Jetzt Grafikkarten kaufen oder warten? Und sind Miningkarten sicher?

(Bild: Mockup/PCBC)

Der Markt für Grafikkarten ist derzeit so variabel wie nie. Langsam gehen die Preise wieder zurück, doch morgen kann das wieder anders sein. Sollte man aktuell noch auf niedrigere Preise warten? Und sind Karten, mit denen früher Mining betrieben wurde, eher anfällig für Ausfälle oder kann man sie problemlos einsetzen?

Die Grafikkarten-Story

Es ist eigentlich das Thema in der Hardwarewelt schlechthin. Warum, zur Hölle, gibt es derzeit keine Grafikkarten zu annehmbaren Preisen? Eigentlich gibt es dafür ein paar sehr einfache Erklärungen und auch das oft genannte „Feindbild“ der Gamer: die Miner.

Am Anfang war der Hype

Aber von vorne. Das erste mal Probleme auf dem Markt für Grafikkarten waren Anfang 2017 zu spüren. Die bei Minern sehr beliebten Modelle RX 480 und RX 470 waren schon seit dem letzten Sommer auf dem Markt. Schön langsam wurde das Mining von Kryptowährungen etwas populärer. Die Ethereum-Difficulty stieg zunehmend an, immer mehr Miner wurden gebaut. Mitte 2017 war es dann schon recht schwierig, an RX-Grafikkarten zu kommen. Auch die älteren Modelle wie R9 380X etc. waren am Gebrauchtmarkt zu immer höheren Preisen und immer schwerer zu bekommen. Die Preise im Handle haben sich nicht verändert, auf einen Schlag bekam man jedoch keine Radeon-Grafikkarten mehr. Nirgends.

Im Sommer 2017 wurde das Thema Mining dann wirklich populär. Auf einmal begannen auch viele Privatpersonen, Mithilfe von Nicehash oder anderen Programmen nach Kryptowährungen zu schürfen. Ab Mitte des Sommers gab es wieder Grafikkarten, wobei die Preise damals schon etwas anstiegen. Neben den Mittelklasssekarten von AMD, auch dem Refresh der RX 500-Serie, und der Mittelklasse von Nvidia, vor allem GTX 1060 und GTX 1070, waren aber auch immer mehr Highendkarten wie GTX 1080 und 1080 ti in den Minen eingespannt.

Was blieb vom Hype?

Am Ende des Sommers war der Hype der Privatminer dann wieder fast vorbei. Mining war weiterhin recht profitabel, jedoch eher mit vollwertigen Minern mit möglichst vielen Grafikkarten. Die Preise stabilisierten sich jedoch wieder deutlich. Im Hintergrund begannen Nvidia und AMD, eigene Grafikkarten nur fürs Mining anzubieten. Diese bekam man in Europa jedoch nicht in die Finger und beschränkten sich eher auf den asiatischen Markt.

Zu Weihnachten war das Problem dann praktisch schon gegessen. Die Grafikkartenpreise hatten sich wieder normalisiert, alles schien wieder seinen normalen Weg zu gehen. Ein anderes Problem hatte sich jedoch im Hintergrund angebahnt. AMD und Nvidia waren so ausgelastet durch die Produktion von allen möglichen Grafikkarten, dass die Chipproduktion schlicht nicht weiter hochgefahren werden konnte. Größere Mining-Anbieter, aber auch kleinere, kauften daher weiter munter die ganz normalen Gaming-Grafikkarten. Anfang 2018 kamen dann die ersten Meldungen aus den USA, wo GTX 1080 tis nicht unter 1200 US-Dollar zu haben waren. Davon war zunächst zwei Wochen im europäischen Markt nichts zu spüren.

