be quiet! Dark Base 700 im Test – Alles richtig gemacht, be quiet!

(Bild: PCBC)

Das neue Dark Base 700 von be quiet! sieht nicht nur schick aus, es ist ein wahrer Meister der Modularität. Der Hersteller geht mit der Zeit und verbaut nicht nur Hartglas, sondern auch endlich RGB und eine Netzteilabdeckung. Wir haben das Case getestet!

Übersicht

be quiet! ist vor allem für gute und vor allem leise Kühler und hochwertige Netzteile bekannt. Seit einiger Zeit mischt der deutsche Hersteller auch im Gehäusemarkt mit. Bekannte und ausgezeichnete Cases wie das Dark Base 900 oder das Pure Base 600 haben sich zu einem gewissen Standard in der Branche gemacht. be quiet! steht für deutsche Qualität. Produziert wird zwar in China, die Qualitätskontrolle findet aber immer in Deutschland statt. Mit diesen Prädikaten ist be quiet! vor allem im europäischen Raum ein Top-Hersteller.

Einzig schade war, dass es lange Zeit schien, dass be quiet! den Anschluss bei den Cases verloren hatte. Das Pure Base 600 gibt es zwar auch mit Hartglasseite, im Vergleich zu Phanteks oder NZXT wirkten die Cases jedoch etwas angestaubt. Kein RGB, keine Netzteilabdeckung und ein verhältnismäßig eher altes Layout.

Das hat sich mit dem Dark Base 700 jetzt wieder geändert. Und zwar auf eine typische be quiet!-Art. Man hat keine anderen Hersteller kopiert, sondern das ganze Know-How in ein eigenes Produkt gesteckt. Heraus kommt ein Case, das sich nicht nur designtechnisch mehr als sehen kann, sondern auf Augenhöhe mit den typischen Designmerkmale von 2018 ist.

Design und Verarbeitung


Besonders hat be quiet! auch bei diesem Case wieder auf ein schickes, aber dezentes Design geachtet. Das Dark Base 700 kommt edel verarbeitet mit viel Stahl und Aluminium daher. Das sieht man dem Case auch an. Durch die tadellose Verarbeitung wirkt das schwarze DB700 bereits beim reinen Betrachten edel. be quiet! setzt nun erstmals auf eine Abdeckung für das Netzteil. Der Schacht ist dabei kein durchgezogenes Blechteil, sondern mit Plastikabdeckungen verschlossen. Der Innenraum wirkt sehr aufgeräumt, was auch durch die fehlenden Festplattenkäfige entsteht. be quiet! hat sich hier einen besonderen Clou ausgedacht und macht die Käfige modular. Wen die Käfige stören, der kann auch andere Halterungen nutzen und die entstandenen Lücken mit Abdeckungen schließen.

An der Außenseite gibt es natürlich ein Glaspanel für den Hauptraum, das sich über die ganze Seitenfläche erstreckt und sauber im Case eingelassen ist. Auf dem gehärteten Glas sind oben und unten schmale schwarze Streifen angebracht, welche die Sicht auf die verhältnismäßig hässlichen Einfassungsränder verdeckt. Das war ein Kritikpunkt am ersten Gehäuse mit Glas von be quiet!, dem Pure Base 600. Ein besonderer Akzent ist das RGB-Farbband. Es erstreckt sich zwischen dem Frontpanel und den leicht angewinkelten Mesh-Gittern und zieht sich von ganz oben bis hinunter in den Fuß durch. Der Fuß ist sowohl vorne als auch hinten fließend ins Gehäusedesign integriert und mit seinen Winkeln eine Abwechslung zu den sonst meist runden Zylinderfüßen anderer Hersteller.

Generell gibt sich be quiet! wie gewohnt keine Blöße bei der Verarbeitung seiner Gehäuse. Alle Kanten sind sauber entgratet und gut lackiert. Das Gehäuse wirkt hochwertigst und verdient den Zusatz „Premium“ wirklich. Lediglich die kleinen überstehenden Schrauben, mit denen das Glaspanel fixiert ist, stören uns etwas im ganzen Designflow.

Features

Das Dark Base 700 ist ein Gestaltwandler

Zumindest in gewisser Hinsicht lässt sich das Dark Base 700 in seinen vielen Facetten komplett in eine andere Gestalt verwandeln. Die Außenansicht bleibt natürlich gleich – der Clou liegt jedoch im Innenraum. Wie bereits beim Dark Base 900 kann das DB700 komplett vom User auseinandergenommen und invertiert wieder zusammengebaut werden. Das Glas lässt sich dann ebenfalls auf der rechten Seite montieren. Das Mainboard steht dann überkopf da. Anders als bei Corsair bleibt das Netzteil jedoch auf der Unterseite. Generell bleiben alle Features auch invertiert erhalten. Wer seinen Computer also lieber auf der linken Seite seines Schreibtisches stehen hat, kann das Dark Base 700 einfach passend umbauen.

