Grafikkarten wieder zur UVP: hier gibt es die günstigsten GPUs (Mai 2022)

Grafikkarten Preise UVP Maerz Rot-blaue Grafikkarte mit weißem GeForce RTX-Schriftzug
(Bild: Adobe Stock)

Grafikkarten von Nvidia und AMD sind teilweise wieder zur UVP oder noch günstiger verfügbar. Hier gibt es jetzt die günstigsten Angebote.

Das Trauerspiel mit den GPU-Preisen

Fast zwei Jahre hat sie uns nun beschäftigt: eine Grafikkarten-Krise, wie sie es noch nie gegeben hat. Seit dem Launch der RTX 3000-Grafikkarten hat sich der Preis eigentlich noch nie so wirklich eingependelt. Das ärgerte viele, angefangen bei denen, die noch panikartig ihre RTX 2080 Ti verkauften, weil die RTX 3070 gleich schnell ist und nur 519 Euro kosten sollte. Doch auch alle anderen, die sich eine Grafikkarten-Upgrade gönnen wollten, waren zuerst überrascht und anschließend wütend. RTX 3080 und Co. waren zuerst nicht verfügbar und anschließend preislich deutlich über der eigentlich günstigen UVP angesiedelt. Das gleiche galt für die kurz darauf vorgestellten AMD Radeon RX 6000-Grafikkarten. Was damals noch niemand ahnte: eine RTX 3080 für 950 Euro oder eine RTX 3090 für 1.700 Euro sollten wenig später gar als Schnäppchen durchgehen.

Denn einige verschiedene Faktoren trieben den Grafikkartenmarkt in eine nie dagewesene Krise. Einerseits wütete weiterhin die Corona-Pandemie, die viele Werke in Asien für Wochen und Monate stillstehen ließ, ein wahres Transport-Chaos auslöste und auch die Rohstoff-Zufuhr massiv erschwerte. Andererseits waren Grafikkarten dank eines neuen Mining-Booms und stark steigender Kryptowährungs-Kurse wie dem von Ethereum gefragt wie nie. Die Miner betrachteten Grafikkarten auch eher als Arbeitsgeräte und Investments und machten schnell hohe Preise salonfähig. Die Hände rieben sich vor allem Großhändler und der Retail, die wesentlich mehr Geld für die knappe Ressource der Grafikkarten verlangen konnten. Nvidia und AMD steuerten mit Grafikkarten-Drops zu UVP-Preisen gegen, die aber wenig bis nichts brachten. Denn schnell hatten auch Privatleute mit Profitgier ein Geschäft im Wiederverkauf von Grafikkarten entdeckt. Besonders Gamer litten darunter massiv, da für sie eine Grafikkarte keine Investition zum Geld verdienen ist, sofern nicht nebenbei gemined wird.

Die Grafikkarten-Krise findet langsam ein Ende

Schön langsam findet die Grafikkarten-Krise allerdings ein Ende. In den letzten Monaten sind die Preise immer weiter und schneller gefallen und erreichen mittlerweile wieder ein erträgliches Niveau. Doch warum eigentlich? Zu den günstigen Preisen tragen mehrere Faktoren Hand in Hand bei. Einerseits wird Mining immer unprofitabler. Durch den Ukraine-Krieg steigen die Energiepreise, während der Kurs der wichtigsten Mining-Kryptowährung Ethereum stand heute seit Jahresbeginn um gut 1.000 US-Dollar bzw. 27% sank. Auch die Netzwerk-Hashrate stagniert bei gut einem PH/s, was dafür spricht, dass keine neuen Grafikkarten-Miner in Betrieb genommen wurden. Dazu trägt wohl auch das baldige Mining-Aus mit der Umstellung auf Proof of Stake bei. Miner investieren aktuell also nicht mehr in Grafikkarten, da diese innerhalb kürzester Zeit wertlos sein könnten, wenn das Ethereum-Mining zu Ende ist.

Kursentwicklung von Ethereum seit Anfang des Jahres 2022 gut für Grafikkarten-Preise
Der Ethereum-Kurs seit Anfang 2022. (Bild: Coinmarketcap)

Ein anderer Faktor sind neue Grafikkarten-Serien von Nvidia und AMD, die wohl nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen werden. Die Nvidia GeForce RTX 4000-Serie soll dabei im Herbst den Anfang machen, bald darauf soll die Radeon RX 7000-Serie folgen. In Kürze gibt es von AMD auch noch einen Refresh der aktuellen Grafikkarten. Die Händler haben also aktuell großes Interesse, ihre noch aktuelle Ware loszuwerden, um Platz für die neuen Grafikkarten zu haben und keine großen Preisnachlässe auf dann alte Grafikkarten geben zu müssen. Die Folge sind immer günstigere GPU-Preise, um die Nachfrage zu erhöhen.

