In diesem Bau-Guide wollen wir uns dem widmen, was jedes Mitglied von PC Builder’s Club zu einem Mitglied macht: wie man einen PC baut! Das ist weniger Hexerei, als manche meinen und bedarf keiner ewigen Einarbeitung. Mit unserer ganzen Seite wollen wir den Einstieg in die PC-Welt vereinfachen und die Basis schaffen, damit sich jeder einen eigenen PC bauen kann.

 

Komponentenauswahl

Eine wichtige Sache ist die Auswahl der Komponenten. Die Marktvielfalt ist geradezu erschlagend, weshalb es schwierig ist, die richtigen Konstellationen zu finden. Um diesen Schritt zu vereinfachen, haben wir unsere Basic-Artikel erstellt, welche das notwendige Wissen vermitteln. Zusätzlich haben wir viele eigene Zusammenstellungen erstellt, die gute Konstellationen nach verschiedenen Einsatzzwecken und Stil aufzeigen und genau so gebaut werden können.

 

Vorbereitungen


Werkzeug

Grundsätzlich ist nicht viel Werkzeug zum Zusammenbau notwendig. Die wichtigsten Werkzeuge sind Geduld und Fingerspitzengefühl – und Schraubendreher. Viele Komponenten können ganz einfach mit der Hand ohne Werkzeug montiert werden, beispielsweise CPU, Grafikkarte und Arbeitsspeicher. Der CPU-Kühler, das Mainboard selbst und andere Teile sind jedoch oft verschraubt. Es ist daher ratsam, ein passendes Set aus Schraubendrehern bei der Hand zu haben. Ein weiteres nützliches Tool ist eine Pinzette, mit der manch kleine Schraube gehalten werden kann.

ESD – Electrostatical Discharge

Nicht zu unterschätzen ist die Gefahr, mit der eigenen statischen Spannung auf den Fingern manche Komponenten zu zerstören. Daher ist es wichtig, sich vor dem Baubeginn zu erden. Dazu kann man entweder kurz mit beiden Händen die Rohre eines Heizkörpers oder die Erdungskontakte in der Steckdose berühren. Man bekommt dabei natürlich keinen Stromschlag, falls restliche Spannung in den Fingern ist, entweicht diese aber. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann auch mit ESD-Equipment arbeiten, welches einen dauerhaft per Armband und ESD-Matte erdet.

 

Der Zusammenbau

Montage von Prozessor, Arbeitsspeicher und M.2-SSDs auf dem Mainboard

Im ersten Schritt montieren wir den Prozessor und den Arbeitsspeicher. Mit leichtem Druck auf den seitlichen Hebel kann man diesen aushängen, um die Halterung zu Lösen. Der Prozessor muss einfach in den Sockel eingelegt werden.  Dabei ist die Markierung am Sockel und am Prozessor zu beachten, damit der Prozessor richtig im Sockel sitzt. Keine Sorge: man kann den Prozessor eigentlich nicht falsch einsetzen, nur ist es durchaus möglich, bei gewaltsamem Vorgehen die Pins zu verbiegen. Anschließend muss der Rahmen wieder heruntergeklappt werden, der Hebel wird wieder unter die Vorrichtung geklemmt.

Montierter Prozessor. (Bild: PCBC)

Anschließend kann der Arbeitsspeicher in die DIMM-Slots gesteckt werden. Dabei ist zu beachten, dass die meisten Mainboards bei nur zweifacher Belegung eine gewisse Reihenfolge vorsehen. Diese steht entweder im Handbuch oder, wie bei unserem Modell, direkt am Mainboard. Zuerst müssen die Halterungen an der Seite auf die Seite geklappt werden. Anschließend werden die Module mit etwas Kraft nach unten in die Slots gedrückt, woraufhin die seitlichen Halterungen wieder an Ort und Stelle zurückspringen sollten. Alternativ können sie mit der Hand befestigt werden.

Oberhalb des Slots ist die Reihenfolge markiert. Die Slots A2 und B2 müssen zuerst befüllt werden. (Bild: PCBC)

Anschließend wird noch die M.2-SSD montiert, sofern eine vorgesehen ist. Die Montagepunkte dafür befinden sich meist bei den PCIe-Slots, können aber auch an anderen Stellen liegen. Die Länge der Module ist genormt, wodurch immer mehrere Bohrungen auf dem Mainboard vorhanden sind. Deshalb müssen etwaige Abstandshalter entsprechend der Länge der M.2-SSD ins Mainboard eingeschraubt werden. Die M.2-SSD wird anschließend mit einer Schraube von oben fixiert.

M.2-Slot mit Bohrungen für den Abstandshalter. Dieser ist in der letzten Bohrung verschraubt, die Schraube zum Fixieren ist in diesen eingeschraubt. (Bild: PCBC)

 

Wärmeleitpaste und Prozessorkühlermontage

Je schwerer der Kühler, umso eher muss eine Backplate montiert werden. Bei großen Kühlern wie dem Dark Rock Pro 3 ist die Montage besonders aufwändig, da er viel Platz benötigt und man so sehr schlecht an die Schrauben am Sockel kommt. Daher haben wir eine eher unkonventionelle Methode gewählt, bei der wir die Wärmeleitpaste auf den Kühler aufgetragen haben, um anschließend das Mainboard kopfüber auf den Kühler aufzusetzen und zu verschrauben.