Die Netzteilabdeckungen lassen sich entfernen. (Bild: PCBC)

Auch der Innenraum lässt sich ganz nach den Wünschen des Users anpassen. be quiet! setzt auf einen vollkommen modularen Aufbau. Die Netzteilabdeckung lässt sich jedoch nicht zur Gänze entfernen. Lediglich die einzelne Abdeckungsplatten auf der Oberseite und die Hauptabdeckung auf der Vorderseite können herausgeklippt werden, der Rahmen bleibt. Die Abdeckungen auf der Oberseite können so Platz für größere Radiatoren oder Pumpen für Wasserkühlungen und deren Verrohrung machen. Direkt neben dem Mainboardtray sind dann insgesamt fünf Ausschnitte für die Festplattenkäfige vorhanden. Welche alle mit Blindkappen verschlossen sind. Versteckt unter der Netzteilabdeckung findet sich noch einmal ein kleiner Rahmen für zwei dieser Käfige. Auf der Rückseite des Mainboardtrays sind Halterungen für drei zusätzliche 2,5″-Datenträger angebracht.

Massig Platz für alles

Trotz der Midtowergröße schafft be quiet! es, ziemlich viel in das Dark Base 700 zu packen. So lassen sich insgesamt sieben Festplatten im 3,5″-Format unterbringen. Auf der Rückseite des Mainboardtrays stehen noch die zusätzlichen Träger für drei 2,5″-Datenträger bereit. Der vierte Platz, auf dem noch so ein Träger installiert werden kann, ist mit dem Controller für Lüfter und RGB belegt. be quiet! liefert insgesamt drei Käfige für 3,5″-Datenträger mit. Die entkoppelten Käfige können dabei auch für je zwei 2,5″-Datenträger Platz bieten, wodurch insgesamt 17 davon im ganzen Case installiert werden können. Die Länge des Netzteils kennt dank der Abdeckung praktisch keine Grenzen. be quiet! nennt trotzdem 285mm als längstes Maß. Nettes Detail: auf der ganzen Länge der Unterseite gibt es auch einen Filter für den Netzteillüfter. Auch beim Mainboardsupport sieht es gut aus. Supportet werden sowohl EATX als auch Mini-ITX und natürlich alles dazwischen.

Seine Aufmerksamkeit hat be quiet! auch dem Support für Lüfter und Radiatoren gewidmet. So lassen sich auf der Vorderseite entweder bis zu zwei 140mm-Lüfter oder drei 120mm-Lüfter verbauen. Auch hier ist ein Filter für die Lüfter eingebaut. Auch ein 360mm-Radiator lässt sich auf der Vorderseite montieren. Im Deckel sieht es ähnlich aus. Auf einem herausziehbaren Schlitten kann ebenfalls alles bis zu einem 360mm-Radiator montiert werden. Auch drei 140m-Lüfter hätten Platz, ein entsprechender Radiator würde aber auf Kollisionskurs mit dem Mainboard geraten. Auf der Rückseite kann ein 140mm-Lüfter oder Radiator installiert werden. Auch auf dem Boden und der Netzteilabdeckung ist Platz für je einen 140mm-Lüfter. Bereits vorinstalliert sind übrigens zwei 140mm Silent Wings 3-Lüfter mit PWM-Steuerung. Einer sitzt dabei in der Front, der zweite an der Rückseite. Wer lieber auf Luftkühler setzt, kann diese bis zu einer Höhe von 180mm einbauen.

Der herausziehbare Rahmen für die Radiatorinstallation. (Bild: PCBC)

Ein nettes Gimmick ist auch der Support einer vertikalen Grafikkarteninstallation. Neben den neun PCIe-Slots gibt es nämlich auch zwei vertikal aufgestellte Slots mit etwas Abstand zur Glaswand. Ein dafür nötiger PCIe-Riser wird jedoch nicht mitgeliefert. Generell können Grafikkarten bis zu einer Länge von 430mm eingebaut werden, wenn der HDD-Käfig auf dieser Höhe nicht eingebaut wird. Das einzige, worauf be quiet! im durchdachten Raumkonzept verzichtet hat, sind die Bays für 5,25″-Laufwerke. Diese werden in der heutigen Zeit aber sowieso eher selten eingebaut.

