Kompaktkühler im Test: be quiet! Shadow Rock TF 2

Zwar flach, aber doch groß und stark: der be quiet! Shadow Rock TF 2. (Bild: PCBC)

Nicht jeder baut Computer mit den Maßen eines Kleinwagens. Manchmal sind leistungsstarke Komponenten in kompakten Gehäusen versteckt. Und auch diese Komponenten brauchen eine Kühlung. be quiet! bietet nun für genau diesen Anwendungsfall einen neuen Kühler mit dem Namen Shadow Rock TF 2 an. In unserem Test kommen wir zu einer positiven Überraschung.

Übersicht

Für gute und vor allem leise Kühllösungen ist be quiet! weltbekannt. Die Produkte des deutschen Herstellers sind millionenfach in den Computern vieler Gamer und Enthusiasten verbaut. Besonders bekannt ist be quiet! für seine Luftkühler. Produkte wie der Dark Rock Pro 3 stellen oftmals bereits die Referenz dar, wenn es um Kühlung bei gleichzeitig leisem Betrieb geht. Um möglichst kompakte Builds auch entsprechend kühlen zu können, hat be quiet! den Shadow Rock TF 2 entwickelt. Hinter der Abkürzung versteckt sich das Wort Topflow. Der TF 2 ist damit ein Kühler im Topblower-Design. Der Kompaktkühler stellt einen Kompromiss aus guter Kühlleistung von bis zu 160 Watt TDP und einem leisen Betrieb dar. Die Größe ist zwar deutlich klein, aber nicht so klein, dass er in jedes Minimalstgehäuse passen würde. Dennoch ist er für viele Möglichkeiten äußerst interessant.

Verpackung und Aufbau


Geliefert wird der Shadow Rock TF 2 in der gewohnt hochwertigen be quiet!-Verpackung. Enthalten ist der Kühler selbst, ein nicht näher benannter schwarzer 135mm-Lüfter, Montagekits für Intel und AMD sowie Wärmeleitpaste. Supportet werden die Prozessorserien AM4, AM3(+), AM2(+), FM1 und FM2(+) von AMD sowie LGA 775, 1155, 1150, 1151. 1366 und 2011-3. Intels neuer 2066-Sockel wird noch nicht genannt, wir gehen aber davon aus, dass be quiet! auch dafür bald Sets anbieten und mitliefern wird.

Gefertigt ist der TF 2 im für Topblower typischen Design. Neu ist, dass be quiet! nun direkt auf die Kühlerplatte aus Kupfer bereits erste Lamellen aufsetzt. Für den hauptsächlichen Wärmetransport sorgen allerdings fünf Kupfer-Heatpipes mit einem Durchmesser von 6mm. Diese führen in die aus Aluminium gefertigten Kühllamellen über der Kühlerplatte. Durch den Kühlkörper ist der TF 2 doch deutlich größer, als wir zuerst vermutet hatten. Insgeamt misst die zu kühlende Fläche 135 x 135 mm. Durch die Heatpipes kommt es zu einer Gesamtfläche von guten 135 x 165 mm. Die Einbauhöhe  liegt mit 112 mm unter praktisch jedem Towerkühler, was den Shadow Rock TF 2 auch in sehr schmale Gehäuse passen lässt. Die Kühlerplatte liegt nicht mittig unter den Lamellen, sondern seitlich leicht versetzt, was einem beim Einbauen gewisse Spielräume gibt.

Interessant ist auch der neu entwickelte Lüfter. Dieser hat keinen Namen wie die Lüfterserien Pure Wings oder Silent Wings, leistet aber hervorragende Arbeit. Er ist mit seinen 135 mm Durchmesser genau auf den Kühler abgestimmt. Durch ein neues „strömungsoptimiertes“ Lüfterblattdesign und Rifle-Lager soll der Lüfter sehr langlebig sein. Die Lautstärke gibt be quiet! mit maximal 24,4 db(A) an.