Die Händler schneiden mit

Diesmal waren die Händler jedoch auf den erneuten Engpass und den Hype vorbereitet. So sind die ersten Preise recht rasch angezogen worden. Dieses mal war nicht die Verfügbarkeit das Problem, sondern die Tatsache, dass die Retail-Händler die Preise so weit hochgefahren hatten, dass die Lager nicht wie verrückt leergekauft wurden. Einige Händler beschränkten auch die Mengen an Grafikkarten pro Bestellungen. Das änderte allerdings nichts an den hohen Preisen, von denen natürlich auch die Händler stark profitierten. Im Februar erreichten die Preise ihren Höhepunkt. Mittlerweile sind sie wieder um gute 20 bis 25 Prozent gesunken. Verantwortlich dafür sind fallende Krypto-Kurse und die Ankündigung eines ersten ASIC-Miners für Ethereum. Auch die Gebrauchtangebote von Grafikkarten nehmen wieder zu.

Kaufen oder nicht? So könnte sich der Markt verändern


Sollte man derzeit also überhaupt eine Grafikkarte kaufen? Die hohen Preise sprechen derzeit stark dagegen. In den letzten Tagen ist der Preis jedoch wieder etwas gesunken. Das ist vor allem auf den neuen Antminer E3 und das generell sinkende Interesse am Mining zurückzuführen. Die Nachfrage nach Grafikkarten ist weiterhin da, für Miner könnte sich das aber bald ändern.

Einerseits setzt die beliebteste Kryptowährung für Miner, Ethereum, bald auf einen anderen Proof. Mit dem Casper-Release wird Kryptomining deutlich unprofitabler. Ethereum steigt im Laufe der Zeit komplett auf ein Proof of Stake-Modell um, was das klassische Mining mit Proof of Work komplett beendet. Zwar können danach noch viele andere Kryptowährungen gemint werden. Sobald sich aber die Miner, die von Ethereum auf etwas anderes umsteigen, auf eine Kryptowährung stürzen, wird auch bei dieser das Mining deutlich schwieriger und meistens unprofitabel. Mit dem Ende vom Ethereum-Mining könnte daher auch das Ende vieler Miner im generellen folgen.

Diese Ansicht teilt auch Nvidia-CEO Jensen Huang. Dieser meinte neulich, dass Nvidia nicht mit der Produktion von Grafikkarten hinterherkomme. Eine neue Produktionslinie sei aber ebenfalls keine Lösung für Nvidia, da das Unternehmen im Laufe des Jahres mit sinkendem Interesse an Grafikkarten für Miner rechne. Auf Dauer könnten so wieder mehr Grafikkarten für Gamer auch für diese übrigbleiben.

Derzeit stehen wir meiner Meinung nach direkt vor dem Kippen des Markts. In einigen Wochen könnten die Preise noch einmal um ein gutes Stück gefallen sein. Aus der Sicht eines Kryptominers wird sich auch in der Kryptowelt nicht so schnell etwas ändern, dass einen erneuten Run auf die Grafikkarten auslösen könnte. Daher wird auf lange Sicht auch der Gebrauchtmarkt interessant, welcher jedoch auch seine Risiken birgt.

Auch jetzt gibt es schon gute Angebote

Nichtsdestotrotz wagen sich bereits einige Anbieter vor und bringen verhältnismäßig günstige Karten. Witzigerweise betrifft das nicht alle GPU-Serien. So ist beispielsweise die GTX 1070 fast immer so teuer wie das noch größere Modell GTX 1070 ti. Der Kompromiss zwischen 1070 und 1080 stellt derzeit eine der Karten mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis dar, da einzelne Modelle auch an die Leistung einer 1080 rankommen.

Nachfolgend haben wir aktuelle Angebote zusammengestellt:

Wie sicher sind Grafikkarten, mit denen gemint wurde?

Belastungsunterschied Gaming vs. Mining

Grundsätzlich ist Mining zwar eine recht rechenintensive Aufgabe für die Grafikkarten, jedoch keine schwierigere als Gaming mit hohen Detailstufen. In beiden Fällen werden die Grafikkarten entsprechend belastet. Der Unterschied ist jedoch, dass Gamer für gewöhnlich nicht 24 Stunden durchgehend zocken. Beim Mining hingegen laufen die Karten durchgehend. Lustigerweise haben die Grafikchips selbst damit eher weniger Probleme als die Kühler bzw. die Lüfter für diese Kühler. Die meisten Probleme treten daher bei den Lagern der Kühler auf. Diese beginnen zu rattern und laufen nicht mehr unbedingt rund.

