übertaktet einzig Sapphire von Haus aus auf 4.200 MHz. Den Takt haben die Grafikkarten auch im Test problemlos gehalten. Beim weiteren Übertakten kam dann allerdings die Ernüchterung. So hat es das Team von ComputerBase zwar geschafft, alle Grafikkarten auf 1.625 MHz zu übertakten, bei 1.650 MHz kam es aber zu Abstürzen aller drei Grafikkarten. Das könnte daran liegen, dass AMD das Powerlimit fixiert hat. Beim Speicher sind hingegen problemlos 500 MHz mehr möglich.

AMD erkauft dieses hohe Plus an Takt einerseits durch die 12nm-Strukturbreite, andererseits aber auch durch einen leicht erhöhten Stromverbrauch. So verbrauchen alle drei Modelle der RX 590 zwischen 56 und 107 Prozent mehr als die GTX 1060 Founders Edition. Auch gegenüber der RX 580 steigt der Verbrauch um bis zu 19 Prozent, übertaktet sind die Unterschiede jedoch im niedrigen einstelligen Prozentbereich zu finden. Bei der RX 580 versuchte AMD noch, den Stromverbrauch so gering wie möglich zu halten und verbaute in der Referenzversion nur einen 6Pin-Anschluss. Bei der RX 590 sind hingegen ein 6- und ein 8Pin-Anschluss vorhanden, weshalb auch die Performance pro Watt schlechter ist. Die Referenzversion liegt dabei jedoch über der RX 580.

Höherer Preis, dafür im Bundle mit drei Spielen

Alles in allem ist AMD mit der RX 590 für das Weihnachtsgeschäft gut gerüstet. Die Grafikkarte bietet dank verbesserter Fertigung und deutlich mehr Takt ein gutes Performanceplus von overall 10 Prozent. Die Leistungsaufnahme ist dafür um nur 7 Prozent gestiegen, was ein ganz guter Deal ist. Gestiegen ist jedoch auch der Preis. So kosten die ersten Custom-Modelle der RX 590 zwischen 259 und 309 Euro, während die RX 580 mit 8 Gigabyte Grafikspeicher bereits ab 199 Euro erhältlich ist. Einen entscheidenden Vorteil haben die neuen Modelle jedoch. Mit ihnen gibt es zum Start gleich drei Spiele bei teilnehmenden Händlern oben drauf. Mit dabei sind Resident Evil 2, Devil May Cry 5 und The Divison 2. Auch Käufer einer RX Vega oder von Komplettsystemen mit diesen Grafikkarten erhalten übrigens die Spiele.

AMD versüßt damit den Spielern zu Weihnachten noch einmal den Kauf einer Grafikkarte. Der wirkliche Konkurrent zu Turing und damit einhergehende fallende Preise fehlt aber einfach noch. So wird wohl erst das Jahr 2019 wieder ein wirklich gutes Jahr für AMDs Grafiksparte Radeon.

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