Fotos

  • Der be quiet! Shadow Rock TF 2 ist mächtig, aber auch entsprechend groß. (Bild: PCBC)

Einbau

Der Einbau geht relativ simpel vonstatten. Wie bei den meisten Luftkühlern von be quiet! wird eine Backplate verwendet. Die AM4-Backplate ist aus Kunststoff, die auf unseren Fotos verwendete Intel-Backplate für 1151 ist als eine Art Kreuz aus Metall gefertigt. Auf den Kühler selbst werden die jeweils notwendigen Halterungen montiert, von der Backplate aus werden die Schrauben angezogen und der Kühler fixiert. Mit 680 Gramm ist der TF 2 einer der leichteren Prozessorkühler, was den Einbau deutlich erleichtert. Eine Wärmeleitspaste ist bereits ab Werk auf der Kühlerplatte vorhanden, was einen lästigen Zwischenschritt erspart. Wer andere Wärmeleitpaste verwenden möchte, kann dies natürlich tun. Für unseren Test haben wir die Wärmeleitpaste von be quiet! entfernt und unsere eigene Thermal Grizzly Kryonaut aufgetragen.

Entscheidend ist auch die Richtung, in die der TF 2 eingebaut wird. Da die Kühlerplatte nicht mittig unter dem Kühlkörper liegt, verschiebt sich die Position immer leicht. Bei Intel hat man die Wahl zwischen allen vier Himmelsrichtungen, während AMD aufgrund des rechteckigen Designs der Kühlerbohrungen nur zwei Richtungen ermöglicht. Vorteilhaft ist die Variante, die Heatpipes in Richtung Westen auszurichten. So bleibt der Kühler weg von der Rückwand und dem Gehäuselüfter daran. Die Arbeitsspeicherriegel auf der anderen Seite haben viel Platz. Wird der TF 2 mit den Heatpipes in Richtung Norden gedreht, könnte bereits ein Platzproblem unterhalb mit der Grafikkarte entstehen. Das ist vor allem bei Mini-ITX Builds problematisch.

Leistungstest

Testsystem und Testverfahren

Als Testsystem für den Shadow Rock TF 2 kommt unser Referenzsystem, bestehend aus den folgenden Komponenten, zum Einsatz.

KomponenteProdukt
ProzessorIntel Core i7-7700K
MainboardAsus Maximus IX Hero
ArbeitsspeicherCrucial Ballistix Elite 3000 MHz 32 GB
GrafikkarteSapphire Radeon R9 390 Nitro
SSDSamsung 850 Evo 500 GB
Netzteilbe quiet! Dark Power Pro 1000 Watt
GehäuseNZXT H440
WärmeleitpasteThermal Grizzly Kryonaut
Kühlerbe quiet! Silent Loop 360
Belüftung3x 120mm im Frontpanel
1x 140mm an der Rückwand

Lüfter: NZXT FNv2 Casefans PWM
BetriebssystemWindows 10 Home

Der Kühler ist mit den Heatpipes in Richtung Süden eingebaut. Die Messungen erfolgen bei geschlossenem Gehäuse und moderat drehenden Gehäuselüftern. Verbaut sind drei Stück 120mm-Lüfter mit PWM der Marke NZXT in der Front und ein 140mm-Lüfter auf der Rückseite. Die Raumtemperatur beträgt 23° C. Um zusätzliche Last zu erzeugen, führen wir die Tests sowohl mit normalem Takt als auch mit Übertaktung auf 4,8 GHz Taktrate und 1,36V Spannung aus.

Für die Temperaturmessungen verwenden wir verschiedene Testverfahren. Zum einen wird mit Prime95 im Blend-Test eine Last auf dem Prozessor erzeugt. Um eine reale Einschätzung zu bekommen wird in einem zweiten Test mit diversen Spielen (Battlefield 1, The Witcher 3, The Forest, …) eine hohe Last erzeugt. Die Temperaturen werden mit Cam und Realtemp gemessen.