Um dem Problem herzuwerden und um die Energiekosten zu senken sind viele Miner übrigens dazu übergegangen, die Karten zu undervolten. Mit dieser Optimierung verbrauchen die Karten weniger Strom bei gleichbleibendem Ertrag. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Karten dadurch deutlich kühler laufen und nicht mehr so stark gekühlt werden müssen. Die Lager werden dadurch ebenfalls geschont.

Mining-Karten erkennen

Was ist jetzt allerdings mit Karten, die in einem Miner liefen? Oftmals kann man diese am Gebrauchtmarkt schlicht nicht von normal verwendeten Gaming-Grafikkarten unterscheiden. Wenn ein Anbieter jedoch viele Grafikkarten verkauft, ist die Chance hoch, dass sie in Minern ihre Arbeit verrichtet haben. Dass Grafikkarten in Minern eingebaut waren, ist grundsätzlich kein Ausschlussgrund für die gesetzliche Gewährleistung. Wenn an der Karte im integrierten BIOS nichts geändert wurde und sie auf Stock-Einstellungen tadellos läuft, ist es meiner Meinung nach nicht unbedingt gefährlich, eine Karte aus einem Miner zu kaufen.

Im Idealfall kann man mit dem Verkäufer jedoch vorher ausloten, in welcher Konfiguration die Karte gelaufen ist. Dabei ist wichtig, ob die Karte übertaktet, undervoltet und vor allem in einem passenden Umfeld kühl gehalten wurde. Wenn das BIOS editiert wurde, würde ich persönlich diese Grafikkarte nicht mehr nehmen. Beim Editieren des BIOS können so viele Fehler auftreten und passieren, dass niemand sagen kann, ob es in Zuunft zu Problemen kommen kann. Außerdem ist die Gewährleistung bei editiertem BIOS meistens hinfällig.

Und wenn die Grafikkarte nicht mehr funktioniert?

Sollte also noch eine Gewährleistung bestehen, kann man die Grafikkarte eigentlich problemlos erwerben. Bei einem tatsächlichen Garantiefall gibt der Händler jedoch nicht unbedingt eine Austauschgrafikkarte her. Mit Pech bekommt man nur eine verminderte Summe des ursprünglichen Kaufpreises zurück, welche unter dem Preis für die Gebrauchte Grafikkarte liegen kann. Das ist der Handel, den man derzeit für günstige Grafikkarten eingehen muss.

TL;DR: Was soll man tun?

Derzeit steht der Markt an einem interessanten Punkt. Einerseits gibt es Bewegung bei den Kryptowährungen, andererseits wird Mining selbst immer unprofitabler. Das ist auch beim Preis der Grafikkarten zu merken, der derzeit deutlich sinkt. Auf Dauer wird er noch weiter sinken, weshalb meine Empfehlung ist, noch etwas zu warten. Auch jetzt gibt es allerdings schon gute Angebote. Sobald das Mining für viele Privatpersonen dann gänzlich unprofitabel wird, könnte auch der Gebrauchtmarkt wieder interessant sein. Dann sollte jedoch darauf geachtet werden, welche Grafikkarten man kauft und wie diese betrieben wurden.


1 Kommentar

  1. Die Chips leiden auch, laut einem Asus Mitarbeiter ist die zu erwartende Lebensdauer eines Chips auf ça 10 Jahre ausgelegt bei normalen Gamern.
    Nur erreicht eine Miningkarte die Laufzeit schon nach 8 bis 10 Monaten im Rig.
    Danach ist es nur noch Roulett ob sie kaputt geht oder nicht.

    Ich persöhnlich werde mir keine gebrauchte Karte mehr der aktuellen Generation kaufen.
    Da verzichte ich lieber auf ein paar Details, wobei meine 980ti mich bis jetzt noch nie im Stich gelassen hat.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*