Kabelmanagement – gut, aber ausbaufähig

Hier kommt eigentlich auch schon unser größter Kritikpunkt am Dark Base 700. So gelungen das Case auch im Gesamtbild sein mag, so hat be quiet! scheinbar beim Kabelmanagement auf Innovation vergessen. Zwar sind etliche Velco-Straps beigelegt, mit denen an vielen Mountingpunkten die Kabel montiert werden können, ganz sauber bekommen wir unser Kabelmanagement jedoch trotzdem nicht hin. Hier hätten wir uns Führungsschienen wie beim neuen H700i von NZXT gewünscht, die das Routing der Kabel doch noch einmal vereinfacht hätten.

Das Kabelmanagement ist etwas tricky. (Bild: PCBC)

Zumindest bleibt genug Platz hinter dem Mainboardtray. Auch die Abdeckung des Netzteils macht es deutlich leichter, nicht gebrauchte oder zu lange Kabel einfach zu verstauen. Die Kabeldurchführungen sind aus schwarzem Gummi gefertigt und nicht die bei anderen Herstellern verwendeten Sterne, sondern eine Art von aneinandergereihten Klappen. Die Gummis sind jedoch scheinbar einfach aufs Blech aufgesteckt, weshalb wir beim Montieren zweimal eine Abdeckung in der Hand hatten.

Ein RGB-Fan-Hub, sie zu knechten

Ein smartes Feature hat be quiet in diesem Gehäuse ebenfalls eingebaut. Der auf der Rückseite sitzende Hub ist sowohl der Controller für die Lüfter als auch für RGB-Beleuchtung. Dabei hat be quiet! ein Doppelsystem integriert. Mit einem Kabel zu einem PWM-Anschluss am Mainboard wird das PWM-Signal abgegriffen. Mit der Steuerung können so insgesamt sechs PWM-Lüfter angesteuert werden. Der am I/O-Panel installierte Schalter kennt drei Schaltstellungen: 1, 2, 3 und Auto. Bei „Auto“ verwendet der Controller einfach das PWM-Signal vom Mainboard. 1 ist die niedrigste Stufe, während 3 die höchste einstellbare Stufe ist. Die beiden Rails zur Lüftersteuerung lassen sich dabei auch einzeln zwischen einem „Performance“ und einem „Silent“-Modus hin- und herschalten. So kann man beispielsweise ein Radiator-Setting mit stärkeren Lüftern betreiben gleichzeitig mit leiseren Gehäuselüftern betreiben. Als Stromversorgung ist ein Molex-Connector vorhanden, ohne den der Hub nicht funktioniert.

(Bild: PCBC)

Auch die RGB-Steuerung ist in diesem Controller integriert. Auch hier wird ein mögliches vorhandenes Signal von einem Mainboard mit einem Kabel am RGB-Header abgegriffen. Der Controller funktioniert aber auch Standalone mit dem Button am I/O-Panel. So lassen sich jedoch lediglich sechs Farben auf dem integrierten Farbband auf der Außenseite sowie einem zusätzlich anschließbaren RGB-Strip einstellen. Als Zwischenschritt gibt es noch einen integrierten Breathe-Modus. Mit dem RGB-Signal vom Header lassen sich sowohl das eingebaute Farbband als auch ein zusätzlicher Strip komplett mit z.B. Asus‘ Aura Sync oder MSIs Mystic Light steuern.

Dieser Hub ist vor allem sehr universell einsetzbar und unserer Meinung nach ein äußerst sinnvolle Ergänzung. Im Vergleich zum NZXT-Hub kommt er auch ohne Softwaresteuerung aus und arbeitet mit allen Lüftern und Mainboards gleichermaßen zusammen.

Dämmung

Wie eigentlich jedes be quiet!-Case ist auch beim Dark Base 700 eine umfangreiche Geräuschdämmung eingebaut. Diese findet sich im Front- und im fast zur Gänze geschlossenen Top-Panel sowie auf der rückseitigen Abdeckung. Die Dämmung vermindert dabei tatsächlich die Geräuschkulisse der Komponenten. Auch Details wie die entkoppelten HDD-Käfige und ein entkoppeltes Netzteil sind ein wahrer Segen für die Gesamtlautstärke des Systems. Einziger Nachteil ist, wie schon bei anderen Cases, die Temperatur im Innenraum. Diese steigt im Vergleich zum direkten Luftzug deutlich an. Mit offenen Panels und gleichen Lüftersettings haben wir auf der CPU acht und auf der GPU ganze neun Grad Celsius weniger gemessen. Das ist unserer Meinung nach aber vertretbar und ein guter Kompromiss für eine stille Umgebung.