Bei der Montage von anderen Kühlern ist unbedingt immer die Anleitung zu beachten, um später den Prozessor ausreichend kühlen zu können. Grundsätzlich wird meistens ein Gestell auf das Mainboard geschraubt, auf die Rückseite eine Backplate, welche das Gewicht besser hält. Anschließend wird auf dieses Gestell dann der Kühler aufgesetzt und verschraubt. Zu beachten ist dabei, dass die richtigen Bohrungen für den richtigen Sockel gewählt werden.

Für die Lüfter des Prozessorkühlers gibt es direkt beim Prozessor einen oder zwei PWM-Lüfteranschlüsse. An diese werden die Lüfter angeschlossen, welche den Kühlturm dann kühlen. Der PWM-Anschluss dient dazu, die Lüfter möglichst genau steuern zu können. Die Lüfterkurve kann meist im BIOS eingestellt werden.

Anschluss der PWM-Lüfter. Unser Kühler ist mit einem Splitter ausgestattet, weshalb nur ein Anschluss am Mainboard benötigt wird. (Bild: PCBC)

Mainboardmontage im Gehäuse

Um das Mainboard nun im Gehäuse zu montieren, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zuerst muss die I/O-Blende hinten ins Gehäuse geklipst werden, um die Anschlüsse des Mainboards passend abzudecken. Anschließend müssen in den meisten Gehäusen Abstandshalter installiert werden, damit das Mainboard nicht auf dem Mainboardtray aufliegt. Danach kann das Mainboard in das Gehäuse gehoben und mit den beigelegten Schrauben verschraubt werden. Die Anschlüsse müssen dabei in die Slotblende eingefäldelt werden, was dank Federn auf der Blende nicht ganz unproblematisch sein kann. Zur Not kann man diese Federn auch nach außen wegbiegen.

Verkabelung des Mainboards und der Gehäuselüfter

Das eingebaute Mainboard kann nun bereits mit dem Gehäuse verkabelt werden. Das Frontpanel bietet verschiedene Anschlüsse, die ans Mainboard gesteckt werden müssen. In unserem Fall bietet das Nanoxia Deep Silence 3 USB-Anschlüsse, Audio-Anschlüsse, Reset- und Einschaltknopf und zwei Lüftersteuerungen. Die USB-Anschlüsse werden auf entsprechende USB-Header gesteckt. Die Header sind entweder am Mainboard angeschrieben oder können im Handbuch nachgesehen werden. USB 2.o-Header sind dabei mit deutlich weniger Pins ausgestattet als USB 3.0-Anschlüsse, welche als Stecker ausgeführt werden.

Anschluss eines USB 2.0-Steckers an den entsprechenden Header. Die Anschlüsse sind so ausgeführt, dass man sie nicht umdrehen kann. (Bild: PCBC)

 

USB 3.0-Anschluss direkt unter dem Stromanschluss und entsprechender Stecker vor dem Einstecken  auf das Mainboard. (Bild: PCBC)

Die Anschlüsse für die Steuerung des Mainboards selbst, in diesem Fall der Reset- und der Einschaltknopf, haben einen gemeinsamen Header. In unserem Fall sind die Stecker jedoch einzeln ausgeführt, weshalb diese auch einzeln einzustecken sind. Das Handbuch liefert hier genaue Informationen, welche Pins für welche Funktion vorgesehen sind.

Die Gehäuselüfter werden ebenfalls am Mainboard angeschlossen. Dafür stehen meist 3-Pin-Anschlüsse zur Verfügung. Alternativ wird in vielen Gehäusen, auch in unserem, eine Lüftersteuerung verbaut, welche direkt ans Netzteil angeschlossen wird und somit vom Mainboard unabhängig ist.

Netzteil einbauen und Computer fertig verkabeln

Der aufwändigste Part beim Bau ist das Einbauen des Netzteils und das Verkabeln. Bei den meisten Gehäusen ist die Position des Netzteils unten, was den Einbau erleichtert. Das Netzteil wird ins Gehäuse gehoben und hinten mit dem Gehäuse verschraubt. Manche Gehäuse bieten auch eine Netzteilabdeckung, die davor zu entfernen ist. Anschließend werden die Kabel durch das Loch im Mainboardtray geführt. Je nach Netzteil sind die Kabel dabei fix verbaut oder teils modular. Bei modularen Versionen müssen nur die notwendigen Kabel angesteckt werden. Anschließend werden die Kabel, welche benötigt werden, am Mainboard angeschlossen.

Der 24polige ATX-Mainboardstecker ist der wichtigste und am schwierigsten zu verkabelnde Stecker. Er ist auf der rechten Seite des Mainboards anzuschließen. Das Kabel wird auf der Rückseite des Trays zum passenden Lock geführt und am Mainboard angesteckt.