Lautstärke

Besonders überrascht hat uns die Lautstärke. Der Lüfter dreht tatsächlich angenehm leise. Störgeräusche sind keine zu vernehmen, Das einzige Geräusch, das der TF 2 von sich gibt, ist ein leichtes Luftrauschen, das aber bei geschlossenem Gehäuse von den Gehäuselüftern übertönt wird.

Im IDLE auf Standardtakt können wir den Kühler defacto nicht von unseren Gehäuselüftern unterscheiden. Gleiches gilt für den Spielebetrieb. Bei Prime95 trennt sich normalerweise die Spreu vom Weizen. Der TF 2 bleibt trotzdem angenehm zurückhaltend, ist aber leicht zu vernehmen.

Beim Übertakten setzt sich das gute Bild fort. Im IDLE und in Spielen ist der Lüfter weiterhin nur schwer von den Gehäuselüftern zu unterscheiden. Der Prime95-Test holt alles aus dem TF 2, der Lüfter dreht auf voller Kraft. Mehr als ein leises Luftrauschen ist nicht durch unsere Gehäuselüfter zu hören. Diesen Test haben wir nach wenigen Minuten allerdings abgebrochen, da die Temperatur zu hoch gestiegen ist. Im Vergleich zur Silent Loop 360 schenkt sich der TF 2 nichts in Sachen Lautstärke.

Temperatur

Wie wir es für einen Topblower erwartet haben, ist die Kühlleistung etwas geringer als bei ausgewachsenen Towerkühlern. Es kommen folgende Werte zustande:

TestartTemperatur
1000 RPM
Temperatur
Full RPM
IDLE @ 4,5 GHz39° C36° C
Gaming @ 4,5 GHz62 °C60° C
Prime95 Blend @ 4,5 GHzabgebr.83° C
IDLE @ 4,8 GHz49° C47° C
Gaming @ 4,8 GHz72° C70° C
Prime95 Blend @ 4,8 GHzabgebr.abgebr.

Vor allem beim stark übertakteten i7-7700K auf 4,8 GHz und 1,36V Prozessorspannung sind die Grenzen deutlich erkennbar. Selbst bei voll drehendem Lüfter haben wir aus Angst um unseren Prozessor den Prime95-Test nach wenigen Minuten abgebrochen. Unser H440-Gehäuse ist verhältnismäßig dicht, was einem ähnlichen Verhältnis wie in vielen Kompaktrechnern sehr nahe kommt. Dafür schlägt sich der TF 2 äußerst gut, selbst bei Übertakteten Prozessor stieg die Temperatur nie über 72° C, was für die Größe sehr gut ist. Auf Normaltakt sind die Ergebnisse wie erwartet. Interessant sind auch die Ergebnisse mit 1000 Umdrehungen pro Minute, die meist nur zwei bis drei Grad Celsius geringer sind als mit vollen 1400 Umdrehungen pro Minute.

Fazit

Der be quiet! Shadow Rock TF 2 ist die goldene Mitte aus flachem und ruhigem Kühler und guter Kühlleistung. Verhältnismäßig hat uns die doch etwas größere Größe jedoch überrascht, ebenso wie die Leistungsfähigkeit. Kompatibel ist er trotzdem mit fast allen Gehäusen, auch in kleine Tower und HTPCs passt der Kühler problemlos. Kosten tut der Shadow Rock TF 2 gut 50 Euro, was ihn zwischen dem größeren Modell Dark Rock TF für 75 Euro und dem kleineren Shadow Rock für gut 36 Euro positioniert. Damit ist er aber auch teurer als die meisten potenten Towerkühler. Wer jedoch tatsächlich keinen Platz hat, wird nicht um einen Topblower herumkommen. Unserer Meinung nach ist be quiet! der Kompromiss aus kleiner Bauform, guter Kühlleistung und fast lautlosem Betrieb gut gelungen. Erhältlich ist der TF 2 im Fachhandel und im Internet, beispielsweise bei Amazon oder bei Caseking.

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