I/O auch mit USB 3.1

Das Anschlusspanel hat sich im Vergleich zu den Vorgängern nicht viel verändert. Neu ist der USB 3.1 Gen 2-Anschluss im USB-C-Format. Der mittig gelegene Einschaltknopf wird auf der rechten Seite von zwei USB 3.0-Ports im klassischen Typ A-Format flankiert. Auf der rechten Seite ist auch der Schalter für die LED-Beleuchtung. Auch eine LED für Speicheraktivitäten gibt es. Auf der linken Seite finden sich die obligatorischen Anschlüsse für Mikrofon und Kopfhörer, daneben der USB-C-Port und die Lüftersteuerung mit vier Stufen.

Systemeinbau

Mainboardeinbau und Kühler

Der Systemeinbau geht mit dem Dark Base 700 besonders einfach vonstatten. Das Mainboard wird auf den versetzbaren Abstandshaltern angeschraubt. Die Montage des Netzteils kann von beiden Seiten vonstatten gehen. Das vordere Panel der Netzteilabdeckung mussten wir dafür nicht entfernen. Das Netzteil findet seinen Platz dabei in einem etwas größeren Rahmen, der es vom restlichen Gehäuse entkoppelt. Um unsere Silent Loop 360mm-AiO zu installieren, haben wir direkt den oberen Installationsrahmen genutzt. Dieser lässt sich dafür ganz einfach herausziehen, was das Anschrauben des Radiators sehr einfach macht. Auf der Rückseite des Mainboardtrays ist ein entsprechender Ausschnitt zum Installieren der Kühlerbackplate. Darüber befindet sich allerdings der Tray für zwei 2,5″-Laufwerke. Dieser muss zunächst abgeschraubt werden, um den Kühler installieren zu können.

Grafikkarte und Datenträger

Die Grafikkarte lässt sich wie gewohnt einbauen. Im Gegensatz zu anderen Gehäusen kommt uns vor, dass unsere ziemlich schwere Sapphire R9 390X Nitro deutlich fester in den PCIe-Slots des Gehäuses sitzt. Diese verwinden sich nicht und halten stabil. Besonders einfach ist auch die Installation der HDD-Käfige. Die einzelnen Abdeckungen lassen sich einfach herausdrücken. Die Käfige werden dann von hinten nach vorne in das Gehäuseinnere geschoben und mit drei Daumenschrauben fixiert. Gänzlich anders funktioniert hingegen die Installation auf den 2,5″-Trägern. Die SSDs werden von unten nach oben angeschraubt und stehen somit quasi „frei“ im Raum auf den Halterungen.

Verkabelung

Auch die saubere Verkabelung klappt dank dem Platz hinter dem Mainboardtray und den Klett-Kabelbindern sehr gut. Die Führungsschienen fehlen uns allerdings etwas, was das Endergebnis etwas trübt. Hinter der Netzteilabdeckung lassen sich dafür alle Kabel sauber und gut verstecken. Die Kabeldurchführungen sind jedoch etwas gewöhnungsbedürftig und halten nicht allzu gut auf den Blechausschnitten. Die Verkabelung der Lüfter ist dafür dank dem recht zentral gelegenen Hub sehr einfach und vereinfacht auch das Management der Lüfter. So spart man sich einen extra Controller oder Splitter. Auch unsere AiO läuft problemlos über den Hub.

Gehäuseabdeckungen und Glas

Das Glas und das Seitenpanel sind so genau gefertigt, dass praktisch keine Spaltmaße zu sehen sind. Dank der schwarzen Streifen am Glas ist es uns dieses mal sogar gelungen, beim Einbau keine Fingerabdrücke auf die Innenseite des Glaspanels zu bringen. Die Gehäusepanels lassen sich auch oben und vorne ohne große Mühe abnehmen, was vorne die Lüfterinstallation sehr einfach macht. Der Filter lässt sich ebenfalls leicht entfernen.

Fazit

be quiet! hat sich mit dem Dark Base 700 wieder einmal selbst übertroffen. Trotz vielen neuen Features hat es sich der deutsche Hersteller nicht nehmen lassen, in weiterhin gewohnt hervorragender Qualität zu fertigen und Features der Oberklasse einzubauen. Die Modularität und der invertierbare Aufbau dürfte viele Fans finden. Auch für umfangreiche Wasserkühlungen ist das Dark Base 700 sehr gut geeignet. Aufgewertet wird das ganze Paket noch einmal durch eine dezente RGB-Beleuchtung und sinnvolle Features wie den RGB-Fan-Hub. Mit solchen Details trifft be quiet! perfekt den derzeitigen Trend. Hervorragend ist auch der Preis. Mit einem Preis von derzeit ca. 150 Euro bei Mindfactory ist das Case definitiv eine Empfehlung für alle, die nach Qualität und Vielseitigkeit suchen.


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