Angeschlossener 24Pin-ATX-Stecker. Darunter zu sehen ist der USB 3.0-Stecker. (Bild: PCBC)

Ein weiterer notwendiger Stecker für das Mainboard ist der 12V-Stecker für den Prozessor. Dieser ist meistens oberhalb des Prozessors verbaut, weshalb es schwierig sein kann, diesen im bereits verbauten Mainboard anzuschließen. Nanoxia hat dafür ein kurzes Zusatzkabel beigelegt, welches sich hervorragend gut einstecken lässt. An dieses Zusatzkabel wird anschließend der 8polige 12V-Stecker des Mainboards angeschlossen.

Die beiden 12V-Kabel für den Prozessor. im Hintergrund ist der Anschluss zu sehen, an welchen die Kabel angeschlossen werden müssen. (Bild: PCBC)

Für die Grafikkarte wird nun das verbaute und mit GPU markierte Kabel durch die entsprechende Öffnung geführt. Dieses Kabel wird später direkt in die Grafikkarte gesteckt. Eine eventuell vorhandene Lüftersteuerung kann nun ebenfalls ans Netzteil gesteckt werden, in unserem Fall an einen Molex-Stecker.

Die Kabel sollten nun möglichst sauber im Gehäuse verstaut werden. Dafür sind meist Halterungen am Mainboardtray vorgesehen, in welche die Kabel eingehängt oder mit Kabelbindern fixiert werden können. Die verbleibenden Kabel müssen ebenfalls verstaut werden. In unserem Fall haben wir den Platz für die Festplattenhalterungen dafür genutzt. Ein semi- oder vollmodulares Netzteil schafft hier Abhilfe, da man sich viel Verkabelungsaufwand sparen kann.

Grafikkarte einbauen

Um das Anstecken der Mainboardstecker zu erleichtern, wird erst danach die Grafikkarte eingebaut. Dafür müssen hinten die entsprechenden Slotblenden entfernt werden, an welcher die Grafikkarte später eingebaut wird. Diese Blenden sind meist mit kleinen Schrauben fixiert. Die Grafikkarte wird anschließend in den PCIe-Slot gesteckt und meistens mit einem Splint hinten befestigt. Gleichzeitig werden die Slotbleche in die vorgesehene Halterung des Gehäuses gesteckt und an der Oberseite mit diesem verschraubt.

In Anschluss-Slots geschraubte Grafikkarte. (Bild: PCBC)

Anschließend wird die Stromversorgung vom Netzteil an den Stecker auf der Ober- oder Rückseite gesteckt. Manche Grafikkarten benötigen nur einen 6-Pin-Anschluss, welcher dadurch realisiert wird, dass die zwei zusätzlichen Pins als eigener Stecker einfach zur Seite gebogen werden können. Stromhungrigere Grafikkarten benötigen mehr Anschlüsse, weshalb manchmal auch zwei Kabel zur Grafikkarte verlegt werden müssen.

Angeschlossener 8-Pin-Stecker an der Hinterseite der Grafikkarte. (Bild: PCBC)

Festplatte einbauen, Festplattenkäfige entfernen

Soll noch eine zusätzliche 2,5-Zoll oder 3,5-Zoll-Festplatte oder SSD installiert werden, findet diese in passenden Halterungen oder Festplattenkäfigen Platz. Dabei können aus den Festplattenkäfigen meist einzelne Rahmen herausgezogen werden, in welche die Festplatte dann montiert wird. In unserem Fall wird die 2,5″-Festplatte von Barracuda in einen kleinen Rahmen montiert und anschließend in den vorhandenen Käfig geschoben. Auf der Rückseite kann die Festplatte nun mit einem Stromkabel direkt vom Mainboard und einem SATA-Kabel angeschlossen werden. Dieses SATA-Kabel muss auch ans Mainboard angeschlossen werden. Dabei ist zu beachten, dass der schnellste Anschluss gewählt wird, da bei manchen Mainboards noch alte SATA 3G-Anschlüsse vorhanden sind. Die genauen Anschlüsse sind im Handbuch zu finden.

Bei vielen Gehäusen können überflüssige Mainboardkäfige auch problemlos entfernt werden. Dafür ist manchmal eine Schraube zu lösen, oftmals sind die Käfige aber auch ohne Werkzeug entfernbar.

In einen Festplatten-Rahmen montierte 2,5″-Festplatte. (Bild: PCBC)

 

Angeschlossene Festplatte. Links ist der Power-SATA-Anschluss, Rechts das SATA-Datenkabel zum Mainboard zu sehen. (Bild: PCBC)

 

Zu guter letzt: Einschalten

Nachdem der Computer ordnungsgemäß zusammengebaut, alle Kabel verstaut und alles sicher montiert und fixiert wurde, kann man ihn mit dem Druck auf den Power-Button starten. Im BIOS sollten nun noch die Temperaturen des Prozessors kontrolliert werden, um eine Fehlmontage des Kühlers auszuschließen. Anschließend kann man das Betriebssystem installieren.