Die Grafikkarten-Preise erreichen teilweise UVP-Niveau

Damit geschieht etwas, das sich viele schon länger nicht mehr hätten träumen lassen: die Grafikkartenpreise sinken zum Teil wieder auf UVP-Niveau. Wer also einen neuen PC kauft oder aufrüsten möchte, könnte aktuell einen fairen Preis erzielen. Die günstigen Grafikkarten-Preise betreffen aber nicht jedes Segment, wie unsere Analyse zeigt. Dennoch sind so einige Schnäppchen dabei, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Die Bestpreise für Grafikkarten in der Übersichtstabelle

In unserer Übersichts-Tabelle haben wir jeweils den günstigsten Preis pro Serie verlinkt. Dazu finden sich die Differenz zur von Nvidia und AMD angegebenen UVP und zu den Preisen unseres März-Artikels, bei dem wir die Werte im April noch einmal angepasst haben, in Prozent. Die Tabelle lässt sich pro Spalte sortieren. Datenstand: 7.5.2022, 18 Uhr.

Grafikkarten-ModellUVP-PreisBestpreisUVP-DifferenzApril-Differenz
Nvidia GeForce GTX 1650149€206,48€+38,6%-6%
Nvidia GeForce GTX 1660225€298,97€+32,9%-10,2%
Nvidia GeForce GTX 1660 Super249€323,56€+29,9%-2,6%
Nvidia GeForce GTX 1660 Ti299€319,92€+7%-14,9%
Nvidia GeForce RTX 2060 6G369€348,97€-5,4%-11,4%
Nvidia GeForce RTX 3050279€349€+25,1%+16,7%
Nvidia GeForce RTX 3060329€448,95€+36,5%-10,0%
Nvidia GeForce RTX 3060 Ti419€570,21€+36,1%-6,1%
Nvidia GeForce RTX 3070519€679€+30,8%-12,4%
Nvidia GeForce RTX 3070 Ti619€749€+21%-9,1%
Nvidia GeForce RTX 3080 10G719€899€+25%-14,3%
Nvidia GeForce RTX 3080 12G1049€-14,6%
Nvidia GeForce RTX 3080 Ti1199€1289€+7,5%-7,2%
Nvidia GeForce RTX 30901549€1768,99€+14,2%-6,3%
Nvidia GeForce RTX 3090 Ti2249€2148,97€-4,4%
AMD Radeon RX 6400 XT175€182,97€+4,6%
AMD Radeon RX 6500 XT209€198,97€-4,8%+17,7%
AMD Radeon RX 6600339€350€+3,2%-11,2%
AMD Radeon RX 6600 XT379€425€+12,1%-9,4%
AMD Radeon RX 6700 XT479€599€+25,1%-3,2%
AMD Radeon RX 6800579€888,97€+53,5%-10,1%
AMD Radeon RX 6800 XT649€929€+43,1%-13,6%
AMD Radeon RX 6900 XT999€1114€+11,5%-10,8%

Einstiegsklasse: RX 6600 zur UVP, aber auch höhere Preise

Wir beginnen mit der Einstiegsklasse unter 450 Euro. Zwei Grafikkarten haben hier bereits wieder ihr UVP-Niveau erreicht, die RX 6500 XT und RX 6600. Letztere ist dabei besonders attraktiv und mit 350 Euro für viele Gamer erschwinglich. Mit 349 Euro ähnlich teuer ist die RTX 3050, die 349 Euro kostet. Sie ist damit gut 25% teurer als die UVP und auch teurer als noch Anfang April. Wer etwas weniger Geld zur Verfügung hat greift zur RX 6500 XT, die mit 198,97 Euro gut 10 Euro unter ihrer UVP liegt, aber etwas teurer als Anfang April ist. Außerdem braucht die RX 6500 XT zwingend ein PCIe 4.0-System, da die Leistung sonst deutlich niedriger ist.

Schon im Mittelklasse-Segment angesiedelt sind die RTX 3060 und die RX 6600 XT. Eine Empfehlung wert ist dabei aber vor allem die RX 6600 XT. Sie ist mit 425 Euro nur mehr 12,1% teurer als ihre UVP, dabei aber schneller und günstiger als die RTX 3060, die derzeit 448,95 Euro kostet und somit noch satte 36,5% über ihrer UVP ist. Wer also auf Nvidia-Features wie DLSS verzichten kann, ist mit der 425 Euro günstigen RX 6600 XT bestens bedient.

Mittelklasse: die 6700 XT bleibt das Schnäppchen

In der Mittelklasse sind die Preise für die Nvidia-Grafikkarten RTX 3070 und RTX 3070 Ti am weitesten gefallen. Die RTX 3070 gibt es mittlerweile für vertretbare 679 Euro, was zwar gut 30% über der ursprünglichen UVP liegt, aber auch 12,4% günstiger ist als noch Anfang April. Auch die RTX 3070 Ti ist mit 749 Euro in einem vertretbaren Preissegment angekommen. Der Preis liegt noch gut 21% über der UVP, ist im Vergleich zu April aber um 9,1% gesunken. Das Schnäppchen bleibt aber weiterhin die RX 6700 XT, die aktuell nur 599 Euro kostet. Das liegt zwar noch immer 25% über der UVP, ist aber ebenfalls vertretbar. Im Vergleich zu April sank der Preis jedoch nur um 3,2%.

