Ist PCIe 4.0 für die Nvidia RTX 3080 und RTX 3090 notwendig?

Braucht die Nvidia GeForce RTX 3090 PCIe 4.0?
(Bild: Mockup PCBC/FB)

Die neuen Nvidia Ampere-Grafikkarten RTX 3080 und RTX 3090 kommen mit PCIe 4.0. Doch sind auch ein PCIe 4.0-Motherboard mit CPU notwendig?

PCI Express 4.0: angekommen im Mainstream?

Spätestens seit der dritten Ryzen-Generation, Codename Matisse, ist eine Technologie in aller Munde: PCIe 4.0. AMD hat noch vor Intel als erster Hersteller den Übertragungsstandard in ein Mainstream-Produkt gebracht, das bei vielen PC-Enthusiasten im Einsatz ist. Auch die Navi-Grafikkarten des Herstellers nutzen bereits PCIe 4.0. Bringen tut der schnelle Standard die doppelte Übertragungsgeschwindigkeit von PCIe 3.0. Damit steigen aber auch die Anforderungen an die Motherboards und die Elektronik. Ob das ganze überhaupt notwendig ist, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Einige Anwendungsfälle wie die RX 5500XT, die acht PCIe 4.0-Lanes nutzt und durch den geringen Videospeicher tatsächlich einen Nachteil hat, gibt es. Im Highend mit 8 Gigabyte Videospeicher und mehr sieht es jedoch anders aus.

Absolut im Mainstream kommt PCIe 4.0 allerdings jetzt mit den neuen Nvidia Ampere-Grafikkarten an. Auch diese unterstützen die neuste Übertragungstechnik. Wer noch nicht auf Ryzen 3000 geupgradet hat oder ein Intel-System besitzt fragt sich jetzt berechtigt: braucht meine neue RTX 3080 oder RTX 3090 eine CPU mit PCIe 4.0?

Die Theorie: was PCIe 4.0 kann

Die Grundfrage dahinter ist einmal: warum verbaut Nvidia überhaupt PCI Express 4.0? Bei der Vorgängergeneration Turing hat das Unternehmen selbst bei Topmodellen wie der RTX 2080 Ti auf PCIe 4.0 verzichtet. Dabei ist der 3.0-Standard denkbar alt. 2010 wurde er eingeführt. Erst im Jahr 2017 kam der Release von Version 4.0. Geändert hat sich die Übertragungsrate, die sich im Vergleich zu PCIe 3.0 verdoppelt hat. Jetzt sind bei 16 Lanes bis zu 32 Gigabyte pro Sekunde möglich. Theoretisch könnte man also mit acht PCIe 4.0-Lanes die gleiche Geschwindigkeit wie mit 16 PCIe 3.0-Lanes erreichen. Das macht sich unter anderem AMD zunutze und setzt bei kleineren GPUs wie der RX 5500XT auf acht Lanes. Hier sind Systeme ohne den neuen Standard tatsächlich im Nachteil. Gepaart mit einem kleinen Videospeicher muss die GPU nämlich auch auf den Arbeitsspeicher zugreifen. Hier ist die schnellere Übertragungsrate von enormem Vorteil.

Abseits von Grafikkarten bringt PCIe 4.0 auch beim Speicher einen theoretischen Vorteil. Mit nur vier Lanes lassen sich bis zu 8 Gigabyte pro Sekunde übertragen. Auch hier ist der tatsächliche Vorteil aber weniger vorhanden. Abseits von wenigen Programmen im Workstation- und Serverbereich gibt es vor allem beim Zocken keinen Vorteil.

Nvidia baut PCIe 4.0 aus mehreren Gründen in die neuen RTX 3000-Grafikkarten ein. Das Unternehmen steht nach wie vor an der Spitze, was Grafikleistung anbelangt. Daher setzt Nvidia auf den neusten Standard. Auch Intel steigt in absehbarer Zeit darauf um, weshalb es einfach sinnvoll ist, darauf zu setzen. Die GeForce-Modelle haben aber auch immer Schwestermodelle im Workstation-Bereich. Und dort gibt es Anwendungen, die die Geschwindigkeit ausnutzen können.

Brauchen RTX 3080 und RTX 3090 PCIe 4.0-Hardware?

Die Frage, die sich viele Gamer nun stellen: brauche ich ein neues Motherboard samt Prozessor, um eine RTX 3080 zu nutzen? Die Kurzantwort darauf ist: Nein!

Die Langantwort ist schon etwas komplexer. Wie so oft haben bereits viele Tester den konkreten Unterschied ausgetestet. Dieser hält sich im verschwindend geringen einstelligen Prozentbereich. ComputerBase kommt in Spieletests im Schnitt auf 0,5 Prozent Abweichung. Im schlimmsten Fall sind es 5 Prozent Abweichung, aber auch minus 2 Prozent sind möglich. ComputerBase hat mit der gleichen Ryzen 3000-Plattform getestet und das Motherboard manuell auf PCIe 3.0 umgestellt.

Sorgen haben aber vor allem Intel-Nutzer. Deren Plattform verzichtet noch komplett auf PCIe 4.0. Selbst die aktuellen Comet Lake-S-CPUs unterstützen nur PCIe 3.0. Den neuen Standard gibt es erst seit Tiger Lake im Notebook. Im Desktop soll er erst mit Rocket Lake-S, dem Nachfolger von Comet Lake-S, Einzug halten. Die Sorge ist jedoch unbegründet, wie die Tests von Hardwareluxx mit der RTX 3080 zeigen. Der Autor testet hauptsächlich mit dem Intel Core i9-10900K, für die PCIe 4.0-Tests kommt ein Ryzen 5 3600 zum Einsatz. Dieser ist dem i9-10900K deutlich unterlegen, wenn man die Tests vergleicht. Im Gaming tritt also zutage, was auch davor Geltung hatte: Intel ist nach wie vor einen Tick schneller. Das Interface der RTX 3080 tut vor allem wegen dem 10 Gigabyte großen Videospeicher nichts zur Sache. Es ist kein Austausch mit dem Arbeitsspeicher des PCs notwendig.

Fazit: eine starke CPU ist für RTX 3080 und Co wichtiger als PCIe 4.0

Unser Fazit dürfte viele Besitzer eines älteren Systems und vor allem Intel-Nutzer beruhigen. Wer noch keine PCIe 4.0-Hardware besitzt, muss sich für die RTX 3070, RTX 3080 und RTX 3090 nichts neues zulegen. Vor allem Nutzer von i9-10900K, i7-10700K oder auch i9-9900K müssen definitiv nicht auf Ryzen 3000 wechseln. Wer einen Ryzen 3000-Prozessor mit PCI Express 4.0-Unterstützung und passendem X570- oder B550-Motherboard besitzt, muss sich sowieso keine Gedanken machen. Für die Nvidia Ampere-Topmodelle RTX 3080 und RTX 3090 ist eher eine starke CPU wichtig. Ein i7-10700K oder Ryzen 7 3700X darf es schon sein. Wer noch auf Kaby Lake oder eine ältere Ryzen-Generation setzt, sollte aber einen Umstieg erwägen – auch aus anderen Gründen. PCIe 4.0 ist jedenfalls keiner dieser Gründe und vermiest niemandem die Party.

Über Florian Berger 46 Artikel
Florian Berger ist Autor bei PC Builder's Club. Durch sein Technikinteresse stieß er Ende 2019 zum kleinen Team dazu und kümmert sich seitdem um Verwaltung, Lektorat und viele Recherchen und Features.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*