Nach wie vor absolut keine Empfehlung wert ist hingegen die RX 6800. Sie ist zwar ebenfalls gut 10% im Preis gefallen, kostet mit gut 890 Euro aber immer noch 53,5% mehr als die eigentlich niedrige UVP von 579 Euro.

Highend: großer Preisfall bei der RTX 3080

Im Highend-Segment purzeln die Preise aktuell am spürbarsten. Für viele interessant dürfte da der Preis der RTX 3080 sein. Dieser ist mittlerweile bei 899 Euro angelangt. Das ist zwar nach wie vor 25% über der UVP, aber auch 14,3% günstiger als noch im April. Auch die RTX 3080 mit 12 Gigabyte Speicher sinkt um 14,6% im Preis und kostet im günstigsten Fall noch 1.049 Euro. Ob zwei Gigabyte mehr GDDR6-Speicher einen Aufpreis von 150 Euro wert sind muss aber jeder für sich entscheiden. Um 13,6% gefallen ist auch der Preis der RX 6800 XT, der mit 929 Euro aber immer noch gut 43% über der UVP liegt. Die RTX 3080 für 899 Euro ist da die bessere Entscheidung.

Deutlich besser gepreist ist die RX 6900 XT. Sie nähert sich mit 1.114 Euro für das günstigste Custom-Modell schon deutlich der UVP von 999 Euro und ist somit noch 11,5% entfernt. Auch im zeitlichen Vergleich kann sich der Preis sehen lassen: um 10,8% ist er seit April gefallen. Die niedrigste Differenz zur UVP in diesem Segment hat aber die RTX 3080 Ti. Sie kostet mittlerweile 1.289 Euro und ist damit nur mehr 7,5% von der UVP entfernt.

Weit entfernt von realistisch, aber zumindest um 4,4% günstiger als die UVP ist die RTX 3090 Ti. Sie kostet mit 2.148,97 Euro gut 100 Euro weniger als von Nvidia vorgesehen. Anders sieht es bei der RTX 3090 (ohne Ti) aus. Sie ist mit 1.768,99 Euro noch 14,2% teurer als die UVP, aber immerhin 6,3% günstiger als noch im April. Wer nicht auf den großen Videospeicher angewiesen ist, fährt mit der RTX 3080 Ti um 1.289 Euro deutlich besser und ist nahezu gleich schnell.

Fazit: es gibt wieder günstige Grafikkarten!

Derzeit sind die Grafikkartenpreise günstig wie seit langem nicht mehr. Ein sinkender Ethereum-Kurs, hohe Energiepriese und die nahenden neuen Grafikkarten-Serien von Nvidia und AMD tragen dazu bei, dass sich die Preise wieder normalisieren. In nahezu jedem Segment gibt es wieder empfehlenswerte Modelle. Im Einstieg ist die RX 6600 für 350 Euro ein absoluter Geheimtipp. 75 Euro mehr kostet die günstigste RX 6600 XT, die damit günstiger als die langsamere RTX 3060 ist. AMD ist auch in der Mittelklasse einen guten Tipp wert: 599 Euro für die RX 6700 XT sind vertretbar. Doch auch Nvidia spielt hier schon mit: 679 Euro zahlt man aktuell für die günstigste RTX 3070.

Im Highend-Segment fällt vor allem die RTX 3080 10G auf. Sie ist mit 899 Euro ebenfalls auf einem erträglichen Niveau angekommen. Wer über 1.000 Euro an Grafikkarten-Budget zur Verfügung hat, sollte zur RX 6900 XT für 1.114 Euro oder RTX 3080 Ti für 1.289 Euro greifen.

Geheimtipp: noch günstigere Grafikkarten im Mindstar

Zum Schluss haben wir noch einen Geheimtipp: aktuell laufen bei Mindfactory wieder einige Grafikkarten-Deals im Mindstar ab. Diese listen wir diesmal separat, um Verwirrung zu vermeiden. So gibt es derzeit die RX 6600 XT für 419 Euro, die RTX 3070 Ti ist mit 799 Euro ebenfalls günstiger. Ein paar Euro spart man auch mit der RX 6500 XT für 185 Euro. Wer eine 3090 Ti sein Eigen nennen möchte, kann dies beim Mindstar mit gleich zwei Modellen um 2.099 Euro am günstigsten tun.

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Über Florian Berger 64 Artikel
Florian Berger ist Autor bei PC Builder's Club. Durch sein Technikinteresse stieß er Ende 2019 zum kleinen Team dazu und kümmert sich seitdem um Verwaltung, Lektorat und viele Recherchen und Features.

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